Capsella rubella
Rötliches Hirtentäschel,
Capsella rubella
Kreuzblütler, Brassicaceae
Steckbrief:
5–40 cm hohe Ein- bis Zweijährige mit fiederlappigen bis fiederschnittigen Blättern. Kronblätter 1,5–2 mm lang, zumindest am Rand rötlich, den Kelch nicht überragend. Kelch zumindest an der Spitze rot. Frucht mit konkaven Rändern, 4–6 mm lang, so lang wie breit, tief zweiteilig. Blütezeit Juni bis Oktober.
Verwechslungsmöglichkeit: Das häufige, archäophytische Gewöhnliche Hirtentäschel, Capsella bursa-pastoris, hat weiße, 2–3 mm lange Kronblätter, die den Kelch überragen. Die Frucht ist 5–10 mm lang und meist länger als breit, bis höchstens zu einem Drittel ausgerandet. Die Bestimmung von C. rubella ist kritisch und sollte durch Ploidiemessungen verifiziert werden, da fast alle morphologischen Merkmale von C. rubella innerhalb der phänotypischen Variabilitätsbreite von C. bursa-pastoris liegen (Neuffer & al. 2011).
Capsella grandiflora hat duftende Blüten, 4–5 mm lange Kronblätter und kahle Kelchblätter.
Heimat:
Mittelmeergebiet.
Nutzung:
Keine. Die Art wird aber als Modellpflanze genutzt, um die Evolution der Selbstinkompatibilität in die Selbstkompatibilität bei der Pflanzenvermehrung zu untersuchen. Es wird geschätzt, dass die Abtrennung von C. bursa-pastoris vor etwa 40.000 Jahren stattfand.
Ausbreitung:
Mit Saatgut verschleppt. Die Art befindet sich in der Oberrheinebene und vermutlich auch anderswo in rascher Ausbreitung (Hassler 2024).
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt verschleppt, so 1914 Bahnhof Ravensburg und Glasmatt in Baden-Württemberg (Dörr & Lippert 2001, Sebald & al. 1990), 1939 am Friedhof Neufahrn bei Freising, 1998 Hauptbahnhof Lindau, 1998 Hauptbahnhof Kempten, 1964 und 2024 beim Botanischen Garten München, 1986 Sennfeld und 1968 Unterspiesheim und 2025 auf den Campingplätzen Tiefenbach-Irring, Gutshof Arterhof in Lengham, Holmernhof in Singham, Bad Füssing, Burghausen, Camping Chiemsee Lambach, Kupferschmiede am Chiemsee, Seecamping Taching am See, Waging am See, Bernau am Chiemsee, Camping Rödlgries in Übersee und Chiemsee-Strandcamping in Bayern (Meierott 2008, Dörr & Lippert 2001, Meierott & al. 2024, Hohla 2025), im Hafen von Hamburg (Poppendieck & al. 2011), 2010 in Nieder-Modau, 2020 in Darmstadt-Arheiligen und 2020 Darmstadt-Kranichstein in Hessen (Gregor & al. 2012, Gregor 2022), Rostock-Mühlendamm in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), in Niedersachsen (Hand & Thieme 2023), Kreuzau, Bonn-Poppelsdorf, Nideggen, 1875 am Schlossberg Altena und 2023 in Aachen-Hörn in Nordrhein-Westfalen (Bomble 2009, BBV 2020, Mieders 2006, BBV 2024), Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2023), in Zabeltitz am Geißlitzdamm in Sachsen (Hardtke & al. 2013) und in Schleswig-Holstein (Müller & al. 2021).
ÖSTERREICH:
Hie und da unbeständig verschleppt, so im Burgenland 2016 bei Wallern, 2024 bzw. 2025 auf Campingplätzen in Rust, Oggau, Purbach, Breitenbrunn, Neusiedl am See, Podersdorf und Andau (Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025, Raabe 2025), 1971 am Bahnhof Treibach-Althofen in Kärnten (Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025), Pischelsdorf und Dürnrohr im Tullner Feld, 1963 Enzersdorf am Göllersbach und 1983 am Heiligenstein bei Zöbing und 2024 bzw. 2025 auf Campingplätzen in Klosterneuburg und Tulln in Niederösterreich (Bernhardt & al. 2008, Bernhardt & al. 2013, Janchen 1977, Glaser & al. 2025, Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025, Raabe 2025), 2016 am Campingplatz in Obernberg am Inn, 2023 am Rastplatz Andiesen an der Innkreisautobahn A8 und 2023 am Festgelände der Burg Clam und 2025 auf den Campingplätzen Engelhartszell beim Freibad, Pichlingersee Linz und am Campingplatz Appesbach in St. Wolfgang-Au in Oberösterreich (Hohla 2022, Kleesadl 2023, Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025, Hohla 2025, Hagmüller 2025), um 1900 in Tamsweg, 2025 auf Stellplätzen am Campingplatz Salzburg-Nord, am Campingplatz Salzburg-Kasern und am Campingplatz Stadtblick in Salzburg (Hohla 2022, Kleesadl 2023, Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025, Hohla 2025), 1914 auf dem Plateau des Schlossberges von Voitsberg, 1935 Holteigasse in Graz, 1940 bei Universität Graz und 1965 in Graz-Andritz in der Steiermark (Hamburger 1948, Glaser & al. 2025, Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025), Zams, Bad Häring, Kötsching und Arzl im Pitztal in Nordtirol (Murr 1894, Murr 1901, Pagitz & al. 2023, Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025) und 2017 beim Wilhelminenspital, 2017 Vorarlberger Allee, 2021 Himmelswiese bei Kalksburg und Campingplatz Neue Donau in Wien (Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025, Raabe 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1893 (Glaser & al. 2025). Dank intensiver Kartierung durch Karl-Georg Bernhardt im Tullner Feld konnten dort etwa ein Dutzend Nachweise erbracht werden, was für eine lokale Einbürgerung spricht bzw. darauf hindeutet, dass C. rubella im Pannonikum vielleicht schon eingebürgert ist, aber bloß nicht beachtet wurde (Pachschwöll & al. in: Pachschwöll & al. 2025). Auch für Südtirol (Fischer & al. 2008) angegeben. Die Art wird in FloraFaunaSüdtirol (2023) nicht geführt.
SCHWEIZ:
Vielfach in wärmebegünstigten Lagen, besonders im südlichen Tessin, um den Genfer See und den Neuenburger See. Auch sonst vielfach im Mittelland, so 1946 am Bahndamm in Liestal im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018), Bahnhof Brunau, Kläranlage Werdhölzli, Wehrlisteig, Seebach und Bahnhof Wallisellen in Zürich (Bellosi 2011, Landolt 2001, Infoflora 2023). Im Kanton Zürich seit dem Jahr 2000 aus 26 Quadranten, verteilt über das ganze Kantonsgebiet, belegt. Vor 1931 wurde es in der Umgebung der Stadt Zürich, in Männedorf, Stäfa, Maur, Lindau, Otelfingen und Kempttal nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1940 in der Ukraine (Seebens & al. 2017), seit 1928 in Großbritannien (Seebens & al. 2017) und seit 2006 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).