Aronia

Apfelbeere, Rosengewächs, Rosaceae

Gattung:

Aronia umfasst 2 Arten (A. arbutifolia u. A. melanocarpa) im östlichen Nordamerika (Kew 2022).
 

Aronia melanocarpa  

Schwarze Apfelbeere,
Aronia melanocarpa  
Rosengewächs, Rosaceae

 

Steckbrief:

1−2,5 m hoher, breitwüchsiger, sommergrüner Strauch mit grauer, glatter Rinde. Blätter elliptisch bis breit-lanzettlich, 7–9 cm lang und bis 3–4 cm breit, dunkelgrün, Herbstfärbung rot. Blüten weiß, duftend, fünfzählig, in endständigen, aufrechten, vielblütigen und schirmtraubigen Blütenstände. Früchte rundlich, schwarz, glänzend. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Heimat:

Nordöstliche USA.
 

Nutzung:

Häufig als Nahrungs- und Arzneipflanze kultiviert, auch als Lebensmittelfarbstoff für die Lebensmittelindustrie. In mehreren Sorten wie `Hugin´ (etwa 1992) oder `Autumn Magic´ (1996). Aufgrund ihres hohen Flavonoid-, Folsäure- und Vitamingehaltes gilt die Apfelbeere in mehreren Staaten als Heilpflanze. In vitro wurde nachgewiesen, dass das Fruchtextrakt von Aronia melanocarpa den oxidativen Stress, hervorgerufen durch Operation oder in verschiedenen Phasen der Chemotherapie dank seiner antioxidativen Wirkung reduziert (Kedzierska & al. 2012). Im Jahr 2019 wurden in Österreich auf einer Fläche von 537 Hektar rund 1560 Tonnen Früchte geerntet (Statistik Austria 2019). Die Art ist salzverträglich und windfest (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Die Aronia ist seit etwa dem Jahr 1700 in Kultur (Bärtels & Schmidt 2014) und kam um das Jahr 1900 nach Russland, wo der ernährungsphysiologische Wert der Früchte erstmals erkannt wurde. Die obstbauliche Nutzung begann durch den russischen Biologen und Obstzüchter Iwan Mitschurin (1855−1935), dessen Heimatstadt Koslow noch zu seinen Lebzeiten ihm zu Ehren in Mitschurinsk umbenannt wurde. Mitschurin kreuzte die Apfelbeere mit anderem Obst wie Ebereschen und Mispeln. In den 1950er-Jahren kamen die Früchte schließlich über die Balkanhalbinsel nach Mitteleuropa. Gegenwärtig wird die Apfelbeere auch in Mitteleuropa großflächig kultiviert.
 
DEUTSCHLAND:
1956 subspontan in Berlin-Grunewald (Scholz & Sukopp 1960).
ÖSTERREICH:
Tattendorf in Niederösterreich (Till 2015) und bei Lengberg im Lienzer Becken in Osttirol (Stöhr 2023).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Sippen:

Aronia arbutifolia

Aus dem östlichen Nordamerika stammt die Rotfrüchtige Apfelbeere, Aronia arbutifolia. Sie ist in Europa in St. Petersburg seit spätestens dem Jahr 1700 in Kultur und wird für Niedersachsen subspontan angegeben (Breitfeld & al. 2021). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Aronia (×)prunifolia

Die Pflaumenblättrige Apfelbeere, Aronia (×)prunifolia (Syn.: A. floribunda), eine artgewordene Hybride aus Rotfrüchtiger A., A. arbutifolia und Schwarzer A., A. melanocarpa, wird in den letzten Jahrzehnten verstärkt kultiviert. Sie hat größere, schmackhaftere Früchte als ihre Elternarten (Böhlmann 2009) und wird in mehreren Sorten wie `Viking´ (etwa 1980), `Nero´ (um 1970) oder `Serina´ (vor 1988) gezogen.
 
Seit 1968 im Gebiet vereinzelt verwildert, so in Niedersachsen (Hand & Thieme 2023), Possendorf und Kautzsch in Sachsen (Hardtke & al. 2013) und 2022 beim Naturschutzgebiet Gotteskoog bei Uphusum in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023). In Österreich 2024 in einer Straßenfuge in der Schlossstraße in Ramingstein im Salzburger Lungau (pers. Mitt. von Peter Pilsl am 8. Okt. 2025). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und in den Niederlanden (FLORON 2021).

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Böhlmann D. (2009): Hybriden bei Bäumen und Sträuchern – Wiley-Vch-Verlag, Weinheim, 326 S.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/ AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.



Hegi G. (1995): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 4 (Teil 2B), 2. Aufl., Blackwell, Berlin, Wien: 13-242.

Kedzierska M., B. Olas, B. Wachowicz, R. Glowacki, E. Bald, U. Czernek, K. Szydłowska-Pazera, P. Potemski, J. Piekarski & A. Jeziorski (2012): Effects of the commercial extract of aronia on oxidative stress in blood platelets isolated from breast cancer patients after the surgery and various phases of the chemotherapy - Fitoterapia 83: S. 310–317.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Scholz H. & H. Sukopp (1960): Zweites Verzeichnis von Neufunden höherer Pflanzen aus der Mark Brandenburg und angrenzenden Gebieten – Verhandlungen des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 98/100: 23-49.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Statistik Austria (2019): Obsternte 2019 aus Erwerbsobstanlagen. In: statistik.at

Stöhr O. (2023): Unbekanntes Gehölz aus Lengberg - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=4&t=3957

Till W. (2015): Virtual Herbaria JACQ – Aronia melanocarpa – https://herbarium.univie.ac.at

Verloove V. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be