Carpobrotus

Mittagsblume, Mittagsblumengewächs, Aizoaceae

Gattung:

Carpobrotus umfasst etwa 13 Arten (Kew 2022) im südlichen Afrika (8 Arten), in Australien (4 Arten) und in Südamerika (1 Art).
Ob es sich bei Carpobrotus acinaciformis und C. edulis um zwei verschiedene Arten handelt, wird nach wie vor unterschiedlich gesehen. C. edulis unterscheidet sich von der purpurnblütigen C. acinaciformis vor allem durch gelbe Blüten. Suehs & al. (2001, 2004) beschreiben weitere Unterschiede der beiden Sippen in ihren genetischen, ökologischen und reproduktiven Eigenschaften aus Frankreich. In Amerika hingegen wird C. acinaciformis als C. edulis var. rubescens meist nur als Varietät zu C. edulis gesehen.

 

Carpobrotus acinaciformis  

Rosa Mittagsblume, Hottentottenfeige,
Carpobrotus acinaciformis  (= C. edulis var. rubescens)
Mittagsblumengewächs, Aizoaceae

 
 

Steckbrief:

Bis 10 cm hohe, mattenbildende, immergrüne Staude mit sukkulenten, krummsäbelförmigen, im Querschnitt dreieckigen Blättern. Blüten auffallend, groß, 5−7 cm im Durchmesser, mit bis zu 100 purpurrosa Kronblättern und gelblichen, ringförmig angeordneten Staubblättern. Die Blüten öffnen sich am Nachmittag. Frucht fleischig, bis 3,5 cm lang. Blütezeit Mai bis Juni, mit Nachblüten bis in den Herbst.
Verwechslungsmöglichkeit: Carpobrotus edulis hat gelbe Blüten, die sich nur beim Verblühen rötlich färben.
 

Heimat:

Endemisch im Westkap Südafrikas. Östlich dieses natürlichen Verbreitungsgebiets bei Mossel Bay geht sie in die verwandte Art C. deliciosus über. Nordwestlich dieses natürlichen Verbreitungsgebiets geht sie in die verwandte Art C. quadrifidus über.
 

Nutzung:

Als Zierpflanze, zur Befestigung von Dünen und Böschungen, als Heilpflanze und die feigenartigen Früchte als Obst, etwa zur Herstellung von Marmeladen. Im Gebiet nur in sehr wärmebegünstigten Lagen.
 

Ausbreitung:

Als Zierpflanze und zur Erosionsbekämpfung wurde die Art in viele subtropische und gemäßigte Länder eingeführt, insbesondere nach Europa, USA, Australien, Neuseeland, Südamerika, Nordafrika und auf einige pazifische und atlantische Inseln. Mittlerweile gilt die Mittagsblume in Teilen der Erde als invasiver Neophyt. Sie kann schnell neue Gebiete erobern und den Boden auslaugen, Hybriden mit verwandten Pflanzenarten bilden und die angepasste, heimische Flora aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit und Schnellwüchsigkeit bedrängen. Die auffälligen Blüten der Hottentottenfeigen üben eine große Anziehungskraft auf Insekten aus, so dass die heimischen Arten weniger bestäubt werden. Auch das Meer hat die Mittagsblumen auf ihrer Seite, wenn die Flut Pflanzenteile abreißt, davonträgt und andernorts wieder anlandet.
Die Pflanze toleriert Salz in Boden und Luft. Sie hat ihren Stoffwechsel verändert, um die Salzkonzentration im Inneren so gering wie möglich zu halten. Dieser CAM-Stoffwechsel (Crassulacean Acid Metabolism) funktioniert durch eine zeitliche Trennung von Photosynthese am Tag und Einlagern der Endprodukte nachts. Das ermöglicht der Pflanze, tagsüber die Spaltöffnungen geschlossen zu halten und damit weniger Wasser zu verdunsten.

 
DEUTSCHLAND: ---
ÖSTERREICH:
Ehemals unbeständig verschleppt bei Röthis in Vorarlberg (Thellung 1919, Walter & al. 2002) angegeben. Nach Clement & Foster (1994) beziehen sich die meisten europäischen Angaben dieser Art auf Carpobrotus edulis. In Glaser & al. (2025) wird für Vorarlberg C. edulis, nicht C. acinaciformis angegeben.   
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Spanien (Jalas & Suominen 1980), auf den Balearen (Jalas & Suominen 1980), in Italien (Jalas & Suominen 1980, Galasso & al. 2024), auf Sardinien (Jalas & Suominen 1980), Sizilien (Jalas & Suominen 1980), Malta (Jalas & Suominen 1980) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).

 
Weitere Art:

Carpobrotus edulis

Die Gelbe Mittagsblume, Carpobrotus edulis, wird von manchen Autoren zusammen mit C. acinaciformis als eine Art angesehen. Sie ist ebenfalls in Südafrika beheimatet, gilt als ähnlich ausbreitungsfreudig und tritt in zahlreichen Ländern der Erde subspontan auf. Verwilderungen aus dem Gebiet sind bisher nicht bekannt. 
Subspontan u.a. in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), Portugal (Jalas & Suominen 1980), auf den Kanaren (Jalas & Suominen 1980), in Spanien (Jalas & Suominen 1980), auf den Balearen (Jalas & Suominen 1980), in Frankreich (Jalas & Suominen 1980), auf Korsika (Jalas & Suominen 1980), in Italien (Jalas & Suominen 1980, Galasso & al. 2024), auf Sizilien (Jalas & Suominen 1980), Malta (Jalas & Suominen 1980), in Albanien (Jalas & Suominen 1980), Irland (Jalas & Suominen 1980) und Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

Quellen

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297-340.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.

 



Jalas J. & Suominen J. (1980): Atlas Florae Europaeae 5 – Chenopodiaceae to Basellaceae. Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 119 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Suehs C.M., Affre L. & Médail F. (2001): Ecological and genetic features of the invasion by the alien Carpobrotus plants in Mediterranean island habitats. In: Plant invasions: species ecology and ecosystem management [ed. by Brundu G, Brock J, Camarda I, Child L, Wade M] Leiden, Netherlands: Backhuys Publishers, 145-157.

Suehs C.M., Affre L. & Médail F. (2004): Invasion dynamics of two alien Carpobrotus (Aizoaceae) taxa on a Mediterranean island: I. Genetic diversity and introgression. Heredity, 92(1):31-40.

Thellung A. (1919): Beiträge zur Adventivflora der Schweiz (III) - Mitteilungen aus dem botanischen Museum der Universität Zürich 64_35.

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.