Calendula

Ringelblume, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Calendula umfasst etwa 12 Arten (Kew 2022) in Südeuropa, Südwest-Asien, Makaronesien und Nordafrika. Das Verbreitungszentrum liegt im Nordwesten Afrikas mit 8 in Nordmarokko bekannten Arten (Valdés & al. 2002).
 

Calendula officinalis 

Echte Ringelblume,
Calendula officinalis 
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

20–40 cm hohe, aufsteigend-aufrechte Ein- bis Zweijährige mit wechselständigen, verkehrt-eiförmigen bis verkehrt-lanzettlichen, sitzenden Blättern. Körbe 4–6 cm im Ø, Zungen gelb oder orange, mind. 2× so lang wie die Hülle. Schließfrüchte stark gekrümmt. Blütezeit Juni bis Oktober.
 

Nutzung:

Arznei-, Färbe- und Zierpflanze. In der Lebensmittelindustrie wird sie zum Färben von Butter und Käse genutzt, in Teemischungen als Schmuckdroge (Mansfeld 1986). Als Arzneipflanze wird sie vor allem bei Hautproblemen und zur Wundheilung genutzt. Die Echte Ringelblume wird in mehreren Ziersorten kultiviert, so in der gefüllten `Fiesta Gitana´ und der orangeblütigen, kompakten `Orange Gitana´.
 

Ausbreitung:

Die Echte Ringelblume ist nur als Kulturpflanze bekannt. Wahrscheinlich ist die Ausgangsform im (westlichen) Mittelmeergebiet zu suchen. So könnte es sich um eine hybridogene Entstehung in Nordwestafrika aus Calendula incana × Calendula suffruticosa handeln.
Aus dem Gebiet stammen die ersten Nachrichten der Art aus dem frühen Mittelalter. Um das Jahr 900 berichtet der Mönch Notker, im 12. Jahrhundert erwähnt sie Hildegard von Bingen. Infolge ihres medizinischen Nutzens und ihrer Anspruchslosigkeit wurde die Ringelblume zu einer der häufigsten Gartenblumen im Gebiet (Krausch 2003). Züchtungsarbeit setzte erst Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Recht häufig auch in Blumenwiesenmischungs-Ansaaten wie der Austrosaat-Blumenmischung „Paradiesgarten“ (Austrosaat 2018) enthalten und aus diesen verwildernd. Die Echte Ringelblume tritt im gesamten Gebiet vielfach unbeständig verwildert auf, ohne Tendenz zur Einbürgerung. Die Art ist wahrscheinlich schon vor 1492 im Gebiet verwildert, Aufzeichnungen darüber fehlen aber. Sie wird von manchen Autoren als Archäophyt gesehen, so z.B. von Wohlgemuth & al. (2020).


 
Die Früchte sind unterschiedlich und verfolgen mehrere Ausbreitungsstrategien: Die Hakenfrüchte werden als Klettfrüchte ausgebreitet, die Kahnfrüchte sind luftgefüllt und werden vom Wind als Bodenroller fortbewegt und die Ringelfrüchte werden durch den Regen verbreitet (Düll & Kutzelnigg 2022).
 
DEUTSCHLAND:
Vielfach unbeständig, so beispielsweise bei Eichenberg, Füramoos, Haidgau, Leutkirch, Waldburg, Stuttgart und Ravensburg in Baden-Württemberg (Dörr & Lippert 2004, Müller 1948), in Pleinting, Sonthofen-Rieden, Altstädten, Opfenbach, Unterschönegg, Babenhausen, Buxheim, Sontheim, Mindelheim, Landsberg und Kronburg in Bayern (Zahlheimer 2004, Dörr & Lippert 2004), mehrfach in Berlin (Seitz & al. 2012), vielfach in der Prignitz Brandenburgs (Fischer 2017), Hamburg (Poppendieck 2010), Hessen (FloraWeb 2013), Malchin in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes & Nitzsche 2013), Bochum-Ehrenfeld, Augustdorf, Herten und Bochum-Wattenscheid in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2021, Sonnenborn & Sonnenborn 2018, BBV 2009, BBV 2010), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023), Saarland (Hand & Thieme 2023), Leipzig in Sachsen (Gutte 2006), Sachsen-Anhalt (Hand & Thieme 2023), auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Naturhistorische Gesell. 2013) und in Thüringen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern immer wieder unbeständig (Glaser & al. 2025), so etwa bei Seelach, St. Kanzian, Kohldorf und Goritschach in Kärnten (Kniely & al. 2006), bei Oberwaltersdorf und Traiskirchen in Niederösterreich (Sauberer & Till 2015), Vorderstoder in Oberösterreich (Stöhr 2002), Neumarkt, Seekirchen am Wallersee, Elsbethen, Hallein, Kuchl, Werfen, Großarl und St. Michael in Salzburg (Schröck & al. 2004), bei Mötz in Nordtirol (Pagitz & Lechner-Pagitz 2003) und Mitteldorf und Lienz in Osttirol (Stöhr 2008). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1821 (Glaser & al. 2025). In Südtirol u.a. in Luttach im Ahrntal und Aufkirchen bei Toblach (Niklfeld 2002).
SCHWEIZ:
Vielfach, aber immer nur vorübergehend, so im Kanton Aargau (Infoflora 2023), 1975 im Rheinhafen Basel-Kleinhüningen (Baumgartner 1985), Bern, Freiburg, Genf, Glarus, Graubünden, Jura, Neuenburg, St. Gallen, im südlichen Tessin, Lausanne im Kanton Waadt, im Wallis und Kanton Zürich, so um 1900 in Winterthur und in der Stadt Zürich (Infoflora 2023, Landolt 2001, Bellosi & al. 2011, Krüsi & Trachsel 2012, Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), seit spätestens 1858 in Belgien (Verloove 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1872 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1830 subspontan in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Austrosaat (2018): https://www.austrosaat.at/Sortiment/Blumenwiese/
Blumenwiese.htm

Baumgartner W. (1985): Die Adventivflora des Rheinhafens Basel-Kleinhüningen in den Jahren 1972-1984 - Bauhinia 8/2: 79-87.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2009): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen im Bochum-Herner Raum (Nordrhein-Westfalen) im Jahr 2009 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.1: 164–176.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2010): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen in Bochum (Nordrhein-Westfalen) und Umgebung im Jahr 2010 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 144–182.

Bellosi B., Selldorf P. & Schönberger N. (2011): Exploring the Flora on Inert Landfill Sites in Southern Ticino (Switzerland) – Bauhinia 23: 1-16.

Brandes D. & Nitzsche J. (2013): Verwilderungen von kultivierten Arten im Freiland des Botanischen Gartens Braunschweig – Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 10: 1–27.

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Fischer W. (2017): Flora der Prignitz – Verhandlungen des Botanischen Vereins von Brandenburg und Berlin, Beiheft 8 – Natur & Text, 484 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S.
Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hetzel G. & Meierott L. (1998): Zur Anthropochorenflora fränkischer Deponiestandorte – Tuexenia 18: 377–415.

Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kniely G., Leute G. & Maurer W. (2006): Die Flora des Klopeiner Hügellandes und seiner Umgebung in Kärnten. — Carinthia II 196/116: 425-482.



Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Krüsi B. O. & Trachsel T. (2012): Erstaunliche Vielfalt in einem unscheinbaren Lebensraum: Die Pflasterfugen-Flora der Stadt Zürich – Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich 157(3/4): 59–72.

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 2 – Springer Verlag Basel. 706 S.

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Müller K. (1948): Beiträge zur Kenntnis der eingeschleppten Pflanzen Württembergs 1.Nachtrag – vnm-ulm.de/mitteilungen

Naturhistorische Gesellschaft (2013): Flora von Helgoland, Stand 2013 - http://www.nhg-nuernberg.de/main.php?section=Botan&lige=&page=exk_helgolandliste2013.php

Niklfeld H. (2002): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (1) – Gredleriana 2: 271−294.

Pagitz K. & Lechner-Pagitz C. (2003): Ergänzungen und Bemerkungen zu in Tirol wildwachsenden Pflanzensippen (II) - Ber. nat.-med. Verein Innsbruck Band 90: 113–120.

Pilsl P., Schröck Ch., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich) – Sauteria-Schriftenreihe f. systematische Botanik, Floristik u. Geobotanik 17: 1–596.

Poppendieck H.-H. (2010): Rote Liste und Florenliste der Gefäßpflanzen von Hamburg – Dölling und Galitz Verlag GmbH München-Hamburg.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Sauberer N. & Till W. (2015): Die Flora der Stadtgemeinde Traiskirchen in Niederösterreich: eine kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich – BCBEA 1/1: 3–63.

Schröck C., Pilsl P., Stöhr O., Nowotny G., Blaschka A. & Kaiser R. (2004): Adventivflora einer mitteleuropäischen Stadt am Beispiel von Salzburg (Österreich) – Vorstellung eines laufenden Projektes der Salzburger Botanischen Arbeitsgemeinschaft. – Sauteria 13: 347–363.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Sonnenborn I. & Sonnenborn W. (2018): Die Flora der Truppenübungsplätze Senne und Stapel in den Jahren 1989 bis 2017 – LWL-Museum für Naturkunde Münster, 90. Band.

Stöhr O. (2002): Floristisches aus der Gemeinde Vorderstoder – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 11: 411−459.

Stöhr O. (2008): Notizen zur Flora von Osttirol, II. – Wissenschaftliches Jahrbuch der Tiroler Landesmuseen – 1: 347−363.

Valdés B., Rejdali M., Achhal el Kadmiri A., Jury S. L. & Montserrat J.M. [Hrsg.] (2002): Catalogue des plantes vasculaires du nord du Maroc, incluant des clés d'identification / Checklist of vascular plants of N Morocco with identification keys, Bd. 2, 670–672.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zahlheimer W. (2004): Liste unbeständiger bzw. nicht oder noch nicht etablierter Farn- und Blütenpflanzen in Niederbayern. http://flora-niederbayern.de/unbestaendige_liste.html