Caryopteris

Bartblume, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Caryopteris umfasst, exklusive Pseudocaryopteris, Rubiteucris, Schnabelia und Tripora etwa 8 Arten (Kew 2022) in Zentral- und Ostasien mit Mannigfaltigkeitszentrum in China.
 
 

Caryopteris ×clandonensis 

Clandon-Bartblume
Caryopteris ×clandonensis 
Lippenblütler, Lamiaceae

 

Steckbrief:

Bis 1 m hoher, vieltriebiger, aufrechter, sommergrüner Strauch mit fein und kurz behaarten Trieben. Blätter 5–8 cm lang, lanzettlich bis eiförmig, Basis abgerundet, zur Spitze hin gleichmäßig schmäler werdend, ganzrandig oder unregelmäßig grob gezähnt mit jederseits 1–4 Zähnen, Blätter aromatisch duftend, unterseits grauweiß behaart. Blüten blau, 0,7–1 cm lang, in end- und achselständigen Zymen. Blütezeit August bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Die ebenfalls kultivierte Graue Bartblume, Caryopteris incana, eine Elternart der Hybride, hat gezähnte Blattspreiten mit jederseits 3–8 Zähnen.
 

Nutzung:

Zierpflanze, in zahlreichen Sorten, alphabetisch von `Arthur Simmonds´ (1933) über `Blauer Spatz´ (vor 2003) und `Heavenly Blue´ (vor 1993) bis `Worcester Gold´ (ca. 1970).
 

Ausbreitung:

Kulturhybride aus den beiden ostasiatischen Arten Graue Bartblume, Caryopteris incana, und Mongolische Bartblume, Caryopteris mongholica. Die Kreuzung ist um 1933 in West-Clandon in England zufällig entstanden. Arthur Simmonds wollte in seinem Garten C. mongholica vermehren, wobei es zu der Spontanhybride kam. Der Originalklon wurde zu Ehren des Züchters `Arthur Simmonds´ benannt und gilt als der schönste und zugleich frosthärteste der Gattung (Roloff & Bärtels 1996). Die Sippe wird häufig als Flächendecker und Einfassungshecke genutzt und verwildert vereinzelt daraus.
 
DEUTSCHLAND: 
U.a. Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014), Forchheim und Bamberg in Bayern (Hetzel 2006, Meierott 2008), 2023 am Evangelischen Friedhof Duisburg-Wanheim in Nordrhein-Westfalen (BBV 2024) und am Bahnschotter beim Bahnhof Mundenheim in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 1995, Mazomeit 2005). Die Sippe ist in der Flora von Bayern (Meierott & al. 2024) nicht angegeben.
ÖSTERREICH:
Mehrfach, so in Pöchlarn, bei Prellenkirchen, Münchendorf und Traiskirchen in Niederösterreich (Essl 2006, Nadler & Haug 2021, Melzer & Barta 2001, Sauberer & Till 2015), 2012 auf dem Friedhof in Burgkirchen, 2014 im Gleisschotter nahe dem Bahnhofsgebäude Andorf, 2018 auf Erdhaufen in einer Schottergrube in Lambrechten, 2020 an den Felsen unterhalb des Schlossparks Schärding und 2021 in einer Mauerritze am Salzachuferweg in Ach, Gemeinde Hochburg-Ach in Oberösterreich (Hohla 2014, Hohla 2022), in der Steingasse, Schießstattstraße und Hugbertstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008), auch sonst mehrfach in Salzburg (Essl 2003, 2006, 2008, Pilsl & al. 2008, Pilsl & Pflugbeil 2012, Hohla 2012, Kleesadl & Brandstätter 2013), Knittelfeld in der Steiermark (Essl & Rabitsch 2002), Bretterwandbach bei Matrei in Osttirol (Brandes 2011) und Bahnhof Inzersdorf und Ecke Kaunitzgasse/Magdalenenstraße in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1996 (Glaser & al. 2025). 2018 im Vinschgau in Spondinig im Bahnhofsareal neu für Südtirol gefunden (Wilhalm & al. 2018). Die Art wird in FloraFaunaSüdtirol (2023) nicht für Südtirol angegeben.
SCHWEIZ:
U.a. in den Kantonen Basel, Bern, Genf, Waadt und Wallis (Infoflora 2024), wobei unter Status „Kultivierter Neophyt: nach dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten“ angegeben wird und es so nicht klar ist, ob es sich bei den Fundangaben um subspontane oder kultivierte Pflanzen handelt. In Zürich Schanzengraben, Stadelhofen, Giesshübel, Irchelpark, Fröbelstraße und Delphinstraße (Landolt 2001).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Sippen:

Caryopteris incana

Seltener wird die in China und Japan beheimatete Graue Bartblume, Caryopteris incana, in wenigen Sorten wie `Cary´ oder `Blue Cascade´ kultiviert. 
Auch sie verwildert gelegentlich, wie etwa 2002 bei Bischwind und 2004 in Börstig bei Hallstadt in Bayern (Meierott 2008, Hand & Thieme 2024) und ehemals Wollishofen in Zürich (Landolt 2001). Die Art ist in der Flora von Bayern (Meierott & al. 2024) nicht angegeben. Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Caryopteris mongholica

Die Mongolische Bartblume, Caryopteris mongholica, ist in Zentralasien von der Mongolei bis Nordchina beheimatet. Sie wird in der reinen Art kaum kultiviert, wird aber für München-Harlaching in Bayern subspontan angegeben (Breitfeld & al. 2021). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt, auch nicht in der "Flora von Bayern" (Meierott & al. 2024).
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

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Breitfeld M., Hertel E. & A. Baumann (2021): Flora Adventiva, eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden. 677 S.

Essl F. (2003): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark – Linzer biol. Beitr. 0035_2: 935–956.

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Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

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