Zinnia

Zinnie, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Zinnia umfasst etwa 23 amerikanische Arten (Kew 2023) mit Mannigfaltigkeitszentrum in Mexiko.
 

Zinnia elegans

Garten-Zinnie,
Zinnia elegans
(Syn.: Z. violacea)
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

Bis 80 cm hohe Einjährige mit gegenständigen, lanzettlich-dreieckigen, am Grund herzförmigen, ganzrandigen, rau behaarten Blättern und unten abstehend, oben anliegend behaartem Stängel. Körbchen einzeln, bis zu 15 cm lang gestielt. Zungenblüten 8−20, bis 35 mm lang, schmal oval, an der Spitze mit drei kurzen Zähnen. Blüten der Wildform purpurrot, Sorten in zahlreichen weiteren Farben. Röhrenblüten meist orangegelb, mit 5 dreieckigen Kronzipfeln. Pappus fehlend. Blütezeit Juli bis Oktober.
 

Name:

Zu Ehren des deutschen Botanikers und Anatoms Johann Gottfried Zinn (1727–1759) benannt. Zinn war Professor der Botanik und Direktor des Botanischen Gartens Göttingen in Nachfolge von Albrecht von Haller. Er befasste sich ausführlich mit der Anatomie des menschlichen Auges, schrieb darüber und wird noch heute in der Augenmedizin geehrt. Sein Hauptwerk war die 1755 erschienene erste vollständige und ausführliche Darstellung der Anatomie des menschlichen Auges in der gesamten Weltliteratur. Gewahrt wird sein Andenken vor allem durch die anatomischen Bezeichnungen Zonula ciliaris Zinnii und den Circulus arteriosus sclerae, den Zinn-Hallerschen Gefäßkranz. Als Botaniker dokumentierte Zinn als Erster den zirkadianen Rhythmus der Gartenbohne. Er konstruierte einen Hebelmechanismus, der an einem Blatt befestigt war. Senkte sich das Blatt, so wurde auf einer Walze eine nach oben gerichtete Linie aufgezeichnet. Hob sich das Blatt wieder, so wies die Linie auf der Walze nach unten. In den ersten drei Tagen des Versuchs wurde die Pflanze im zwölfstündigen Rhythmus dem Sonnenlicht ausgesetzt, ab dem vierten Tag stellte er die Pflanze in völlige Dunkelheit. Dennoch wurde auf der Walze unbeirrt ein weiteres Auf und Ab gezeichnet. Damit hatte Zinn bewiesen, dass die Pflanze ihre Bewegungen ohne Einfluss des Lichtes aus sich selbst heraus veranlasst.
Zinn akzeptierte das Linnésche System nicht, so lautete z.B. seine Beschreibung einer Pflanze 'Rudbeckia foliis oppositis hirsutis ovato-acutis, calya imbricatus, radii petalis pistillatis'. Linné erkannte, dass es sich nicht um eine Rudbeckia handelte und gab der Pflanze den Namen Zinnia pauciflora (Burkhardt 2018). Zinn beschrieb u.a. 1757 die Orchideengattung Epipactis.

 

Heimat:

Zentrales Mexiko.
 

Nutzung:

Häufig und in vielen Sorten in Blumenrabatten, Bauerngärten und ähnlichen Grünflächen gezogen.
 

Ausbreitung:

Die Art wurde 1789 in Tixtla im mexikanischen Bundesstaat Guerrero von Martín Sessé y Lacasta (1751−1808) und José Mariano Mociño Suárez Lozano (1757−1820) gesammelt. 1790 erreichte sie Europa, wo eine rotblühende Form 1792 in Wien beschrieben wurde. 1796 erhielt der Botanische Garten Madrid eine violett blühende Form. Die leicht über Samen zu vermehrende Art wurde rasch eine beliebte Gartenpflanze, da sie von einer Mutterpflanze ausgehend, verschiedenfarbige Blüten ausbilden kann. 1856 wurde in Frankreich eine gefüllte Form ausgelesen. Zusätzliche Sorten entstanden wahrscheinlich durch Einkreuzung anderer Zinnien-Arten, so etwa von Z. angustifolia. Die Profusion-Serie, zu der sowohl einfache als auch gefüllt blühende Formen gehören, züchtete Sakata in Japan und gehört heute zu den gängigsten Sortengruppen.
 
DEUTSCHLAND:
Unbeständig, so Mannheim in Baden-Württemberg (Buttler & Stieglitz 1976), 2006 auf einer Schüttung bei Gundelsheim in Bayern (Meierott 2008), 1908 in Hamburg-Bahrenfeld (Christiansen 1928, Hand & Thieme 2024), Osnabrück-Wüste und Hafen von Osnabrück in Niedersachsen (Weber 1995, Hand & Thieme 2024), Köln-Worringen in Nordrhein-Westfalen (BBV 2016), als Maisackerbeikraut in Wohlhausen in Sachsen (Breitfeld 2017), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024) und Saaleufer bei Jena-Maua in Thüringen (Schönfelder in: Breitfeld & al. 2021).
ÖSTERREICH:
2025 in Tribuswinkel in Niederösterreich (Sauberer & al. 2025), 2003 auf einer Schotterabbaustelle in Wirglau, Gemeinde Waldzell, 2019 in Gerhargen, Gemeinde Lambrechten und ebenfalls 2019 in Ort im Innkreis in Oberösterreich (Hohla 2006, Hohla 2022), Laufenstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008) und 2020 in einer Pflasterritze in der Antonie-Alt-Gasse im Sonnwendviertel in Wien (Baldinger 2020, Baldinger in: Gilli & al. 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2002 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Sehr vereinzelt, so früher in Solothurn, bei Lugano im Tessin und in Zürich (Voigt 1926, Infoflora 2024). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. 2011 und 2015 in Belgien (Verloove 2021), in Italien (Galasso & al. 2024) und Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 

Quellen

Baldinger J. (2020): Zinnia elegans verwildert im Wiener Sonnwendviertel - http://forum.flora-austria.at/posting.php?f=10&mode=reply&t=2551&sid=
b3ff6d2458ec9cf9433444f5430bc5f8

Breitfeld M. (2017): Über einige erwähnenswerte Funde in Westsachsen. Besonders im Gebiet der Westabdachung des Erzgebirges in den Jahren 2014–2016 - Sächsische Floristische Mitteilungen 19: 3 – 14.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Buttler K. P. & W. Stieglitz (1976): Floristische Untersuchungen im Meßtischblatt 6417, Mannheim Nordost – Beiträge zur naturkundlichen Forschung in Südwestdeutschland 35: 9-51.

Christiansen D.N. (1928): Die Adventiv- und Ruderalflora der Altoner Kiesgruben und Schuttplätze – Schriften der Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein 18(2): 350-462.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gilli C., C. Pachschwöll & H. Niklfeld (2021): Floristische Neufunde (430-508) – Neilreichia 12: 291-400.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.

 



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