Cercis

Judasbaum, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Cercis umfasst etwa 10 Arten (Kew 2022) auf der Nordhalbkugel, die in Nordamerika (4), Südeuropa und Vorderasien (1), Zentralasien (1) und China (5) beheimatet sind.
 

Cercis siliquastrum 

Echter Judasbaum,
Cercis siliquastrum 
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

Bis 8 m hoher, mehrstämmiger, langsam wachsender Strauch oder Baum mit Blüten, die an zweijährigen Zweigen, aber auch an älteren Ästen und Stämmen erscheinen. Triebe kastanienbraun. Blattspreiten fast rundlich, 7–13 cm breit, 7-nervig, an der Basis tief herzförmig, beiderseits kahl, Blattstiele rötlich. Blüten purpurrosa, etwa 2 cm lang, zu 4–10 in Büscheln. Blütezeit Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Der Chinesische Judasbaum, Cercis chinensis, unterscheidet sich u. a. durch 1–1,5 cm lange Blüten, eine frühere Blütezeit im April und die vorhandenen Haare in den Achseln der Blattnerven.
 

Nutzung: 

Ziergehölz. In wenigen Sorten, so `Alba´ (1770) mit weißen Blüten, welche aus Samen echt fällt und `Bodnant´ mit intensiv pinken, größeren Blüten (Bärtels & Schmidt 2014)
Die Blüten können roh gegessen werden und dienen als Dekoration für Speisen, die Blütenknospen werden sauer eingelegt und als Kapern verwendet (Mansfeld 1986). Die Art ist hitze- und trockenheitsverträglich und in der Jugend frostempfindlich (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Südeuropäisch-vorderasiatische Art, in Europa seit spätestens dem Jahr 1600 in Gartenkultur (Bärtels & Schmid 2014). Wird im Gebiet in den wärmeren Regionen als Zierpflanze gezogen und verwildert sehr selten daraus.
 
DEUTSCHLAND:
Mannheim und Stuttgart in Baden-Württemberg (Junghans 2014, Böcker & al. 2017), 2010 bis 2016 am Troppauplatz Bamberg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), Gießen und Frankfurt am Main-Bockenheim in Hessen (Gregor & al. 2012) und 2003 bis zumindest 2005 in der Friedelsheimer Straße in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2005).
ÖSTERREICH:
Winden am See im Burgenland (Nadler 2022), in der Schwechatau bei Traiskirchen und im Siedlungsgebiet von Traiskirchen in Niederösterreich (Till 2015, Sauberer 2019, Sauberer & al. 2020), 2024 am Tummelplatz Linz in Oberösterreich (Stöhr 2024), in Wien im 18. Gemeindebezirk in einem ruderalen Gebüsch in der Sieveringer Hauptstraße (Stöhr & al. 2009), im 9. Bezirk in Pflasterritzen im Hof des Campus am Alten AKH (Essl 2006) und 2009 im 13. Bezirk am Wienfluss bei der U4-Station Hietzing (Stöhr & al. 2012). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2006 (Glaser & al. 2025). Beim Fundort 2010 in Podersdorf am See im Seewinkel im Burgenland handelte es sich wohl um eine vernachlässigte Pflanzung (Stöhr & al. 2012). In Südtirol bei Bozen, Auer und in der Gaulschlucht bei Lana (Niklfeld 2002).
SCHWEIZ:
U.a. bei Aarau im Kanton Aargau (Infoflora 2024), in Basel-Landschaft (Infoflora 2024), ehemals mehrfach in Basel-Stadt (Brodtbeck & al. 1997), in den Kantonen Genf, Glarus, Luzern, Waadt, Wallis und in Knonau im Kanton Zürich (Wohlgemuth & al. 2020, Infoflora 2024). Inwieweit es sich bei den Fundangaben in Infoflora (2024) um subspontane oder kultivierte Pflanzen handelt, ist mir unbekannt.

 
Weitere Art:

Cercis chinensis

Ebenfalls als kleiner Zierbaum wird der aus China stammende Chinesische Judasbaum, Cercis chinensis, genutzt. In wenigen Sorten, so `Avondale´ (etwa 1985) mit dunkelrosa, reichlichen Blüten (Bärtels & Schmidt 2014).
Sehr selten finden sich die Art subspontan, so 2002 in der Fürbergstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008).
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Botond M. & B. Botta-Dukat (2004): Biologai invaziok magyaroszaragon Ozonnovenyek. — Alapitavany Kiado, Budapest.

Brodtbeck T., Zemp M., Frei M., Kienzle U. & D. Knecht (1997): Flora von Basel und Umgebung 1980-96. Band 1. — Sonderdruck der Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, S. 1–546.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Clement E.J. & M.C. Foster (1994): Alien Plants of the British Isles. — Botanical Society of the British Isles (London), 590 S.

Essl F. (2006): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederosterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil IV - Linzer biol. Beitr. 38/2 1071–1103.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.
Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Junghans T. (2014): Ausmaß und Dynamik der Verwilderung von Zierpflanzen am Beispiel von Mannheim – Berichte aus den Arbeitskreisen – Pollichia-Kurier 30/4: 6–9.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

 



Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 1, 578 Seiten, Springer-Verlag.

Mazomeit J. (2005): Erste Nachträge zur „Adventivflora von Ludwigshafen am Rhein“ – Mitteilungen der Pollichia 91: 111-120.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Nadler K (2022): Etablierung "exotischer" Gehölze aus wärmeren Gefilden in Österreich - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=3676

Niklfeld H. (2002): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (1) – Gredleriana 2: 271−294.

Pilsl P., Schröck Ch., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich) – Sauteria-Schriftenreihe f. systematische Botanik, Floristik u. Geobotanik 17: 1–596.

Sauberer N. (2019): Erfolgreiche Rasterfahndung in Traiskirchen – forum.flora-austria.at

Sauberer N., Gilli C., Prinz M. & Till W. (2020): Der erste Nachweis von Crassula helmsii in Österreich und weitere Nachträge (IV) zur Flora von Traiskirchen (Niederösterreich) - BCBEA 5/1  http://www.bcbea.at/wp-content/uploads/2020/01/BCBEA_5-1_25-48_Sauberer_et_al_20200124.pdf

Stöhr O. in: Kleesadl G. & C. Schröck (Eds.) (2024): Floristische Kurzmitteilungen 04 – Stapfia 118: 100−122.


Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Wittmann H. & Hohla M. (2009): Beiträge zur Flora von Österreich, III – Linzer biol. Beitr. 41/2 1677–1755.

Stöhr O., Pilsl P., Staudinger M., Kleesadl G., Essl F., Englisch Th., Lugmair A. & Wittmann H. (2012): Beiträge zur Flora von Österreich, IV – Stapfia 97: 53–136.

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Wilhalm T., Niklfeld H. & W. Gutermann (2006): Katalog der Gefäßpflanzen Sudtirols. — Veröffentlichungen des naturhistorischen Museums Südtirol 3, 215 pp.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.