Astragalus

Tragant, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Astragalus, inkl. Astracantha, umfasst etwa 3063 Arten (Kew 2022) und zählt damit zu den artenreichsten Pflanzengattungen überhaupt. Die Gattung fehlt ursprünglich in Australien, Brasilien, Westafrika, Madagaskar und dem Malaiischen Archipel. Das Mannigfaltigkeitsgebiet reicht von Südwest-Asien bis China.
 

Astragalus falcatus

Sichel-Tragant,
Astragalus falcatus 
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

40–100 cm hohe Staude mit aufrechten, fein gefurchten, angedrückt behaarten Stängeln. Blätter 8−17 cm lang, unpaarig gefiedert mit 19–41 Blättchen, diese lanzettlich, 10–25 mm lang, oberseits kahl, unterseits zerstreut behaart. Blütentrauben lang-gestreckt, 8–12 cm lang, mit herabhängenden Blüten. Kelch zylindrisch oder glockig, 5 mm lang, dicht mit angedrückten schwarzen Haaren besetzt, Kelchzähne dreieckig oder linealisch-dreieckig, kürzer als die Kelchröhre. Krone weißlich, grünlich oder gelb, manchmal purpurn überlaufen. Fahne 10–12 mm lang, Flügel 9–11 mm lang. Hülsen 17–25 mm lang, 3,5–4 mm breit, sichelförmig gebogen, an der Spitze mit geradem, dünnem Schnabel. Blütezeit Mai bis Juni.  
Verwechslungsmöglichkeit: Der heimische Kicher-Tragant, Astragalus cicer, ist niederliegend bis aufsteigend, hat 17–25 Blättchen je Blatt und kugelig-eiförmige Hülsenfrüchte.
 

Nutzung:

Sehr selten als Futterpflanze.
 

Ausbreitung:

Im westlichen Russland, in Nordwest-Kasachstan und im Kaukasusgebiet beheimatete Art. Sehr selten aus der Kultur als Futterpflanze verwildert oder mit Saatgut eingeschleppt.
 
DEUTSCHLAND:
Sehr selten, so 1892 am Neckar bei Heidelberg in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hand & Thieme 2023), Berlin (Prasse & al. 2001), bei der ehemaligen Cambrai-Fritsch-Kaserne bei Darmstadt in Hessen (Jung 2016), im Steinbruch am Fuß der Bosel bei Sörnewitz nahe Meißen in Sachsen wahrscheinlich aus dem Boselgarten entflohen (Müller & Blau 2017) und 1899 bei Erfurt in Thüringen (Torges 1892, Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH: 
Sehr selten, so 2022 in einem aufgelassenen Steinbruch in Kleindurlas bei Michelbach nahe Hainfeld in Niederösterreich (Baldinger 2022) und ehemals am Ottakringer Friedhof in Wien (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. 1986 auch in Schweden (Seebens & al. 2017).

 
Weitere Arten:

Astragalus baionensis

In Frankreich, ehemals auch in Spanien, ist der Bayonner Tragant, Astragalus baionensis, beheimatet. Im Gebiet trat er sehr selten unbeständig auf, so 1900 für Speyer in Rheinland-Pfalz angegeben (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2023).
 

Astragalus boeticus

Im weiten Mittelmeergebiet von den Kanaren bis in den Nordiran ist der unscheinbare Kaffee-Tragant, Astragalus boeticus, beheimatet. Seine Samen wurden geröstet als Kaffeesurrogat verwendet, das Getränk daraus war der „Stragelkaffee“. Besonders zur Zeit der Kontinentalsperre war die Pflanze als Kaffeeersatz in Gebrauch. Ende des 19. Jahrhunderts erlosch die Kultur der Pflanze, die im Gebiet sehr selten und vorübergehend subspontan auftrat, so 1940 am Güterbahnhof Ulm in Baden-Württemberg (Müller 1950, Hand & Thieme 2023), in Hessen (Hassler & Muer 2022), 1925 bis 1927 im Düsseldorfer Hafen in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Scheuermann 1930, Hand & Thieme 2023), 1898 in einem Kleeacker bei Ladenburg in Rheinland-Palz (Hegi 1975), ehemals Leipzig in Sachsen (Fiedler 1936) und 1916 am Güterbahnhof Zürich (Hegi 1975). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Astragalus crenatus

Von Nordafrika bis Kasachstan ist der Gekerbte Tragant, Astragalus crenatus (inkl. A. cruciatus) beheimatet.
 
Im Gebiet eingeschleppt konnte er 1923 in Hamburg-Altona (Christiansen 1928, Hand & Thieme 2023) und 1927 und 1928 im Düsseldorfer Hafen in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2023) gefunden werden.

Astragalus filicaulis

Der Dünnstängelige Tragant, Astragalus filicaulis (Syn.: A. rytilobus), ist in Zentralasien vom Iran bis China beheimatet.
 
Er wird im Gebiet 1956 für die Wollkämmerei Leipzig in Sachsen subspontan angegeben (Gutte 2006, Hand & Thieme 2023).

Astragalus galegiformis

Im weiten Kaukasus-Gebiet ist der Geißrauten-Tragant, Astragalus galegiformis, beheimatet. 
Im Gebiet ist er sehr selten aufgetreten, so 1883 als Gartenflüchtling in einem Weinberg bei Heidelberg in Baden-Württemberg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), 1904 bei Erfurt in Thüringen (Reinecke 1914, Hand & Thieme 2023) und 1977 bei Großhöflein nahe Eisenstadt im Burgenland (Gutermann 2018). Eine Angabe für Hessen ist laut deutscher Florenliste (Hand & Thieme 2023) irrig.
 

Astragalus hamosus

Der mediterran-südwestasiatische Haken-Tragant, Astragalus hamosus, tritt im Gebiet sehr selten verschleppt auf. 
So in Bad Briel bei Wangen in Baden-Württemberg (Dörr & Lippert 2004), 1902 in Hamburg-Bahrenfeld (Pieper 1903, Hand & Thieme 2023), 1926 und 1927 am Güterbahnhof Dortmund-Süd und ehemals im Düsseldorfer Hafen in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Scheuermann 1930, Hand & Thieme 2023), ehemals Leipzig in Sachsen (Fiedler 1936, Hand & Thieme 2023), 1912 bei Tübach im Kanton St. Gallen, 1915 in Solothurn und 1917 am Güterbahnhof Zürich (Hegi 1975, Thellung 1919). Subspontan u.a. 1893 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021) und in England (Hegi 1975). In Australien seit 1932 subspontan (Seebens & al. 2017)
 

Astragalus juvenalis

Der Port Juvenal-Tragant, Astragalus juvenalis (Syn.: A. ujalensis), wurde 1830 im Port Juvenal bei Montpellier gefunden. Beheimatet ist er allerdings in Kasachstan. Adventiv wird er 1906 für den Friedhof Mannheim in Baden-Württemberg angegeben (Höck 1910). Die Angabe ist aber laut deutscher Florenliste (Hand & Thieme 2023) irrig.
 

 

Astragalus membranaceus

Von Sibirien bis zum Fernen Osten ist der Mongolische Tragant, Astragalus membranaceus (Syn.: A. mongholicus), beheimatet. Er wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin genutzt, findet sich aber auch in Arzneimitteln der Schulmedizin wie in Kapselform in den Mitteln Allvent® und Lectranal®. 
Die Art wird subspontan im Gebiet 1903 für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023 sub A. mongholicus).
 

Astragalus odoratus

Von Nordmazedonien bis Kasachstan ist der Duft-Tragant, Astragalus odoratus, beheimatet, der im Gebiet 1883 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg angegeben wird (Höck 1910, Hand & Thieme 2023).
 

Astragalus ponticus

Um das Schwarze Meer ist der Pontische Tragant, Astragalus ponticus, beheimatet, der in Schweden subspontan gefunden wurde. Im Gebiet 1901 für den Hafen von Mannheim in Baden-Württemberg (Zimmermann 1907, Hand & Thieme 2023) und 1961 für Berlin-Grunewald (Scholz & Sukopp 1965, Hand & Thieme 2023) angegeben.
 

Astragalus sesameus

Mediterran ist der Sesamfrüchtige Tragant, Astragalus sesameus, der im Gebiet sehr selten und unbeständig 2008 im Bahngelände des Bahnhofs Bamberg in Bayern auftrat (Meierott & al. 2024)
und 1922 für Hamburg-Altona (Christiansen 1928, Hand & Thieme 2023) und 1903 für den Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben wird (Zimmermann 1907, Hand & Thieme 2023).
 

Quellen

Baldinger J. (2022): Fabaceae sp. – Ergänzung: Astragalus falcatus in Forum Flora Austria - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=3635&hilit=astragalus+falcatus

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Christiansen D.N. (1928): Die Adventiv- und Ruderalflora der Altoner Kiesgruben und Schuttplätze – Schriften der Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein 18(2): 350-462.

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

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Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

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