Caragana

Erbsenstrauch, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Caragana umfasst, inklusive Halimodendron, etwa 91 Arten (Kew 2022) in Eurasien. Mannigfaltigkeitszentrum ist China.
 

Caragana arborescens  

Echter Erbsenstrauch,
Caragana arborescens  
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

Bis 4 m hoher, sommergrüner Strauch mit gefiederten Blättern. Blättchen 8–16, hellgrün, elliptisch, 1–2,5 cm lang, beiderseits behaart, oberseits verkahlend. Blüten gelb, 1,5–2,5 cm lang, zu 1–4 in den Blattachseln, lang gestielt. Frucht 3–8 cm lang, anfänglich grün, später braunrot. Blütezeit Mai.
 

Nutzung: 

Ziergehölz, Windschutzhecken, Straßenbegleitgrün. In mehreren Sorten, so `Lorbergii´ (etwa 1906) mit federartigen Blättern und überhängenden Trieben, `Nana´ (vor 1875) mit zwergigem Wuchs und gedrehten Zweigen und `Yellow Tip´ (1989) mit gelbem Laubaustrieb. Die Rindenfaser wurde in Sibirien zu Stricken und Bändern verarbeitet (Hegi 1975). Die Samen sind roh ungenießbar oder sogar giftig, gekocht allerdings essbar. Die Art ist windfest, rauchhart, stadtklimatauglich, salzverträglich und verträgt sommerliche Dürreperioden (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Sibirische Art, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von St. Petersburg in die Botanischen Gärten Leiden und Uppsala gekommen. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch im Gebiet kultiviert, so in Brandenburg seit dem Jahr 1769 (Kowarik 1992). Anfang des 19. Jahrhunderts war der Erbsenstrauch in deutschen Gärten weit verbreitet (Krausch 2003). Die Art wurde von eurasischen Einwanderern nach Nordamerika gebracht. In einigen Gebieten der Vereinigten Staaten gilt der Erbsenstrauch heute als invasive Art.
Aufgrund seiner Salzverträglichkeit wird er im Gebiet nicht selten entlang von Autobahnen gesetzt, in deren Nähe er dann vereinzelt subspontan vorkommt.
DEUTSCHLAND:
Häufig gepflanzt und selten verwildernd, so in Mannheim und Bruchsal in Baden-Württemberg (Junghans 2014, Hassler 2021), Reimlingen, Bad Berneck, Rodersberg, mehrfach um Schweinfurt, Haßfurt und Bamberg in Bayern (Adler & al. 2017, Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008), vielfach in Berlin (Seitz & al. 2012), Potsdam, Steglitz, Perleberg, Wittenberge und Havelberg in Brandenburg (Hegi 1975, Fischer 2017), in Hessen (Hand & Thieme 2023), Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003), Köln und Herten-Hoheward in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015, BBV 2012), bei Neunzehnhain, Leipzig, Nünchritz, Dresden, Oberau, Freital, Maxen und Freiberg in Sachsen (Nixdorf 2016, Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), am Arendsee bei Salzwedel in Sachsen-Anhalt (Brennenstuhl 2022) und Galgenberg im Kyffhäuser bei Bad Frankenhausen in Thüringen (Barthel & Pusch 1999).
ÖSTERREICH:
Selten subspontan, so 2014 am Radweg zwischen Neusiedl am See und Weiden am Seeim Nordburgenland (Gilli & al. 2022, Kniely in: Pachschwöll & al. 2025), Oeynhausen in Niederösterreich (Sauberer 2013), Tumeltsham in Oberösterreich (Hohla 2018), in Salzburg Stadt in der Wäschergasse, Eisenheimstraße, Wasserfeldstraße und Carl-Zuckmayer-Straße (Pflugbeil & Pilsl 2013, Pilsl & al. 2008), Grazer Schlossberg und Straß im Murtal in der Steiermark (Stöhr & al. 2006), Nordtirol (Pagitz & al. 2023), Gottschaunalm im Virgental in Osttirol (Stöhr 2019), Frastanz in Vorarlberg (Thellung 1915, Walter & al. 2002) und Troststraße, Zentralfriedhof und Schlosspark Erlaa in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025). In Südtirol u.a. im Wipptal unterhalb von Mittewald (Niklfeld 2002).
SCHWEIZ:
Ganz vereinzelt, so ehemals in Graubünden (Infoflora 2024), ehemals Solothurn (Infoflora 2024), Waadt (Infoflora 2024), Wallis (Infoflora 2024) und Zürich (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1937 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Caragana frutex

Von Osteuropa bis Sibirien ist der Busch-Erbsenstrauch, Caragana frutex, beheimatet, der im Gebiet selten als Ziergehölz seit 1639 (Hegi 1975) bzw. 1752 (Bärtels & Schmidt 2014) genutzt wird und vereinzelt subspontan auftritt, so 1995 in einer Mauerfuge im Hofgarten Würzburg, 1895 auf der Kohleninsel in München und 1840 Schleißheim in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), Berlin (Kowarik 1992, Hand & Thieme 2023), 1899 bei Oderberg in Brandenburg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023) und Wasserspeicher Raxstraße und Zentralfriedhof in Wien (Forstner & Hübl 1971, Adler & Mrkvicka 2003). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 
 

Caragana halodendron

Der Salz-Erbsenstrauch, Caragana halodendron (Syn.: Halimodendron halodendron) wurde lange Zeit in der monotypischen Gattung Halimodendron geführt, bis phylogenetische Untersuchungen, etwa von Zhang & al. (2009) zeigten, dass die Gattung besser innerhalb von Caragana platziert ist. 
Die Art ist in Salzsteppen Asiens beheimatet und wird seit spätestens 1779 gärtnerisch kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014), oft auf Echten Erbsenstrauch, C. arborescens, veredelt. 
Die Art ist salztolerant und schnittempfindlich. Im Gebiet subspontan konnte sie in Wien im südseitigen Uferverbau des Liesingbaches bei der alten Brücke der Laxenburger Straße über die Liesing, sowie auf Böschungen und am Straßenbankett ebendort gefunden werden. Am Fundort aus Pflanzungen im Zuge der Liesing-Regulierung in den 1950er-Jahren verwildert (Adler & Mrkvicka 2006). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2004 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Quellen

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