Ceratonia

Johannisbrotbaum, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Ceratonia umfasst 2 Arten (Kew 2022) im weiten Mittelmeergebiet, Südwest-Asien und Ostafrika (C. oreothauma).
 

Ceratonia siliqua 

Johannisbrotbaum,
Ceratonia siliqua 
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

Bis zu 8 m hoher, immergrüner, meist zweihäusiger Baum mit ledrigen, meist paarig gefiederten Blättern aus 4−10 (11) eiförmigen, 3−7 cm langen Blättchen. Blüten unscheinbar in trauben- bis kätzchenförmigen, grün-gelblichen bis rötlichen Blütenständen. Hülsenfrucht 10−30 cm lang, violettbraun, glänzend, mit 10−15 Samen, wulstigem Rand und ledriger Schale. Blütezeit September bis Oktober.
 

 

Nutzung:

Carob, das Fruchtfleisch und Carubin, die Samen der Johannisbrotfrucht werden in der Nahrungsmittelindustrie vor allem für Babykost, Eiscreme, Soßen, Käse, Diabetikerprodukte, Liköre und Limonade genutzt. Auch für Bio- und Naturproduktehersteller ist die Frucht interessant, genauso wie für die Kosmetik- und Pharmaindustrie als Tablettierhilfsmittel. Johannisbrotmehl wird als Kakao- und Kaffeeersatz genutzt, als Dickungsmittel für Saucen und als Tierfutter (Batlle & Tous 1997).
Da die Samenkörner ein konstantes Durchschnittsgewicht von rund 200 mg aufweisen und weil sich bei ihnen auch sehr kleine Gewichtsunterschiede von nur 5 Prozent zwischen einzelnen Samenkörnern mit erstaunlicher Genauigkeit schätzen lassen, wurden sie im Altertum als Wiegeeinheit für Diamanten genutzt. Daran erinnert die noch heute gebräuchliche Bezeichnung Karat (Batlle & Tous 1997).
Obstbauern schätzen die tiefen Wurzeln der Johannisbrotbäume, weil dadurch Obstanlagen vor Sturmschäden geschützt werden. Bei der Aufforstung von Küstengebieten, die von Erosion oder Austrocknung bedroht sind, leistet der Baum durch seine Genügsamkeit gute Dienste (Batlle & Tous 1997).

 

Heimat/Ausbreitung:

Es wird angenommen, dass die Wildform aus Arabien stammt und um das 2. Jahrtausend v. Chr. in Ägypten zum ersten Mal angebaut wurde. Die Römer brachten den Baum im letzten Jahrhundert v.Chr. nach Griechenland und Italien, anschließend breitete sich der Johannisbrotbaum im Osten und Süden Spaniens und entlang der nordafrikanischen Küste aus. Im 19. Jahrhundert begann die Aussiedelung nach Übersee. So gelangte die Art 1850 nach Australien und 1854 in die USA. Spanische Auswanderer brachten die Pflanze nach Mexiko und Südamerika, während Indien durch die Engländer besiedelt wurde (Batlle & Tous 1997). Heute ist die Art im Mittelmeerraum und in Vorderasien eingebürgert, in anderen Erdteilen verwildert.
DEUTSCHLAND:
Ehemals in Klärschlamm, Schutt und Deponien, so 1912 in Düsseldorf, 1917 in Dortmund-Huckarde, 1913 in Kettwig und Neuß und 1914 in Essen-Werden in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1914, Bonte 1930, Hand & Thieme 2023), Rheinland-Pfalz (Hassler & Muer 2022), in Probstheida und 1934 und 1936 in Leipzig-Rosental in Sachsen (Fiedler 1936) und ehemals in Sachsen-Anhalt (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 

Quellen

Batlle I. & J. Tous. (1997): Carob tree. Ceratonia siliqua L. Promoting the conservation and use of underutilized and neglected crops. 17. Institute of Plant Genetics and Crop Plant Research, Gatersleben/International Plant Genetic Resources Institute.

Bonte L. (1914): Beiträge zur Adventivflora des Niederrheins – Berichte über die Versammlungen des Botanischen und Zoologischen Vereins für Rheinland-Westfalen 1914: 22-41.

Bonte L. (1930): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Verh. D. naturh. Ver. D. preuß. Rheinlande und Westfalens 86: 141−255.



Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science