Baccharis

Kreuzstrauch, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Baccharis umfasst etwa 431 Arten (Kew 2022). Alle sind in der Neuen Welt beheimatet, überwiegend im tropischen Südamerika. Wenige Arten werden in Europa als Ziersträucher kultiviert (Gardner 2000), aber nur in klimatisch günstigen Gebieten. Baccharis halimifolia gilt in Südwesteuropa und Teilen Australiens als invasiv (z.B. Westman & al. 1975).
 

Baccharis glutinosa

Klebrige Kreuzstaude,
Baccharis glutinosa (Syn.: B. pingraea)  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

Bis 150 cm hohe, horstig wachsende Staude mit drüsigen Stängeln und lanzettlichen, 5–13 cm langen, 0,8–3 cm breiten, kurz gestielten, drüsig-klebrigen Blättern. Blütenstände in dichter, endständiger, flacher, doldenartiger Anordnung. Blüten schmutzigweiß, Hüllblätter gelblichgrün bis braunpurpurn, Kronblätter weiß, 3,5–4 mm lang. Blütezeit Juli bis September.
 

Heimat:

Westliches Nordamerika und Südamerika. Die nordamerikanischen Pflanzen wurden lange Zeit als eigene Art B. douglasii geführt, bis Studien zeigten, dass es sich um nur eine Art handelt.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
1889 bis 1895 bei der Wollwäscherei Hannover-Döhren in Niedersachsen (Höck 1902, Hand & Thieme 2023) und ehemals Eisenach-Wilhelmstal in Thüringen (Haussknecht 1890, Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
 
Weitere Art:

Baccharis halimifolia

Der an der Ostküste Nordamerikas heimische Kreuzstrauch, Baccharis halimifolia, befindet sich seit spätestens 1683 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014), wurde im 18. Jahrhundert als Zierpflanze in Europa eingeführt und ab Anfang des 19. Jahrhunderts als Windschutz in Küstendünen gepflanzt (Verloove 2021). So hat er sich unter anderem an den Atlantikküsten Westeuropas eingebürgert. Die Art ist giftig für Mensch und Weidetiere, ihr Pollen kann Allergien hervorrufen (Nehring & Skowronek 2020). Für das Gebiet wird der Kreuzstrauch nur einmal genannt, nämlich 1909 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt. Subspontan u.a. seit 1947 auch in Belgien (Verloove 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024). Die größten Vorkommen in Europa liegen an den Küsten des Atlantiks von Nordspanien entlang der französischen Atlantikküste bis nach Belgien. Die Art dringt auch in Naturschutzgebiete ein, wie etwa im NSG „Baai van Heist“ in Belgien, wo versucht wird, die Bestände zu entfernen (Verloove 2021). In den Niederlanden wurde nur ein unbeständiges Vorkommen im Naturschutzgebiet Goedereede 2003 gefunden, welches später nicht mehr bestätigt werden konnte. Aus Großbritannien liegen nur zwei Einzelnachweise von der englischen Südküste vor. Auch an den Küsten des Mittelmeers kommt der Kreuzstrauch vor, so von Katalonien entlang der französischen Mittelmeerküste bis zur Po-Mündung in Italien (Fried & al. 2016).
Die Art wird als invasiver Neophyt in Australien und Europa bekämpft. Ein Projekt wurde etwa im spanischen Baskenland durchgeführt, wo der Kreuzstrauch in Brackwasserhabitaten der Flussmündungen große Bestände aufbaut, so etwa 300 Hektar im Biosphärenreservat Urdaibai, einem bedeutenden Feuchtgebiet Spaniens. Hier wird versucht, junge Pflanzen per Hand auszureißen. Ältere Sträucher werden abgeschnitten und die Schnittflächen mit Herbizid behandelt (Beteta & al. 2012). In Australien wird der Rostpilz Puccinia evadens zur biologischen Bekämpfung gegen den Kreuzstrauch eingesetzt (Cullen & al. 2012). Vorkommen in Ostaustralien gelten als invasiv, Kreuzstrauch-Dickichte nehmen hier Tausende von Hektar ein (Fried & al. 2016).
In der Europäischen Union ist die Anzucht und der Handel durch die Aufnahme in die Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung seit 2016 verboten (Nehring & Skowronek 2023).

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Beteta E., L. Oreja, A. Prieto & M. Rozas (2012): Life+ Project Estuaries of the Basque Country: control and elimination of Baccharis halimifolia L. in Urdaibai. NEOBIOTA: 7th European Conference on Biological Invasions, Pontevedra (Spain) 12-14 September 2012: Halting Biological Invasions in Europe: from Data to Decisions, Abstracts: 237-238.

Cullen J., M. Julien & R. McFadyen (2012): Biological Control of Weeds in Australia. Csiro Publishing

EU-Liste (2022): Unionsliste invasiver Pflanzenarten EU-Liste der invasiven Arten: Erweiterte Fassung 2022 - NABU

Fried G., L. Caño, S. Brunel, E. Beteta, A. Charpentier, M. Herrera, U. Starfinger & F. D. Panetta (2016): Monographs on Invasive Plants in Europe: Baccharis halimifolia L.. Botany Letters 163 (2): 127-153.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gardner M.F. (2000): Baccharis. In: Cullen J. & al. (eds.), The European Garden Flora, vol. 6. Cambridge University Press, Cambridge: 583.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm



Haussknecht K. (1890): Bericht der Commission für die Flora von Deutschland 1889. VII. Hercynisches Gebiet – Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft 8: 120-122.

Höck F. (1902): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, VII. Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 12: 211-234.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Mabberley D.J. (2008): Mabberley's plant-book (3. Auflage). Cambridge University Press, Cambridge: XVIII + 1021 S.

Nehring S. & S. Skowronek. (2020): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 –Zweite Fortschreibung 2019. –BfN-Skripten 574: 190 S.; Bonn-Bad Godesberg.

Nehring S. & S. Skowronek. (2023): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 - Dritte Fortschreibung 2022 (bsz-bw.de) BfN-Schriften 654-2023

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Westman W.E., Panetta F.N. & Stanley T.D. (1975): Ecological studies on reproduction and establishment of the woody weed, groundsel bush (Baccharis halimifolia L. Asteraceae). Austral. J. Agric. Res. 26(5): 855-870.

Zimmermann F. (1910): Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen und der Pfalz nebst den selteneren einheimischen Blütenpflanzen und den Gefäßkryptogamen – Pollichia 26: 11-171.