Chaenomeles

Zierquitte, Rosengewächs, Rosaceae

Gattung:

Chaenomeles umfasst 4 asiatische Arten (Kew 2022), die nahe mit der Gattung Quitte, Cydonia, verwandt sind.
 

Chaenomeles ×superba

Garten-Zierquitte,
Chaenomeles ×superba
(inkl. Ch. japonica u. Ch. speciosa)  
Rosengewächs, Rosaceae

 

Steckbrief:

Bis 2,5 m hoher und breiter, dicht verzweigter, dorniger, sommergrüner Strauch. Blattspreiten 3–5 cm lang, breit-eiförmig, grob kerbig gesägt, glänzend, kahl. Blüten rot, ziegelrot, rosa, weiß oder orange, 2,5–3 cm im Ø. Früchte kugelig bis eiförmig, 3–4 cm breit, gelb bis olivgrün, oft dunkel punktiert, aromatisch duftend. Blütezeit März bis April.
Verwechslungsmöglichkeit: Die eine Elternart, die Chinesische Zierquitte, Chaenomeles speciosa, hat rote, rosa oder weiße Blüten, wird bis über 2 m hoch und hat gelbgrüne bis olivbräunliche, längliche Früchte. Die andere Elternart, die Japanische Zierquitte, Chaenomeles japonica, wird bis 1 m hoch, hat ziegelrote bis orange Blüten und kugelige, gelbe Früchte.
 

Nutzung:

Im Gebiet werden sowohl Chaenomeles japonica und Ch. speciosa, vor allem aber auch deren fertile Hybride Chaenomeles ×superba inklusive der gelegentlich eingekreuzten Ch. cathayensis in zahlreichen Sorten als Ziergehölze kultiviert, alphabetisch von `Abricot´ bis `Youki Gotin´. Man kennt etwa 500 Kultursorten (Krüssmann 1976). Einer der Ersten, der Ch. japonica und Ch. speciosa kreuzte, war der Schweizer Gärtner Otto Froebel (1844−1906), der dadurch 1886 die lachsrosa Sorte `Eximia´, die sich immer noch im Pflanzenhandel findet, gewann und in Kultur nahm.
Die wohlriechenden Früchte der Zierquitten sind gut lagerfähig und enthalten viel Vitamin C, Zitronensäure, Pektin und Aromastoffe (Bärtels & Schmidt 2014). Sie werden, vorwiegend in Mischung mit säurearmen Fruchtarten zur Herstellung von Marmelade, Gelee, Likör und anderen Produkten genutzt. Seit einigen Jahren werden Zierquitten auch als Obststräucher kultiviert. So sind etwa in Lettland Zierquitten nach Äpfeln und Erdbeeren die wichtigste Obstart (Düll & Kutzelnigg 2022). Vor allem die fast dornenlose Sorte `Cido´, Zitronenquitte genannt, wird zur Herstellung von Erfrischungsgetränken genutzt. Für die Floristik ist die Zierquitte ein Treibgehölz.

 
Anmerkung: Die genaue Zuordnung der verwilderten Pflanzen zu Chaenomeles japonica, Ch. speciosa oder deren Hybride Chaenomeles ×superba ist meist problematisch, weshalb die Kulturformen hier als Chaenomeles ×superba zusammengefasst sind, der weitaus überwiegend kultivierten Form.
 

Ausbreitung:

Hybride aus der in Japan (Honshu und Kyushu) heimischen Japanischen Zierquitte, Chaenomeles japonica, und der in China und Burma beheimateten Chinesischen Zierquitte, Chaenomeles speciosa.
1784 beschrieb der schwedische Botaniker Carl Peter Thunberg die Japanische Zierquitte als Pyrus japonica, 12 Jahre später brachte der englische Botaniker Joseph Banks eine Pflanze aus China nach London, die man für diese von Thunberg beschriebene Art hielt. Es dauerte einige Jahre, bis man merkte, dass die Pflanze von Banks nicht der Beschreibung von Thunberg entsprach und gab ihr den Namen Pyrus speciosa. Diese Richtigstellung von Robert Sweet wurde aber weder von Gärtnern, noch von Botanikern richtig zur Kenntnis genommen und noch heute herrscht Unsicherheit in Bezug auf die Chaenomeles-Sippen. Die echte Japanische Zierquitte kam erst 1869 aus Japan nach Europa und wurde fortan verbreitet (Krausch 2003). Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Hybride Chaenomeles ×superba zufällig in verschiedenen Baumschulen (Weber 1963). In der Folge entstanden vor allem in Frankreich und Kalifornien zahlreiche Kultivare, Rückkreuzungen mit den Elternsippen sowie Einkreuzungen mit einer dritten Art, nämlich Chaenomeles cathayensis (Leonhartsberger 2018).
Verbreitet bzw. vermehrt sich vor allem durch Ausbringung von Gartenabfällen, aber auch über keimfähige Samen und Wurzelbrut (Leonhartsberger 2018).

 
DEUTSCHLAND:
Mehrfach, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023), gehäufte Nachweise um Bamberg, Nürnberg und München in Bayern (Hetzel & Meierott 1998, Meierott & al. 2024), mehrfach in Berlin (Seitz & al. 2012), Potsdam-Pirscheide in Brandenburg (Kummer & Buhr 2006), Hamburg (Poppendieck & al. 2010), Frankfurt am Main, Rödelheim, Fulda, an der Nidda bei Selters und Neckarsteinach in Hessen (Gregor & al. 2012), Bienrode, Hondelage, Lamme und Stöckheim bei Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003), Köln in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023), 2020 am Rauner Grund im Erzgebirge in Sachsen (Breitfeld 2021) und auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022).
ÖSTERREICH:
Mehrfach, so etwa Neumarkt an der Raab im Burgenland (Traxler 1975, Gilli & al. 2022), Linz-Dornach und Bahnhof Hausruck in Oberösterreich (Kleesadl 2000, Hohla & al. 2002), Oberndorf bei Salzburg (Pflugbeil & Pilsl 2013), Andritz, Mariatrost und Hart bei Graz in der Steiermark (Leonhartsberger 2018), am Bahnhof Dölsach in Osttirol (Stöhr & Brandes 2014) und Bahnhof Penzing und Steinhof in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025 sub Ch. speciosa).
SCHWEIZ:
Mehrfach, so in den Kantonen Aargau, Appenzell-Außerrhoden (Infoflora 2024 sub Ch. japonica), Basel-Stadt (Brodtbeck & al. 1997), Bern, Genf, Luzern, Neuenburg, Solothurn, Tessin, Waadt, Wallis, Zug und Zürich (Infoflora 2024 sub Ch. japonica), so bei Rüti und am Bahnhof Wallisellen in Zürich (Landolt 2001). Inwieweit es sich bei den Infoflora-Fundpunkten um subspontan oder kultivierte Pflanzen handelt, ist mir nicht bekannt, deshalb werden hier nur Funde akzeptiert, bei denen eine Verwilderung angegeben wurde.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 1986 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

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