Cichorium

Wegwarte, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Cichorium umfasst etwa 7 Arten (Kew 2022), die in Europa, Westasien, Nordafrika und Äthiopien beheimatet sind. Cichorium endivia und C. intybus sind als Gemüsepflanzen wichtige Kulturarten.
 

Cichorium endivia 

Endivie,

Cichorium endivia 
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

30–90 cm hohe Ein- bis Zweijährige mit kahlen Blättern. Grundblätter ungeteilt bis fiederteilig, am Rand oft wellig bis kraus. Obere Blätter den Stängel mit spitzen Zipfeln umfassend. Körbe 2−3 cm im Ø, die seitlichen blattachselständig, sitzend bis kurz gestielt. Hüllblätter kahl oder drüsenlos behaart. Frucht 2−3,5 mm lang, Pappusschuppen ca. 1/4 so lang wie die Frucht. Blütezeit Juli bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Die heimische, weit verbreitete Echte Wegwarte, Cichorium intybus, hat unterseits borstenhaarige Blätter. Bei der Kahlfrüchtigen Wegwarte, Cichorium calvum, sind die Früchte 1,5–2 mm lang, Pappusschuppen fehlen oder höchstens 0,1 mm lang.
 

Nutzung:

Gemüsepflanze, in zahlreichen Sorten wie `Bubikopf´ oder `Eminence´.  
 

Ausbreitung:

Die Endivie geht wahrscheinlich aus der zweijährigen Cichorium pumilum, welche im
gesamten Mittelmeergebiet beheimatet ist, hervor. Nach Mitteleuropa dürfte die Kultur durch Mönche gebracht worden sein, zunächst als Heilpflanze (Mansfeld 1986). Im Gebiet wird sie erstmals um das Jahr 800 in der Landgüterverordnung Karl des Großen genannt, spätestens ab dem 16. Jahrhundert ist ihre Kultur hier nachgewiesen (Körber-Grohne 1995). Gegenwärtig im Gebiet vereinzelt und unbeständig subspontan auftretend.
DEUTSCHLAND: 
So 1961 bei Wendlingen, Ilvesheim, 1969 Kleiningersheim und 1933 Bahnhof Stuttgart in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1996, Hand & Thieme 2023), Bamberg, Fischen, Oberstdorf, Lindau, Mindelheim und Wiedergeltingen in Bayern (Meierott 2008, Dörr & Lippert 2004), in Berlin (Seitz & al. 2012), im Bremer Hafen (Misskampf & Züghart 2000), Hamburg (Hand & Thieme 2023), 1988 in Frankfurt am Main in Hessen (Gregor & al. 2012), Neuhof bei Feldberg in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), im südwestlichen Niedersachsen (Weber 1995, Hand & Thieme 2023), Borgholzhausen-Westbarthausen, Borgholzhausen-Holtfeld und Steinhagen in Nordrhein-Westfalen (Lienenbecker & Sonnenborn 1979, Hand & Thieme 2023), in Chemnitz, Gorbitz bei Dresden, Leipzig-Rehbach und Leipzig-Großzschocher in Sachsen (Grundmann 1992, Hardtke & al. 2013, Gutte 2006), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und Thüringen (Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
Unbeständig und vereinzelt, so 2005 in Braunau in Oberösterreich auf einem Kinoparkplatz (Hohla 2006), Kasern in Salzburg (Simonová & Otýpková 2009, Glaser & al. 2025), bei Graz und Knittelfeld in der Steiermark (Glaser & al. 2025), Straße zur Faschingalm in Osttirol (Stöhr 2019), Tosters in Vorarlberg (Essl & Rabitsch 2002) und Simmering, Kaiserebersdorf und Grinzinger Friedhof in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1912 (Dalla Torre & Sarnthein 1912, Seebens & al. 2017, Glaser & al. 2025). In Südtirol u.a. bei Bozen (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
Sehr vereinzelt, so bei Waldenburg, beim Bahnhof Itingen, in Wenslingen, Liestal und Sissach im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018), in den Kantonen Bern und Genf (Infoflora 2024), im südlichen Tessin (Bellosi & al. 2011), Lausanne und Echallens in der Waadt (Wagenitz 1987), früher bei Solothurn (Wagenitz 1987) und am Güterbahnhof und Kiesgrube Hardplatz in Zürich (Landolt 2001).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch (seit) etwa 1850 in Belgien (Verloove 2021), (seit) 1924 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), (seit) 1929 in Polen (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021) und (seit) 1968 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Art:

Cichorium calvum

Die aus Äthiopien stammende Kahlfrüchtige Wegwarte, Cichorium calvum, wird gelegentlich mit Saatgut und Vogelfutter eingeschleppt. 1857 wurde die Art im Gebiet im Berliner Botanischen Garten erstmals aus Samen gezogen, die der Hofgärtner Schmidt in Athen aus Abessinien besorgt hatte (Traxler 1979). Die Art ist in Bayern seit etwa 1970/1980 vor allem in Ansaaten mit Alexandriner Klee und Perser Klee aufgetreten, seit der Jahrtausendwende gehen die Vorkommen infolge verbesserter Saatgutreinigung merklich zurück (Meierott & al. 2024).
 
Immer wieder trat und tritt die Pflanze verschleppt und unbeständig auf, so etwa 1990 am Rheindamm bei Au am Rhein, Mössingen, 1980 Talheim und 1983 Hagelloch in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1996, Hand & Thieme 2023), 1979 bei Kauernhofen, 1980 bei Wargolshausen, 1995 Merkershausen, 1984 Leinach, 1984 Maßbach und 1996 bei Prappach in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024), Kyritz in Brandenburg (Fischer 2017), Hessen (Hand & Thieme 2023), Rostock und Nevern in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Bad Rothenfelde in Niedersachsen (Weber 1995, Hand & Thieme 2023), in Kamen und 1987 auf einer Industriebrache in Eppendorf in Nordrhein-Westfalen (Loos 1997, Jagel 2021), Malborn im Hunsrück, Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016), bei Heldburg in Thüringen (Zündorf & al. 2006), Königsdorf und Strem im Burgenland (Traxler 1984, Gilli & al. 2022), in Kärnten (Fischer & al. 2008, Essl & Rabitsch 2002), Dürnkrut in Niederösterreich (Melzer & Barta 1995), 1986 bei Grieskirchen, Mühlheim am Inn, Katzenbergleithen, Pram und Bad Ischl in Oberösterreich (Raabe in: Fischer & Niklfeld 2008, Hohla 2011, Hohla 2022), Zeltweg in der Steiermark (Melzer 1986, Glaser & al. 2025) und Haltestelle Praterkai und Leopoldstadt in Wien (Adler & Mrkvicka 2003, Melzer & Barta 2000). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1975 (Glaser & al. 2025). Ein Vorkommen in Kärnten wird in Glaser & al. (2025) als fraglich geführt. Subspontan u.a. seit 2012 in Belgien (Verloove 2021).
 

 

Quellen

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