Borago

Borretsch, Raublattgewächs, Boraginaceae

Gattung:

Borago umfasst etwa 5 Arten (Kew 2022), die im westlichen und zentralen Mittelmeergebiet beheimatet sind. Verbreitungsschwerpunkte sind Nordwest-Afrika und Sardinien.
 

Borago officinalis 

Borretsch,
Borago officinalis 
Raublattgewächs, Boraginaceae

 

Steckbrief:

20–70 cm hohe, stechend steifhaarige Einjährige mit fleischigem Stängel. Blätter lanzettlich bis elliptisch, mit gewelltem, unregelmäßig gezähntem Rand, plötzlich in einen geflügelten Stiel verschmälert, die unteren bis 15 cm lang. Kelchzipfel schmal-lanzettlich, 0,8−1,5 cm lang. Krone himmelblau, seltener lila oder weiß, mit kurzer Röhre und 5 flach ausgebreiteten, fein zugespitzten Zipfeln, 2–3 cm im Ø, Schlundschuppen vorstehend, weiß. Nach der Bestäubung wird die Krone abgeworfen. Blütezeit Mai bis Oktober.


 

Nutzung: 

Gewürz-, Zier-, Bienenweide- und Volksarzneipflanze. Beim Trocknen geht das Aroma verloren. Die Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide, weshalb von einem regelmäßigen Genuss abzuraten ist. Auch der Honig enthält diese PA´s, die von den Bienen über den Pollen in den Honig eingetragen werden.
 

Ausbreitung:

Urheimat sind Südspanien und das westliche Nordafrika, im übrigen Mittelmeergebiet aber schon lange eingebürgert. Nach Mitteleuropa gelangte der Borretsch im späten Mittelalter. Im 16. Jahrhundert wurde die Pflanze in Bauerngärten des Gebiets häufig angebaut.
Ausbreitungswege sind sowohl die Ausbringung mit Gartenauswurf, Selbstaussaat und die Ansaat von „Wildblumenmischungen“, wie beispielsweise von der Kiepenkerl-Saatmischung „Bienenfutterpflanzen einjährig“ (Kiepenkerl 2018).
Die Klausen tragen ein Eiweißanhängsel, weshalb sie von Ameisen eingesammelt und in ihren Bau verschleppt werden. Dort lösen sie dieses sogenannte Elaiosom ab und transportieren den unbeschädigten Samen wieder aus dem Bau.
Die Art tritt im Gebiet immer wieder vorübergehend auf, ohne Einbürgerungstendenzen zu zeigen.

 
DEUTSCHLAND:
Vielfach, aber durchwegs vorübergehend, so bei Leutkirch und Friesenhofen in Baden-Württemberg (Dörr & Lippert 2001), Sonthofen-Rieden, Wasserburg, Bösenreutin, Babenhausen, Sontheim und Kauferin in Bayern (Dörr & Lippert 2001), Berlin (Hand & Thieme 2023), in der Prignitz und mehrfach in Potsdam in Brandenburg (Fischer 2017, Buhr & al. 2016), Hamburg (Hand & Thieme 2023), Frankfurt am Main in Hessen (Lotz 1998, Hand & Thieme 2023), Malchin in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Niedersachsen (Hand & Thieme 2023), Augustdorf bei Detmold, Bochum-Stahlhausen und Herne in Nordrhein-Westfalen (Sonnenborn & Sonnenborn 2018, BBV 2011, BBV 2013), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023), Saarland (Hand & Thieme 2023), Grünbach, Gottesberg, Marieney, Adorf, Leipzig, Altlommatzsch, Dittmannsdorf, Steinbach, Rippien und Cotta in Sachsen (Breitfeld 2021, Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Naturhistorische Gesell. 2013) und Bilzingsleben und Esperstedt in Thüringen (Barthel & Pusch 1999, Hand & Thieme 2023). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte vor 1798 (Koelle & Ellrodt 1798).
ÖSTERREICH:
Vereinzelt und unbeständig in allen Bundesländern (Glaser & al. 2025), so etwa in Hartl bei Eisenstadt im Burgenland (Traxler 1958), Reichersberg und Obernberg am Inn in Oberösterreich (Hohla 2000), Neumarkt am Wallersee, Radstadt, St. Michael und Kuchl in Salzburg (Schröck & al. 2004, Pflugbeil & al. 2017), Hinterhornbach in Nordtirol (Dörr & Lippert 2004) und Hartmanngasse, Wienufer, Hüttelbergstraße und Hirschstetten in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1821 (Glaser & al. 2025). Auch in Südtirol.
SCHWEIZ:
Vielfach und vorübergehend, besonders im Gebiet des Genfer Sees, um Bern und Zürich, so bei Leimbach, Sihlhölzli, Zürichberg, Riedtli und Fluntern in Zürich (Infoflora 2023, Landolt 2001). Auch in Liechtenstein, so in Balzers (Waldburger & al. 2003).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), Belgien (Verloove 2021), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1866 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Barthel K.-J. & Pusch J. (1999): Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung – Ahorn-Verlag, Bad Frankenhausen, 465 S.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2011): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen im Bochum-Herner Raum (Nordrhein-Westfalen) in den Jahren 2007 und 2008 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 128–143.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2013): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen aus dem östlichen Ruhrgebiet im Jahr 2013- Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 5: 108–129.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Buhr Ch., Herrmann A., Nogatz T. & Kummer V. (2016): Beitrag zur Flora des Potsdamer Stadtgebietes V – Verh. Bot. Ber. Berlin-Brandenburg 149: 73–134.

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

Fischer W. (2017): Flora der Prignitz – Verhandlungen des Botanischen Vereins von Brandenburg und Berlin, Beiheft 8 – Natur & Text, 484 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hohla M. (2000): Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels und des angrenzenden Bayerns – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 9: 251–307.

 



Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kiepenkerl (2018): https://www.rasensamen-kaufen.de/kiepenkerl-bienenfutterpflanzen-einjaehrig-1-kg-samen.html

Koelle J.L.C. & Ellrodt, T.C. (1798): Flora des Fürstenthumes Bayreuth. 354 S., Bayreuth

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 2 – Springer Verlag Basel. 706 S.

Lotz A. (1998): Flora und Vegetation des Frankfurter Osthafens: Untersuchung mit Diskussion der verwendeten Analysekonzepte – Tuexenia 18: 417–449.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Naturhistorische Gesellschaft (2013): Flora von Helgoland, Stand 2013 - http://www.nhg-nuernberg.de/main.php?
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Pflugbeil G., Langer C., Moosbrugger K., Wittmann H. & Meindl H. (2017): Floristische Besonderheiten des Tennengaues und bemerkenswerte Funde aus anderen Teilen des Landes Salzburg (Österreich) – Mitt. Haus d. Natur, Salzburg 23: 53–74.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Schröck C., Stöhr O., Gewolf S., Eichberger C,. Nowotny G., Mayr A. & Pilsl P. (2004): Beiträge zur Adventivflora von Salzburg I. — Sauteria 13: 221–237.

Sonnenborn I. & Sonnenborn W. (2018): Die Flora der Truppenübungsplätze Senne und Stapel in den Jahren 1989 bis 2017 – LWL-Museum für Naturkunde Münster, 90. Band.

Traxler G. (1958): Die Flora des Leithagebirges und am Neusiedlersee – Burgenländische Heimatblätter 20: 63–73.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vierhapper F. (1887): Prodromus einer Flora des Innkreises in Oberösterreich. Teil 3 – Ried.

Waldburger E., Pavlovic V. & Lauber K. (2003): Flora des Fürstentums Liechtenstein – Haupt-Verlag Bern, 810 S.