Anthoxanthum aristatum
Grannen-Ruchgras,
Anthoxanthum aristatum (Syn.: A. puelii)
Süßgras, Poaceae
Steckbrief:
5−30 cm hohe, büschelige Einjährige ohne sterile Sprosse. Blätter bleichgrün, flach, kahl oder behaart. Halme auch oben verzweigt. Deckspelze des unteren fruchtbaren Blütchens rundlich-eiförmig, kürzer als die beiden anderen, kahl, die 2 unteren Hüllspelzen mit Stachelspitze, die mittlere lang begrannt. Ähren locker stehend, 1−2 cm lang. Blütezeit Mai bis Juni.
Heimat:
Mittelmeergebiet von Madeira bis Anatolien und in Südwest-Europa.
Nutzung:
Keine.
Ausbreitung:
Anthoxanthum aristatum gehört zu den Arten, die durch Feldzüge verbreitet wurden. Sie wurde wahrscheinlich in den Napoleonischen Kriegen von Frankreich aus eingeschleppt, ist aber erst um 1850 in Nordwestdeutschland bemerkt worden, dann aber stellenweise mit Massenvorkommen. Aus Holland war sie bereits 1843 bekannt, in Südschweden 1864 und in Dänemark 1872 (Conert 1998). Von der Lüneburger Heide aus breitete sie sich in aller Richtungen aus und wurde 1866 in Hamburg, um 1880 in Oldenburg, 1894 auf Borkum, auf Amrum 1899, auf Sylt 1913 und 1866 in Hannover festgestellt (Conert 1998). Wegen der allgemeinen Eutrophierung der nährstoffarme Standorte liebenden Art danach wieder zurückgegangen (Düll & Kutzelnigg 2022).
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern, im nördlichen Tiefland großflächig eingebürgert (FloraWeb 2020), in Brandenburg seit 1877 bekannt (Conert 1998, Hand & Thieme 2023), in Mecklenburg seit 1883 (Conert 1998, Hand & Thieme 2023), in Hessen um 1888 (Conert 1998, Hand & Thieme 2023), in Ostwestfalen seit 1908 (Lienenbecker 1998 sub A. puelii, Hand & Thieme 2023), auch im Süden regional eingebürgert, so am Karlsruher Flugplatz und auf Sandbrachen in einem Industriegelände bei Forchheim in Baden-Württemberg (Hassler 2021) und auf Sandäckern um Dechsendorf, Röttenbach und bei Stockstadt am Untermain in Bayern (Lippert & Meierott 2018). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1871 am Bahnhof Dutzendteich (Schwarz 1897−1912, Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Lokaler Neubürger, so bei Unterfrauenhaid, Lackendorf und Weppersdorf im Burgenland (Walter & al. 2002, Melzer & Barta 1997, Glaser & al. 2025), ehemals im Kesselbachtal im Innviertel Oberösterreichs (Kubát 1996, Glaser & al. 2025) und Frachtenbahnhof Graz in der Steiermark (Melzer 1958, Fischer & al. 2008). In Nordtirol ehemals in Völs bei Innsbruck (Dalla Torre & Sarnthein 1909, Murr 1923, Glaser & al. 2025) und ehemals Feldkirch und Gisingen in Vorarlberg (Janchen 1960, Walter & al. 2002 sub A. puelii). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1952 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Sehr selten und unbeständig am Thuner See im Kanton Bern und in Solothurn (Infoflora 2023).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1883 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1931 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012). In Polen lokal ein Problemunkraut in Roggenfeldern (Sukopp 1994).