Camelina

Leindotter, Kreuzblütler, Brassicaceae

Gattung:

Camelina umfasst etwa 8 Arten (Kew 2022) in Eurasien und Nordafrika mit Mannigfaltigkeitszentrum in Anatolien.
 

Camelina sativa  

Saat-Leindotter,
Camelina sativa  
Kreuzblütler, Brassicaceae

 

Steckbrief:

30–70 cm hohe, im oberen Drittel in spitzem Winkel verzweigte Einjährige mit ganzrandigen bis entfernt gezähnten unteren Stängelblättern und am Grund pfeilförmig geöhrten oberen Stängelblättern. Kronblätter hellgelb, 4–5 mm lang. Schötchen birnförmig, Fruchtklappen stark aufgewölbt, hart, bald verholzend. Blütezeit Mai bis August.
 

Heimat:

Stammt wahrscheinlich aus Osteuropa und Asien.
 

Nutzung/Ausbreitung:

Die Art wurde vor allem früher seit Ende der Bronzezeit als Nahrungspflanze kultiviert (Jäger & al. 2008). Bis etwa 500 n. Chr. war der Anbau in Reinkultur weitverbreitet, ging danach jedoch stark zurück und spielt heute nur noch in Osteuropa eine gewisse Rolle. Eine kleine Renaissance widerfährt der Pflanze zurzeit in der biologischen Landwirtschaft, etwa als Mischkultur zusammen mit Getreide. Die Samen dien(t)en gemeinsam mit Leinsamen und Weizen als Zutat fürs Brot. Für die Ernährung ist das Öl vor allem aufgrund seines hohen Anteils an α-Linolensäure wertvoll. Leindotteröl findet auch in der pharmazeutischen und technischen Industrie Anwendung. In der Luftfahrt werden Gemische aus herkömmlichem Kerosin und aus Leindotter gewonnenem Kraftstoff getestet. Am 20. Juni 2011 überquerte eine Boeing 747-8 den Atlantik als erste große Verkehrsmaschine mit einem Gemisch aus Kerosin (85 %) und Treibstoff aus Leindotter (15 %). Für den Versuch mussten keine Veränderungen am Flugzeug, den Triebwerken oder Betriebsabläufen vorgenommen werden. Am 21. August 2013 realisierte die chilenische Fluggesellschaft LAN Airlines den ersten kommerziellen Flug mit einem Gemisch von 33 % Treibstoff aus Leindotter und 67 % herkömmlichem Kerosin. Der Flug wurde mit einem Airbus A320 zwischen den kolumbianischen Städten Bogotá und Cali durchgeführt.
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern mit Schwerpunkten in Thüringen, Franken und Rheinhessen (Hassler & Muer 2022), Einzelfunde etwa 1961 Pflugfelden, 1952 Altbach, 1844 Blaubeuren, in Korntal, Degerlocher See, Bad Cannstatt und Mühlhausen-Neckarufer in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1990, Böcker & al. 2017), 2018 in einem Acker zwischen Hausen und Salgen und Deponie Puchheim bei München in Bayern (Bauer 2019, Dickoré & Springer 2014), beim Wasserwerk Schierstein und bei Oestrich in Hessen (Streitz 2005), Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Osnabrück in Niedersachsen (Weber 1995, Hand & Thieme 2023), Bielefeld, Künsebeck, Clarholz, Bochum-Querenburg, mehrfach in Olpe und bei Hövelhof in Nordrhein-Westfalen (Kulbrock & al. 2006, Jagel 2021, BBV 2023, Sonnenborn & Sonnenborn 2018), ehemals bei Hontheim in der Osteifel in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016), Bautzen, Plauen, Altensalz, Markneukirchen, Breitenfeld, Knauthain und Schönefeld in Sachsen (Wünsche & al. 2022, Gutte & al. 2013, Breitfeld 2021, Gutte 2006) und bei Sennewitz in Sachsen-Anhalt (John & Stolle 2004).
ÖSTERREICH:
Vereinzelt und unbeständig in allen Bundesländern (Glaser & al. 2025), so im Nord-, Mittel- und Südburgenland (Gilli & al. 2022), Prellenkirchen und Zwentendorf in Niederösterreich (Nadler & Haug 2021, Bernhardt & al. 2013), Steyeregg in Oberösterreich (Hohla & al. 2005), Graz, Grundlsee, Apfelberg, Leoben, Frohnleiten und Zeltweg in der Steiermark (Hamburger 1948, Melzer 2005), Stans, Innsbruck, Ladis und Bahnhof Reutte in Nordtirol (Polatschek 1999, Dörr & Lippert 2001), Lienz in Osttirol (Polatschek 1999), Bludesch, Bregenz, Mehrerau, Hittisau und zwischen Sippersegg und Gschwendwies in Vorarlberg (Polatschek 1999, Dörr & Lippert 2001) und Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1851 (Neilreich 1859, Seebens & al. 2017, Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Vielfach, so beispielsweise 1866 bei Gelterkinden, ehemals Binz bei Ziefen, in Liestal und Frenkendorf im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018), ehemals im südlichen Tessin (Welten & Sutter 1982) und Hardau, Guggach, Örlikon, Altstetten und Affoltern in Zürich (Landolt 2001). Im Kanton Zürich war die Art aus 9 % der Quadranten in den Regionen Zürich-Stadt, Limmattal und Zürich-Nord bekannt. Aktuell liegen Nachweise aus 5 % der Flächen vor (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1870 in Belgien (Verloove 2021, Seebens & al. 2017), seit 1854 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), den Niederlanden (FLORON 2021), Frankreich (Jalas & al. 1996), Spanien (Jalas & al. 1996), seit 1858 in Dänemark (Jalas & al. 1996, Seebens & al. 2017), seit 1922 in Island (Seebens & al. 2017), in Schweden (Jalas & al. 1996, Seebens & al. 2017), Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1800 in Irland (Seebens & al. 2017), in Polen (Jalas & al. 1996), Königsberg (Jalas & al. 1996), seit 1890 in Litauen (Jalas & al. 1996, Seebens & al. 2017), seit 1852 in Lettland (Jalas & al. 1996, Seebens & al. 2017), seit 1777 in Estland (Jalas & al. 1996, Seebens & al. 2017), in Weißrussland (Jalas & al. 1996), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1899 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012, Seebens & al. 2017).
 

 
Weitere Art:

Camelina hispida

Der Steifhaariger Leindotter, Camelina hispida (inkl. C. stiefelhagenii) ist von Anatolien und Ägypten bis zum Iran beheimatet und wird im Gebiet für Brandenburg (Hand & Thieme 2023) und 1937 auf Schutt für Coswig in Sachsen (Huber-Morath 1962 sub C. stiefelhagenii) angegeben. Für Sachsen wird die Art in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht angegeben.

 

Quellen

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Bernhardt K.G., Naumer-Bernhardt E., Oschat M.-L., Stoeckl N. & Wernisch M. (2013): Floristische Inventarisierung als Beitrag zur Erfassung regionaler Phytodiversität am Beispiel der Gemeinde Zwentendorf an der Donau (Bezirk Tulln, Niederösterreich) - Wiss. Mitt. Niederösterr. Landesmuseum 24: 127-172.

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