Brassica

Kohl, Kreuzblütler, Brassicaceae

Gattung:

Brassica ist, traditionell verstanden, eine Gattung von ca. 41 eurasischen und afrikanischen Arten (Kew 2022). Ihre generischen Grenzen sind unklar. Die Gattungen Brassica und Sinapis sind nahe miteinander verwandt. Sie unterscheiden sich in der Nervenanzahl pro Schotenwand. Bei Brassica ist diese einnervig, bei Sinapis drei- oder fünfnervig. Das Merkmal ist an der reifen Frucht am deutlichsten sichtbar (Wohlgemuth & al. 2020). Molekulare Daten haben gezeigt, dass Brassica hochgradig polyphyletisch und so seine derzeitige Umschreibung unhaltbar ist (z.B. Al-Shehbaz & al. 2006, Arias & Pires 2012). Die Gattung sollte entweder verwandte Gattungen wie Diplotaxis, Eruca, Erucastrum, Hirschfeldia, Raphanus, Rapistrum und Sinapis einschließen oder weiter segregiert werden. Senf liefernde Arten gibt es sowohl in der Gattung Brassica als auch bei Sinapis. So wird der Weiße Senf entweder als Brassica hirta oder als Sinapis alba bezeichnet (Düll & Kutzelnigg 2022). Bis zur Klärung der offenen Frage wird hier das traditionelle System beibehalten.
 

Brassica juncea  

Ruten-Kohl,
Brassica juncea  
Kreuzblütler, Brassicaceae

 

Steckbrief:

60–120 cm hohe Einjährige mit am Grund borstig behaartem Stängel. Untere Blätter gefiedert mit 1–3 Fiederpaaren und größerer Endfieder, obere Blätter ungeteilt, stielartig verschmälert, Blattränder gezähnt bis ganzrandig. Kronblätter 6–12 mm lang, kurz benagelt, gelb. Kelchblätter 4–6 mm lang, aufrecht-abstehend. Blütenstiele 1,5–5,5 × so lang wie der Kelch. Frucht und Fruchtstiele dem Stängel nicht angedrückt, Schoten 3–5,5 cm lang und 2–3 mm dick, 16–26-samig, mit 6–10 mm langem, samenlosem Schnabel und 8–12 mm langem, dünnem Stiel. Blütezeit Juni bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Der Schwarzsenf, Brassica nigra, hat Früchte und Fruchtstiele, die dem Stängel angedrückt sind und Blütenstiele, die kürzer als der Kelch sind. Sinapis alba hat borstig behaarte Schoten.
 

Name:

Brassica juncea wurde 1753 von Linné als Sinapis juncea beschrieben. Kurz darauf, im Jahr 1769, stellte Crantz diese Art zur Gattung Raphanus. Cosson und Czernajew überführten sie neunzig Jahre später, im Jahr 1859, in die Gattung Brassica.
 

Nutzung:

Die Samen für Speiseöl und als Gewürz zur Speisesenfherstellung, die Blätter als Gemüse. In mehreren Sorten wie etwa dem Asiasalat `Golden Frills´. Ruten-Kohl wird auch zur Sanierung von bleiverseuchten Böden genutzt.
 

Ausbreitung:

Alte, allotetrapoloide Kulturpflanze, wahrscheinlich entstanden aus natürlicher Hybridisierung von Rüben-Kohl, Brassica rapa × Schwarzsenf, Brassica nigra. Andere Quellen vermuten eine Kreuzung aus Schwarzsenf, Brassica nigra × Gemüse-Kohl, B. oleracea.
Die Herkunft der artgewordenen Hybride und die Zentren ihrer ersten Kultivierung sind umstritten, einerseits kommt der Nahen Osten, andererseits China, aber auch alle Regionen dazwischen in Frage. Der russische Kulturpflanzenforscher Nikolai Wawilow (1887–1943) nahm Afghanistan als Ursprungsregion an. In Mitteleuropa ist Ruten-Kohl seit spätestens 1870 bekannt (Conert & al. 1986). Er kommt zerstreut und unbeständig auf Müllplätzen, an Straßenrändern, Brachen, im Eisenbahngelände und an anderen Ruderalstellen vor und wird wahrscheinlich öfters mit anderen Brassica-Sippen verwechselt.
DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH, SCHWEIZ:
Selten und vereinzelt verwildert oder verschleppt, lokal eingebürgert. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1909 (Glaser & al. 2025). Im Kanton Zürich für 7 Quadranten gemeldet, vor 1931 bestehen Nachweise vor allem aus dem Stadtgebiet von Zürich (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1857 in Belgien (Verloove 2021), Spanien (Jalas & al. 1996), Schweden (Jalas & al. 1996), in Estland (Seebens & al. 2017), Lettland (Jalas & al. 1996), Litauen (Jalas & al. 1996), im europäischen Russland (Jalas & al. 1996), Weißrussland (Jalas & al. 1996), in der Ukraine (Jalas & al. 1996), auf der Krim (Jalas & al. 1996), in Rumänien (Jalas & al. 1996), Bulgarien (Jalas & al. 1996), Ungarn (Jalas & al. 1996), Polen (Jalas & al. 1996), Italien (Galasso & al. 2024), seit 1963 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1988 subspontan in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 
Weitere Sippen:

Brassica aucheri

In Südwest-Asien von Syrien bis in den Iran ist der Aucher-Kohl, Brassica aucheri (Syn.: Lepidium aucheri), beheimatet. Er wird als Wolladventive 1906 für die Wollkämmerei am Reiherstieg in Hamburg angegeben (Thellung 1906, Hand & Thieme 2024 sub Lepidium aucheri). Die Art ist zu Ehren des französischen Botanikers, Apothekers und Naturforschers Rémi Aucher-Éloy (1792−1838) benannt. Aucher-Éloy hatte einen Buchladen und eine Druckerei in Blois und Paris und lebte ab 1830 in Istanbul. Auf ausgedehnten Reisen sammelte er im Orient Pflanzen, die er an das Muséum national d'Histoire naturelle in Paris verkaufte (Burkhardt 2018).
 

Brassica carinata

Wahrscheinlich eine artgewordene Hybride aus B. nigra × B. oleracea ist der Äthiopische Kohl, Brassica carinata, dessen Ursprung wahrscheinlich in Äthiopien und Eritrea zu suchen ist und der vor allem als Gemüsepflanze und im Winteranbau zur Gewinnung von Luftfahrt-Biokraftstoff kultiviert wird. Am 29. Oktober 2012 wurde der Erstflug eines vollständig mit Biokraftstoff betriebenen Düsenflugzeugs aus Brassica carinata durchgeführt. Das Nebenprodukt der Brassica carinata-Ölproduktion wird in Proteinmehl für Tierfutter genutzt (Pratt 2017). Bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. wurde Brassica carinata in Äthiopien kultiviert. Traditionell werden die Blätter und jungen Sprosse als Gemüse und die Samen für die Herstellung einer Art Senf oder zur Ölproduktion genutzt. Mehrere Sorten finden sich in Kultur, so `Carina´ und `Gomenzer´. Die Art wird verschleppt für Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2023) angegeben. Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 2017 in Belgien (Verloove 2021) und seit 2002 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Brassica fruticulosa

Mediterraner Herkunft ist der Strauch-Kohl, Brassica fruticulosa, der in Australien, Neuseeland und Kalifornien lokal eingebürgert ist und im Gebiet subspontan für Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023), die Rheinwerft Krefeld-Ürdingen in Nordrhein-Westfalen (Scheuermann 1930), 1909 für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023), fürs Tessin, die Waadt (Infoflora 2023) und 1916 und 1917 für den Güterbahnhof Zürich (Scheuermann 1930) angegeben wird. Die Art ist in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1990) nicht angegeben und fehlt auch in der "Flora des Kantons Zürich" (Wohlgemuth & al. 2020)
 

 

Brassica incana

In Südost-Europa ist der Graugrüne Kohl, Brassica incana, beheimatet. Die Art ist nicht mit Hirschfeldia incana identisch, die gelegentlich auch der Gattung Brassica zugeordnet wird, dann aber korrekt B. adpressa heißen muss. Der Graugrüne Kohl wird adventiv angegeben ehemals für das Rheinufer Karlsruhe-Maxau und Karlsruhe-Ketsch in Baden-Württemberg (Kneucker 1884, Zimmermann 1910), für Frankfurt an der Oder in Brandenburg (Höck 1894), 1888 für Hamburg-Altona (Christiansen 1928) und für den Sudenburger Bahnhof Magdeburg in Sachsen-Anhalt (Schube & Dalla Torre 1900). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Brassica napus

Raps, Brassica napus, ist in Kultur hybridogen als Additionsbastard aus Brassica oleracea × Brassica rapa entstanden. Er unterscheidet sich vom Rüben-Kohl, B. rapa, durch blaugrüne, kahle Blätter, Blütenstiele, die nur wenig länger als die Blüten sind, offene Blüten, die die Knospen nicht überragen, 6−9 mm lange Kelchblätter (bei B. rapa 5−8 mm lang) und 10−18 mm lange Kronblätter (bei B. rapa 6−12 mm lang).
 
Raps dürfte in Indien bereits vor etwa 4000 Jahren genutzt worden sein. Auch den Römern war die Pflanze bekannt. In Mitteleuropa wird er seit dem 14. Jahrhundert gebaut. Raps stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und wurde zur Gewinnung von Speise- und vor allem Lampenöl verwendet. Zunächst lieferte Raps vorwiegend Brennstoff für Öllampen, wurde als Schmieröl genutzt und wegen seiner bitteren Erucasäure nur in den armen Schichten auch in der Küche verwendet. Mitte der 1970er-Jahre kamen Sorten auf den Markt, die nur mehr geringe Mengen der bitteren Erucasäure und nahezu frei von Senfölglykosiden waren. Diese Neuzüchtungen wurden aufgrund ihrer ernährungsphysiologisch wertvollen Inhaltsstoffe als Speiseöl und als Rohstoff für Speisefette genutzt. „Livio“ war das im Gebiet erste konventionell vertriebene Raps-Speiseöl. Zunehmend wurde Rapssaat auch als nachwachsender Rohstoff genutzt und dient hier vor allem zur Erzeugung von Biokraftstoffen. Aktuell wird etwa 70 % der deutschen Rapsernte zur Herstellung von Biokraftstoff genutzt (Düll & Kutzelnigg 2022). Raps ist mit rund 70 Mio. Tonnen zurzeit weltweit nach Soja die zweitwichtigste Ölsaat. Neben seiner Verwendung als Ölpflanze wird Raps auch als Gründünger und in der subsp. rapifera als Gemüse (Steckrübe) kultiviert.
Rapsfelder können vor allem in den Wintermonaten für das Wild gefährlich sein, wenn sich etwa Rehe nur von Raps ernähren. Der hohe Eiweißanteil und der geringe Rohfaseranteil in der Nahrung können schwere Verdauungsstörungen verursachen.

 
Gegenwärtig tritt Raps im gesamten Gebiet immer wieder unbeständig subspontan auf. Seit etwa dem Jahr 1990 steigt die Tendenz zur Einbürgerung und inzwischen sind in mehreren deutschen Bundesländern Einbürgerungen nachgewiesen (Düll & Kutzelnigg 2022). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1821 (Glaser & al. 2025). Im Kanton Zürich in rund der Hälfte der Quadranten subspontan nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020). Subspontan u.a. auch seit 1845 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1916 in Dänemark (Seebens & al. 2017), in Estland (Seebens & al. 2017), seit 1866 in Irland (Seebens & al. 2017), in Großbritannien (Seebens & al. 2017), den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), seit 1858 in Belgien (Verloove 2021, Seebens & al. 2017), in Italien (Galasso & al. 2024), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1984 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Brassica nigra

Schwarzsenf, Brassica nigra (= Mutarda nigra, = Rhamphospermum nigrum) wird als Gewürz- und Ölpflanze in Mitteleuropa seit der Römerzeit kultiviert und tritt hier seit dem 16. Jahrhundert neophytisch als Stromtalpflanze auf (Düll & Kutzelnigg 2021). Schwarzsenf ist neben Weißsenf Bestandteil des Senf-Gewürzes. Die reifen und getrockneten Samen enthalten etwa 30 % Öl mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Weiters wird die Art auch als Gründüngung und Zwischenfrucht genutzt, die später zur Humusanreicherung in den Boden eingearbeitet wird. In Äthiopien wird die Pflanze auch als Gemüse angebaut und die Sprosse und Blätter gekocht gegessen. 
Im Gebiet tritt Schwarzsenf selten unbeständig bis eingebürgert auf. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1842 (Glaser & al. 2025 sub Rhamphospermum nigrum). Im Kanton Zürich aktuell in 3 Quadranten nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020)
Subspontan u.a. auch seit 1801 in Dänemark (Seebens & al. 2017), seit 1791 in Estland (Seebens & al. 2017), seit 1852 in Lettland (Seebens & al. 2017), seit 1846 in Litauen (Seebens & al. 2017), in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und in der Slowakei (Medvecká & al. 2012). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) als indigen geführt.
 

Brassica oleracea

Schon im Altertum eine bekannte Gemüsepflanze ist der Gemüse-Kohl, Brassica oleracea. Gemüse-Kohl ist durch Auslese und Züchtung überaus formenreich und wohl überhaupt die in verschiedener Richtung am stärksten abgewandelte Pflanzenart. Kultiviert wird er in vielerlei Formen, vor allem als Blumenkohl, cvar. botrytis, Weißkohl, cvar. capitata, Sprossenkohl, cvar. gemmifera, Kohlrabi, cvar. gongylodes, Brokkoli, convar. italica, Wirsing, cvar. sabauda, und Grünkohl, cvar. sabellica
Der Wildkohl kommt in fünf größeren, nicht aneinandergrenzenden Gebieten vor. Die Pflanzen dieser Gebiete unterscheiden sich hinsichtlich ihres Aussehens, lassen sich jedoch frei untereinander kreuzen. Sie werden daher je nach Autor als Art oder als geografische Rasse geführt: oleracea, cretica, insularis, montana und der rupestris-incana-Komplex. Sie sind im Mittelmeergebiet und in Westeuropa beheimatet und erreichen in der var. oleracea das Gebiet auf Helgoland und in Mecklenburg-Vorpommern.
 
Die Welternte aller Kohlarten zusammen lag 2012 bei 91 Mio. t und 2018 bei 96 Mio t. (Düll & Kutzelnigg 2022). Gemüse-Kohl zählt zu den gesündesten Gemüsearten. Regelmäßiger Kohlgenuss hat eine krebsvorbeugende Wirkung (Düll & Kutzelnigg 2022).
Im Gebiet gelegentlich unbeständig verwildert, so in Neuhausen a. d. Fildern und Stuttgart-Uhlbach in Baden-Württemberg (Smettan 2015, Böcker & al. 2017), Bayern (Hand & Thieme 2023), Berlin (Hand & Thieme 2023), im Bremer Hafen (Misskampf & Züghart 2000), acht Mal in Hamburg (Poppendieck & al. 2011), Hessen (Hand & Thieme 2023), an Kreidefelsen auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Drenckhahn 2016), Kamen, Königswinter, Hersel und Bonn-Godesberg in Nordrhein-Westfalen (Loos 1997, Gorissen 2015), Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016), Saarland (Hand & Thieme 2023), Gottesberg und Wohlhausen in Sachsen (Breitfeld 2021), ursprünglich auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023), Thüringen (Zündorf & al. 2006), Villach in Kärnten (Pehr 1932, Glaser & al. 2025), Niederösterreich (FKÖ 2021), 2019 Englhaming bei Schardenberg in Oberösterreich (Hohla 2022), bei Glanegg in Salzburg (Pilsl & al. 2008), 1947 am Grazer Ostbahnhof in der Steiermark (Hamburger 1948, Glaser & al. 2025), Nord- und Osttirol (Pagitz & al. 2023) und Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1821 (Glaser & al. 2025). Auch in Südtirol (FloraFaunaSüdtirol 2023). In der Schweiz beispielsweise 1970 und 1971 im Rheinhafen Basel-Kleinhüningen (Baumgartner 1973), Gelterkinden und Liestal im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018) und Tiefenbrunnen, Herdern, Kiesgrube Hardau und Strickhof in Zürich (Landolt 2001)
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und der Slowakei (Medvecká & al. 2012). Vorkommen auf Helgoland und in Mecklenburg-Vorpommern dürften ursprünglich sein (Hand & Thieme 2023).
Verbreitet kultiviert wird auch das Rot-Kraut, Brassica oleracea cvar. capitata fo. rubra. Es konnte in Puch bei Hallein in Oberösterreich vorübergehend in der Nähe eines Gärtnereigeländes gefunden werden (Stöhr & al. 2007).

 

Brassica rapa

Eine der Ausgangsarten des Ruten-Kohls und des Rapses ist der Rüben-Kohl, Brassica rapa, auch Rübsen genannt, der in vielen Kulturrassen gezogen wird und vielfach unbeständig verwildert auftritt. Er ist im Mittelmeergebiet beheimatet und wird seit der Jungsteinzeit kultiviert. 
Am wichtigsten sind dabei die Kulturformen Speiserübe, B. rapa var. rapa, Öl-Rübsen, B. rapa var. oleifera, Chinakohl, B. rapa var. pekinensis, Pak Choi, B. rapa var. chinensis, und Stängelkohl, B. rapa var. cymosa. Die im Herbst auswachsenden Formen, Speiserüben oder Weiße Rüben genannt, spielten im Mittelalter für die Grundernährung die gleiche Rolle wie heute die Kartoffel (Wohlgemuth & al. 2020). Im Osten Kanadas hat B. rapa lokal eingebürgerte Populationen gebildet, die sich selbst erhalten (Gulden & al. 2008).
 
Im Gebiet vielfach unbeständig auftretend. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1859 (Neilreich 1859, Glaser & al. 2025). Im Kanton Zürich aus 7 Quadranten zwischen Limmattal und Oberem Glatttal nachgewiesen. Für den Kanton Zürich als Archäophyt angegeben (Wohlgemuth & al. 2020). Subspontan u.a. auch seit 1866 in Dänemark (Seebens & al. 2017), seit 1948 in Island (Seebens & al. 2017) und in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Quelle

Al-Shehbaz I. A., Beilstein M.A. & Kellogg E.A. (2006): Systematics and phylogeny of the Brassicaceae (Cruciferae): An overview. Pl. Syst. Evol. 259: 89-120.

Arias T. & Pires J.C. (2012): A fully resolved chloroplast phylogeny of the brassica crops and wild relatives (Brassicaceae: Brassiceae): Novel clades and potential taxonomic implications. Taxon 61(5): 980-988.

Baumgartner W. (1973): Die Adventivflora des Rheinhafens Basel-Kleinhüningen in den Jahren 1950-1971 - Bauhinia 5: 21-27.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Christiansen D.N. (1928): Die Adventiv- und Ruderalflora der Altoner Kiesgruben und Schuttplätze – Schriften der Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein 18(2): 350-462.

Conert H. J., Hamann U., Schultze-Motel W. & Wagenitz. G. (1986): in Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band IV, Teil 2, 3.Auflage – Paul Parey-Verlag, Berlin und Hamburg. 598 S.

Drenckhahn D. (2016): Vorkommen des Atlantischen Wildkohls (Brassica oleracea L. subsp. oleracea) an den Kreidefelsen der Ostseeinsel Rügen, Deutschland. – Forum geobotanicum 7: 18 – 26.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2011): Taschenlexikon Deutschlands und angrenzender Länder. 7. korr. u. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 932 S.

FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.

FloraFaunaSüdtirol (2023): Artenabfrage – Naturmuseum Südtirol FloraFaunaSüdtirol - FloraFaunaAltoAdige - powered by mapAccel

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Gulden R.H., Warwick S.I. & Thomas A.G. (2008) The Biology of Canadian Weeds. 137. Brassica napus L. and B. rapa. Can. J. Plan Sci. 88: 951-996.

Hamburger I. (1948): Zur Adventivflora von Graz. – Unveröff. Diss., Univ. Graz.

Hand R., Reichert H., Bujnoch W., Kottke U. & Caspari S. (2016): Flora der Region Trier – 2 Bände, Verlag Michael Weyland, Trier. 1634 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Höck F. (1894): Ranales und Rhoedales des norddeutschen Tieflandes – Deutsche Botanische Monatszeitschrift 12(1): 121-129.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.



Jalas J., Suominen J. & R. Lampinen R. (1996): Atlas Florae Europaeae 11 – Cruciferae (Ricotia to Raphanus). Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 310 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kneucker A. (1884): Zur Karlsruher Flora – Mitteilungen des Botanischen Vereins für den Kreis Freiburg und das Land Baden 11: 101-105.

Koelle J.L.C. & T.C. Ellroth (1798): Flora des Fürstenthumes Bayreuth, 354 Seiten.

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 1 – Springer Verlag Basel. 711 S.

Loos G. H. (1997): Neophytische Kulturflüchtlinge im Stadtzentrum von Kamen/Westfalen – Decheniana 150: 5-26.

Lüthi R. (2018): Flora des Oberbaselbiets 2012−2015, Östlicher Teil des Kantons Basel-Landschaft, Schweiz, Verlag Basel-Landschaft, 848 S.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Misskampf R. & W. Züghart (2000): Floristisch-ökologische Untersuchung der Spontanflora in Bremer Häfen unter besonderer Berücksichtigung der anthropochoren Pflanzen – Bibliotheca Botanica Heft 150

Neilreich A. (1859): Flora von Nieder-Oesterreich. — Wien.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol Band 16.

Pehr F. (1932): Die Ruderalflora von Villach. Carinthia II 121–122/41–42: 12–17.

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596. [sehr ausführlich und genau]

Poppendieck H.H., Bertram H., Brandt I., Engelschall B. & Prondzinski J. (2011): Der Hamburger Pflanzenatlas - Dölling und Galitz Verlag München · Hamburg, 568 S.

Pratt S. (2017): Firm eager to ride the canola train with carinata – The Western Producer.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Radler D. & Punz W. (1999): Gewerbe- und Industriebrachen in Wien – Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 136: 249 – 263.

Scheuermann R. (1930): Mittelmeerpflanzen der Güterbahnhöfe des rheinisch-westfälischen Industriegebiets – Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westfalen 86: 122.

Schube T. & K.W.V. Dalla Torre (1900): Bericht der Commission für die Flora von Deutschland 1896-1898. I. Phanerogamen – Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft 18: 3-72.

Sebald O., Seybold S. & G. Philippi (1990): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 2: Hypericaceae bis Primulaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.


Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Smettan H.W. (2015): Subspontan und spontan wachsende Nutzpflanzen auf den Fildern/Württemberg - Jh. Ges. Naturkde. Württemberg 169: 235–261.

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Hohla M. & Schröck C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.

Thellung A. (1906): Die Gattung Lepidium. Eine monographische Studie – Neue Denkschrift der allgemeinen schweizerischen Gesellschaft für die gesamten Naturwissenschaften XLI(1): 1-340.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1910): Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen und der Pfalz nebst den selteneren einheimischen Blütenpflanzen und den Gefäßkryptogamen – Pollichia 26: 11-171.  

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.  

Zündorf H. J., Günther K. F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen – Weißdorn-Verlag Jena, 764 S.