Chloris

Windmühlengras, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Chloris umfasst etwa 54 Arten (Kew 2022), die in den Tropen und Subtropen beheimatet sind.
 

Chloris radiata

Strahlen-Windmühlengras,
Chloris radiata
(Syn.: Chloris caudata)  
Süßgras, Poaceae
 

Steckbrief:

20−60 cm hohe, dichte Büschel bildende Einjährige mit kahlen, 2−7 mm breiten, am Ende zugespitzten Blättern und 3−8 cm langen Blütenahren. Diese zu 5–12 fingerförmig am Halmende oder in dicht übereinanderstehenden Wirteln angeordnet. Ährchen 2−3-blütig, 5−15 mm lang begrannt. Blütezeit Juni bis September.
 

Heimat:

Mexiko bis Paraguay, Westindische Inseln (Conert 1998).
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

Unbeständig eingeschleppt mit durchwegs alten Fundaufzeichnungen.
DEUTSCHLAND:
Mannheim in Baden-Württemberg (Conert 1998, Hand & Thieme 2023), Brandenburg (Hand & Thieme 2023), 1894 bei der Wollkämmerei Hamburg-Harburg (Meyer 1955, Hand & Thieme 2023), Hannover-Döhren und Osnabrück in Niedersachsen (Scheuermann 1919, Weber 1995, Hand & Thieme 2023), ehemals mehrfach in Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2023), 1937 Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz (Müller 1940, Hand & Thieme 2023) und 1934, 1937 und 1939 in Leipzig und Coßmannsdorf bei Dresden in Sachsen (Conert 1998, Fiedler 1936, Fiedler 1938, Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
1950 Bürglen in St. Gallen(?) (Conert 1998), Langendorf, Luterbach und Derendingen in Solothurn (Conert 1998). Conert (1998) gibt Bürglen für den Kanton St. Gallen an, Wikipedia kennt ein Bürglen allerdings nur in den Kantonen Uri und Thurgau. Auffallend und fragwürdig ist auch die Nennung von fünf Chloris-Arten für Bürglen. Der Angabe wird hier deshalb kein Glaube geschenkt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch 1961 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Chloris barbata

In den Tropen weltweit verbreitet ist das wahrscheinlich in den Tropen und Subtropen der alten Welt beheimatete Bart-Windmühlengras, Chloris barbata (Syn.: Ch. inlata) das im Gebiet vorübergehend 1888 für die Ölfabrik Mühlau in Mannheim in Baden-Württemberg (Magnus 1889, Lutz 1910, Hand & Thieme 2023), für Sommerfeld und 1894 für Luckenwalde in Brandenburg (Höck 1904, Ascherson & Graebner 1896-1939, Hand & Thieme 2023), 1868 und 1900 für die Lesumer Wollwäscherei in Bremen (Höck 1904, Hand & Thieme 2023), 1894, 1911, 1913 und 1931 für Hamburg (Meyer 1955, Conert 1998, Hand & Thieme 2023), Alf in Rheinland-Pfalz (Andres 1911) und 1940 für Bürglen im Kanton St. Gallen(?) (Conert 1998) angegeben wird. Conert (1998) gibt Bürglen für den Kanton St. Gallen an, Wikipedia kennt ein Bürglen allerdings nur in den Kantonen Uri und Thurgau. Auffallend und fragwürdig ist auch die Nennung von fünf Chloris-Arten für Bürglen. Der Angabe wird hier deshalb kein Glaube geschenkt. Subspontan u.a. auch 1912 in Polen (Seebens & al. 2017).
Chloris barbata ist in ihrem Heimatgebiet Wirt einer Reihe von Reisschädlingen, darunter die Weißrücken-Heuschrecke, Sogatella furcifera, die Reiswanze Leptocorisa oratorius, die Reisraupe Mythimna separata, die Tigermotte Creatonotos gangis und die Reis-Weiße Fliege Aleurocybotus indicus (Cabi 2024). Das Bart-Windmühlengras ist außerdem Eiablagewirt des Reisblattfalters Cnaphalocrocis medinalis (Cabi 2024).

 

Chloris divaricata

Mit Wolle ist das ostaustralische Spreizende Windmühlengras, Chloris divaricata, eingeschleppt worden, so angegeben 1928, 1931 und 1933 in Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1937, Hand & Thieme 2023), 1934 in Leipzig-Rosental in Sachsen (Gutte 2006), ehemals Bürglen in St. Gallen(?) (Conert 1998) und Derendingen in Solothurn (Conert 1998). Conert (1998) gibt Bürglen für den Kanton St. Gallen an, Wikipedia kennt ein Bürglen allerdings nur in den Kantonen Uri und Thurgau. Auffallend und fragwürdig ist auch die Nennung von fünf Chloris-Arten für Bürglen. Der Angabe wird hier deshalb kein Glaube geschenkt. Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Chloris pectinata

Das australische Kamm-Windmühlengras, Chloris pectinata, wird für das Gebiet 1941 adventiv bei der Wollkömmerei Leipzig in Sachsen angegeben (Gutte 2006).
 

Chloris pilosa

Das Behaarte Windmühlengras, Chloris pilosa, ist im tropischen Afrika weit verbreitet und konnte im Gebiet 2001 vorübergehend auf Granitgrus im Bamberger Hafen in Bayern gefunden werden (Meierott 2008, Meierott & al. 2024).
 

Chloris pycnothrix

Das Dichthaarige Windmühlengras, Chloris pycnothrix, ist in Afrika und Südamerika beheimatet und wird 1909 für den Ludwigshafener Hafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Thellung & Zimmermann 1918, Hand & Thieme 2023).
 

Chloris truncata

In Australien ist das Gestutzte Windmühlengras, Chloris truncata, beheimatet. Unbeständig verschleppt im Gebiet ehemals angegeben u.a. 1897 in Sommerfeld bei Neuruppin in Brandenburg (Ascherson 1898, Hand & Thieme 2023), 1894 bis 1896 in Hamburg-Harburg (Meyer 1955, Hand & Thieme 2023), Osnabrück und Hannover-Döhren in Niedersachsen (Koch 1936, Scheuermann 1919, Hand & Thieme 2023), Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Höppner & Preuss 1926, Hand & Thieme 2023), Coßmannsdorf bei Dresden, 1935 und 1937 bei der Wollkämmerei Leipzig und 1967, 1975 und 1977 in Leipzig-Möckern in Sachsen (Fiedler 1936, Fiedler 1938, Gutte 2006) und Bürglen in St. Gallen(?) (Conert 1998, Hassler & Muer 2022). Conert (1998) gibt Bürglen für den Kanton St. Gallen an, Wikipedia kennt ein Bürglen allerdings nur in den Kantonen Uri und Thurgau. Auffallend und fragwürdig ist auch die Nennung von fünf Chloris-Arten für Bürglen. Der Angabe wird hier deshalb kein Glaube geschenkt. Subspontan u.a. auch 1887 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), 1912 in Polen (Seebens & al. 2017), 1915 in Großbritannien (Seebens & al. 2017) und 1956 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 
 

Chloris ventricosa

Im australischen Queensland und in New South Wales ist das Bauchige Windmühlengras, Chloris ventricosa, beheimatet. Mit Wolle eingeschleppt wird es 1889 bis 1895 für Hannover-Döhren in Niedersachsen (Scheuermann 1924, Hand & Thieme 2023), Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2023), 1937 für das Leipziger Wollwerk auf Wollschlamm, 1969 in Leipzig-Möckern und Coßmannsdorf in Sachsen (Gutte 2006, Fiedler 1938), für Bürglen in St. Gallen(?) und Derendingen in Solothurn (Conert 1998) angegeben. Conert (1998) gibt Bürglen für den Kanton St. Gallen an, Wikipedia kennt ein Bürglen allerdings nur in den Kantonen Uri und Thurgau. Auffallend und fragwürdig ist auch die Nennung von fünf Chloris-Arten für Bürglen. Der Angabe wird hier deshalb kein Glaube geschenkt. Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Chloris virgata

In großen Teilen der Tropen und Subtropen der Erde tritt das Ruten-Windmühlengras, Chloris virgata auf. Die genaue Heimat ist nicht bekannt. In den 1960er-Jahren wurde die Art in Kenia und Indien als geeignetes Gras für die Nachsaat von degradiertem Weideland und gestörten Gebieten mit salzhaltigen und alkalischen Böden gefördert (Mansfeld 1986). Im Gebiet adventiv u.a. ehemals angegeben im Mannheimer Hafen und 1953 und 1959 in Baumwollabfall-Kompost in Atzenbach in Baden-Württemberg (Lutz 1910, Baumgartner 1975, Hand & Thieme 2023), mehrfach zwischen 1998 und 2007 im Hafen Bamberg in Bayern (Meierott 2008, Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), ehemals Neuruppin in Brandenburg (Ascherson & Koehne 1878), 1934 Lampertheim am Rhein in Hessen (Probst 1949, Hand & Thieme 2023), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2023), Niedersachsen (Hand & Thieme 2023), Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2023), 1937 in Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz (Müller 1940, Hand & Thieme 2023), mehrfach von 1935 bis 1964 bei der Wollkämmerei Leipzig in Sachsen (Fiedler 1936, Fiedler 1938, Hand & Thieme 2023), Rodleben und Roßlau in Sachsen-Anhalt (Ascherson & Retzdorff 1904, Höck 1904) und Langendorf in Solothurn (Conert 1998). Subspontan u.a. auch 1865 in Belgien (Verloove 2021, Seebens & al. 2017), 1912 in Polen (Seebens & al. 2017), 1858 in Großbritannien (Seebens & al. 2017) und 1961 in Tschechien (Pyšek & al. 2012). Die Art gilt als invasiv in Kuba, Palau, den Galapagos-Inseln und auf Hawaii.
 

Quellen

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