Arundo

Pfahlrohr, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Arundo umfasst etwa 5 Arten (Kew 2022) in Asien, Nordafrika und Südeuropa.
 

Arundo donax 

Pfahlrohr,
Arundo donax 
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

2–5 m hohe, halbimmergrüne, an Schilf erinnernde, blaugrüne Staude mit bis zu 3 cm dicken Halmen, diese mit mehr als 20 Knoten und reich beblättert. Blätter bis über 50 cm lang, 2–6 cm breit, am Grund gerundet und geöhrt, allmählich zugespitzt, rau. Blatthäutchen ca. 2 mm lang, bewimpert. Blütenstand eine 30–50 cm lange, dichte, spindelförmige Rispe mit seidigem Glanz. Ährchen 2–5-blütig, 8–16 mm lang. Deckspelzen kürzer als die Hüllspelzen, dreispitzig, bis 10 mm lang, seidig behaart. Blütezeit August bis November, im Gebiet meist nicht blühend.
 

Nutzung:

Ziergras, anderenorts auch als Energiepflanze, Windschutzhecke, Stützpflanze, Erosionsschutz, Tierfutter, Flechtmaterial und zur Herstellung von Holzblasinstrumenten, Terrassendächern und Körben. In der Gartengestaltung werden meist die panaschierten Sorten `Variegata´ oder `Aureovariegata´ eingesetzt.
 

Ausbreitung:

Die Heimat der Art ist aufgrund ihrer langen Kultur ungewiss, wahrscheinlich ist es Südasien, genauer Pakistan und Afghanistan. Möglicherweise ist die Pflanze bereits im Altertum ins östliche Mittelmeergebiet eingeführt worden. In gärtnerischer Kultur findet sie sich seit spätestens 1635 (Jäger & al. 2008). In Nordamerika fand man sie 1820 erstmals in Kalifornien subspontan, von wo aus sie sich rasch ausbreitete. Sie hat sich hier durch Anpflanzungen zur Erosionssicherung und zur Grenzmarkierung etabliert und sich von da aus in natürliche Ökosysteme ausgebreitet. In den USA wird sie heute als invasive Art bekämpft, problematisch sind vor allem die Vorkommen in Kalifornien, Texas und Nevada. Das Pfahlrohr vermehrt sich in seinen neuen Verbreitungsgebieten hauptsächlich vegetativ über Rhizome, so auch im Gebiet, wo sie meist nicht zur Blüte kommt und auf die vegetative Vermehrung angewiesen ist. Rhizom- wie auch Stängelfragmente mit mindestens einem Knoten genügen, um neue Individuen zu begründen.
Die Art zählt zu den 100 schlimmsten invasiven gebietsfremden Arten der Welt, inklusive Viren (IUCN 2013). Dort heißt es: „Riesenschilf (Arundo donax) dringt in Ufergebiete ein, verändert die Hydrologie, den Nährstoffkreislauf und das Feuerregime und verdrängt einheimische Arten. Bei einigen invasiven Arten sind lange "Verzögerungszeiten" zwischen der Einschleppung und der Entwicklung negativer Auswirkungen dokumentiert. Die Entwicklung von Riesenschilf als Problem in Kalifornien könnte mehr als 400 Jahre gedauert haben. Die Gelegenheit, diese Art zu kontrollieren, bevor es zu einem Problem wird, sollte genutzt werden, da es nach einer etwaigen Etablierung schwierig wird“ (IUCN 2013).

 
DEUTSCHLAND:
Sehr vereinzelt, so in Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014), ehemals zwischen Stöbritz und Willmersdorf in Brandenburg (Reichenbach 1842), um 2015 zwischen Ludwigshafen-Oggersheim und Ludwigshafen-Ruchheim in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2016, Hand & Thieme 2023) und Sachsen-Anhalt (Hassler & Muer 2022). In der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) wird die Fundangabe für Brandenburg als fraglich angesehen. Bei der Angabe von Junghans (2019) für Paderborn in NRW inkl. Bilddokumentation dürfte es sich um eine Miscanthus-Art handeln.
ÖSTERREICH:
Sehr selten, so bei Breitenbrunn und Podersdorf im Burgenland (Nadler 2020), 2012 in Brunning bei Mauerkirchen in Oberösterreich (Hohla 2014) und im Flachgau Salzburgs (Pflugbeil & Pilsl 2013). Bei der Pflanze in Brunning, Gemeinde Mauerkirchen, handelte es sich um die Sorte ‘Variegata’, eine Sippe mit hell gestreiften Blättern. Das Vorkommen ist vermutlich durch das Aufschütten von Gartenerde und das anschließende Planieren der Lagerfläche entstanden (Hohla 2022). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2002 (Glaser & al. 2025). In Südtirol bei Bozen am Flussufer des Eisacks und bei Meran (Wilhalm & al. 2007, Conert 1998).
SCHWEIZ:
Vereinzelt, aber in Zunahme begriffen. U.a. in den Kantonen Bern, Freiburg, Genf, Graubünden, Solothurn, Tessin, Waadt und Zürich (Bellosi & al. 2011, Infoflora 2023), so etwa 1997 und 2005 bei Sood und Adliswil, 2011 bei Embrach und in Altikon-Feldi im Kanton Zürich (Landolt 2001, Wohlgemuth & al. 2020). Welche Angaben sich in Infoflora (2023) auf kultivierte und welche auf subspontane Vorkommen beziehen, ist nicht bekannt. Unter Verbreitung steht: Kultiviert und im TI und MW gelegentlich verwildert.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1880 in Bosnien-Herzegowina (Seebens & al. 2017), seit 1860 in Slowenien (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 2004 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012). In den USA, insbesondere in Kalifornien und entlang des Rio Grande in Texas und in Nordmexiko lokal invasiv, hier wird sie bekämpft.

 

Quellen

Bellosi B., Selldorf P. & Schoenenberger N. (2011) Exploring the Flora on Inert Landfill Sites in Southern Ticino (Switzerland). Bauhinia 23: 1-15. [http://botges.unibas.ch/pdf/bauhinia23(2011)01-15.pdf]

Conert H.J. (Hrsg.) (1998): in Hegi Gustav., Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 1 (Teil 3, Poaceae), 3. Neubearbeitete Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg


FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Bildatlas der deutschen Flora. Mit Artbeschreibungen von Thomas Meyer. Unter Mitarbeit zahlreicher Spezialisten und Revisoren. - Band 1 und Band 2, zus. 1712 S., Ubstadt-Weiher.

Hohla M. (2014): Hystrix patula – neu für Österreich, sowie weitere Beiträge zur Flora von Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Vorarlberg – Stapfia 101: 83–100.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

IUCN (2013): 100 of the World's Worst Invasive Alien Species - GISD (iucngisd.org)

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Junghans T. (2014): Ausmaß und Dynamik der Verwilderung von Zierpflanzen am Beispiel von Mannheim – Berichte aus den Arbeitskreisen – Pollichia-Kurier 30/4: 6–9.

 



Junghans T. (2019): Rasselblume & Co. – Ausbreitung mediterraner Arten im Raum Paderborn als Folge der Klimaerwärmung? – Natur u. Heimat 79(4): 121 – 132.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science


Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 1 – Springer Verlag Basel. 711 S.

Lorek M. 2016: Arundo donax. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/arundo-donax.html

Mazomeit T. (2016): Das Pfahlrohr (Arundo donax L.) – ein neuer potenzieller Neophyt für die Pfalz? - Pollichia-Kurier 32(1): 12 – 13.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Nadler K. (2020): Arundo donax in Österreich - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=1974&p=9185#p9185

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten – Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Reichenbach H.G.L. (1842): Flora Saxonica. Die Flora von Sachsen. Dresden und Leipzig. 552 Seiten.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Wilhalm T., Hilpold A., Stockner W. & Tratter W. (2007): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (4): Ergebnisse der floristischen Kartierung – Gredleriana 7: 99–126.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.