Chrysanthemum

Chrysantheme, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Chrysanthemum im heutigen Sinn, inklusive Arctanthemum, exklusive Ajania, Chrossostephium, Leucanthemella und Nipponanthemum, umfasst rund 38 Arten (Kew 2022) mit Mannigfaltigkeitszentrum in Ostasien. In China kommen etwa 22 Arten vor, 13 davon nur dort. 1860 trennte Des Moulins Dendranthema (inkl. D. indica) von Chrysanthemum als eigenständige Gattung ab. Die neue Gattung fand aber kaum Verwendung, bis ihn Bremer 1993 für gültig erklärte. Die Widerstände vor allem von gärtnerischer Seite führten 1999 zur Konservierung des Namens Chrysanthemum, so dass die gärtnerisch wichtigste Art weiterhin Chrysanthemum indicum heißt.
 

Chrysanthemum zawadzkii 

Zawadzki-Chrysantheme,
Chrysanthemum zawadzkii  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

20−50 cm hohe Staude mit doppelt fiederschnittigen, kurz gestielten unteren Blättern und fiederteiligen bis ungeteilten oberen Blättern. Blütenkörbe 2−4 cm im Durchmesser mit weißen bis rosa Zungenblüten und gelben Röhrenblüten, bei Hybriden auch mit bronzefarbenen, gelben oder violetten Zungenblüten. Blütezeit Juli bis September.
 

Name:

Benannt zu Ehren des ukrainischen Botanikprofessors in Lemberg Aleksander Zawadzki (1798–1868). Zawadzki war Mentor des Genetikers Gregor Mendel (1822−1884).
 

Heimat:

Von Polen, der Slowakei und der Ukraine disjunkt bis Ostasien.
 

Nutzung:

Selten als Zierstaude in Sorten wie `Septemberrose´, `White Bomb´ oder `Clara Curtis´. Lange Zeit war diese Art nur Botanikern bekannt. In den 1930er-Jahren brachten US-amerikanische Züchter unter der Bezeichnung "Chrysanthemum coreanum" erste Gartenformen in den Handel. Diese Formen zeichnen sich durch hohe Frosthärte aus und wurden besonders aus diesem Grund bei der Züchtung von Garten-Chrysanthemen genutzt, um diese härter zu machen.
 

Ausbreitung:

Die Art wurde 1829 vom deutschen Botaniker und Militärarzt Franz Herbich (1791–1865) in Ost-Galizien in den Pieniny-Bergen im heutigen Polen entdeckt. Danach wurden weitere Formen in Sibirien, in der Mongolei, in China und in Japan gefunden. Gärtnerisch wird die Art seit spätestens 1936 genutzt (Jäger & al. 2008).
DEUTSCHLAND: ---
ÖSTERREICH:
Ehemals unbeständig in Wien (Walter & al. 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1967 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
Weitere Arten:

Chrysanthemum arcticum

In Nordosteuropa, Nordasien und im nördlichen Nordamerika ist die Arktische Chrysantheme, Chrysanthemum arcticum (Syn.: Arctanthemum arcticum) beheimatet. Sie findet sich als „Grönland-Margerite“ in Sorten wie `Schwefelglanz´, `Red Chimo´ und `Roseum´ in gärtnerischer Kultur und wird 2014 für den Stadtfriedhof Bayreuth in Bayern subspontan angegeben (Breitfeld & al. 2021). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt, auch nicht in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024).
 

Chrysanthemum ×grandiflorum

Die Garten-Chrysantheme, Chrysanthemum ×grandiflorum (inkl. Ch. indicum; Syn.: Chrysanthemum morifolium), ist aus verschiedenen ostasiatischen Chrysanthemum-Arten entstanden mit Chrysanthemum indicum als wichtigster Ausgangsart. Deshalb werden hier Ch. ×grandiflorum und Ch. indicum gemeinsam behandelt. Chrysanthemum indicum ist in Ostasien vom östlichen Himalaya bis Japan beheimatet und wird in China seit etwa 1000 v. Chr. kultiviert. In Europa begann die Kultur etwa Mitte des 17. Jahrhunderts. 1862 sandte Robert Fortune Kulturformen aus Japan nach Europa, die zur Grundlage der europäischen Chrysanthemenzucht wurden. Die Anzahl der Sorten wird mittlerweile auf einige Tausend geschätzt (Simon 2002), diese werden in 32 Sortengruppen eingeteilt. Im Gebiet in zahlreichen winterharten Sorten wie `Altgold´ (1915) oder `Karminsilber´ (1967) im Pflanzenhandel (Jelitto & al. 1990). In Teilen Asiens wird die Pflanze auch als Gemüse genutzt, In Japan werden die Blütenköpfe in Essig eingelegt gegessen (Mansfeld 1986)
Verwilderungen im Gebiet sind selten und unbeständig, so 1909 für den Hafen und in Schutt am Friedhof von Mannheim in Baden-Württemberg angegeben (Zimmermann 1913), Berlin (Hand & Thieme 2023, sub Ch. morifolium), 1999 in Augustdorf bei Detmold und 1937 in Köln-Eifeltor in Nordrhein-Westfalen (Hupke 1938, Sonnenborn & Sonnenborn 2018), Sachsen (Hand & Thieme 2023, sub Ch. morifolium) und Helgoland in Schleswig-Holstein (Hassler 2024 sub Ch. ×morifolium). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme) für Baden-Württemberg nicht angegeben. In Österreich 1915 in der Felsenau in Vorarlberg (Murr 1923, Wagenitz 1987, Glaser & al. 2025 sub. Ch. morifolium), Breitenlee, Schwarzlackenau und Laaerberg in Wien (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025 sub Ch. morifolium) und beim Bahnhof Brugg im Aargau (Wagenitz 1987)
Subspontan u.a. auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und Italien (Galasso & al. 2024 sub Ch. morifolium).
 

Quellen

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2024): Nachträge und Korrekturen zu Flora Germanica Band 1 und 2 Online-Version [Ver. 83], Stand 5.3.2024 - 1713 NACHTRAG.indd (flora-germanica.de) 

Hupke H. (1938): Adventiv- und Ruderalpflanzen der Kölner Güterbahnhöfe, Hafenanlagen und Schuttplätze. 1. Nachtrag – Repertorium specierum novarum regni vegetabilis XV. Beihefte CI: 187-204.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.



Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Murr J. (1923–1926): Neue Übersicht über die Farn- und Blütenpflanzen von Vorarlberg und Liechtenstein. - Bregenz.

Prasse R. & Ristow M. (1995): Die Gefäßpflanzenflora einer Berliner Güterbahnhofsfläche (Schöneberger Südgelände) im vierten Jahrzehnt der Sukzession – Verhandlungen des Botanischen Vereins Berlin Brandenburg 128: 165-192.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Simon H. (2002): Die Freiland-Schmuckstauden. Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Begründet von Leo Jelitto, Wilhelm Schacht. 5. völlig neu bearbeitete Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart.

Sonnenborn I. & Sonnenborn W. (2018): Die Flora der Truppenübungsplätze Senne und Stapel in den Jahren 1989 bis 2017 – LWL-Museum für Naturkunde Münster, 90. Band.

Wagenitz G. (1987): in Gustav Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, Teil 4, 2.Auflage. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg. 863 S.

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.