Zea

Mais, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Die Gattung umfasst etwa 7 Arten (Kew 2023) in Mittelamerika und Mexiko. Die Wildformen der Gattung Zea werden unter dem Namen Teosinte zusammengefasst und wurden früher aufgrund der andersartig erscheinenden Blütenstände in eine eigene Gattung Euchlaena gestellt. Es hat sich aber herausgestellt, dass der Mais aus den früher als Euchlaena mexicana zusammengefassten Teosinte-Formen entstanden ist, insbesondere aus der erst 1980 beschriebenen Unterart Zea mays subsp. parviglumis und zu einem geringeren Anteil aus Zea mays subsp. mexicana. Diese Wildformen sind heute noch in Mexiko und Guatemala zu finden.
 

Zea mays

Mais,
Zea mays,
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

Bis 2,5 m hohe Einjährige mit lanzettlichen, bis 80 cm langen und 12 cm breiten Blättern und massiven, 2−6 cm starken Stängeln. Weibliche Blüten in Kolbenform an kurzen Seitenästen des Halms, männliche Blüten in fingerförmigen Ähren an der Halmspitze. Blütezeit Juli bis September.
 

 

Name:

Das Wort „Mais“ (mahiz) ist amerikanischen Ursprungs, geht auf eine Indianersprache der Karibik zurück und bedeutet „Leben erhaltend“ (Düll & Kutzelnigg 2022). Der im östlichen Österreich mancherorts übliche Ausdruck „Kukuruz“ entstammt dem Slawischen.
 

Heimat:

Südliches Mexiko.

Nutzung:


Überaus häufig verwendete Kulturpflanze. Sie gehört zu den wichtigsten Weltwirtschaftspflanzen. Die moderne Maisproduktion beruht auf der Hybridzüchtung, denn Mais ist für Heterosiseffekte besonders empfänglich (Mansfeld 1986). Mais wird als Futtermais, Hart- oder Kornmais und Zuckermais gebaut. Maiskörner enthalten 9−10 % Eiweiß, dieses ist aber arm an essentiellen Aminosäuren und liefert daher keine Vollwertkost. Bei Alleingenuss besteht die Gefahr der Vitamin-Mangelkrankheit Pellagra (Düll & Kutzelnigg 2022).
Mit über 1,2 Mrd. Tonnen Ernte im Jahr 2021 führt Mais die Weltgetreideernte vor Weizen und Reis an. Über 60 % davon werden als Maissilage zur Verfütterung von Nutztieren verwendet. Energiemais wird zur Erzeugung von Bioethanol und Biogas genutzt, die Stärke als nachwachsender Rohstoff auch zur Herstellung von biobasierten Kunststoffen.
Ökologisch ist Maisanbau in den heutigen Ausmaßen äußerst problematisch. Der Herbizid- und Düngereinsatz ist oft extrem hoch, bis 8-mal höher als bei anderen Kulturen wie Hackfrüchten. Über 10 % der Maissorten sind inzwischen herbizidresistent, was bedeutet, dass mehr gespritzt wird als je zuvor. Dies und der übermäßig hohe Wasserverbrauch bzw. die damit verbundene Grundwasserabsenkung lassen ganze Regionen veröden und führen zu einer extremen Verarmung der Wildkrautflora. Konventionell bearbeitete Maisfelder liefern Brachen, die bis ins späte Frühjahr hinein pflanzenfreien Wüsten gleichen und daher erosionsgefährdet sind. Letztendlich ist diese Misswirtschaft auf den übermäßigen Fleischkonsum der Wohlstandsgesellschaft zurückzuführen. In den USA wird genmanipulierter Mais angebaut. Nahrungsmittel, die von dort kommen, wie etwa viele Millionen Tonnen Fleisch, sind aus diesem von den Europäern abgelehnte Material produziert worden (Düll & Kutzelnigg 2022). Zum Gipfel allen Übels hat der Anbau von Gen-Mais geführt, eine Züchtung, die Insektizide gegen den eingewanderten Mais-Bohrer produziert (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

 

Ausbreitung:

Mais gehört zu den ältesten bekannten Kulturpflanzen. 2009 stellte ein Forscherteam fest, dass Teosinte im zentralen Tal des Balsas im Süden Mexikos die Ausgangsform von Mais ist. Im dortigen Xihuatoxtla fanden sich 8.700 Jahre alte Spuren, dazu entsprechende Werkzeuge (Piperno & al. 2009). Mais gehörte bei den Majas zu den lebenswichtigen Nährpflanzen. Ihr Name soll so viel heißen wie „Kinder des Maises“. Als Stammpflanzen gilt die Teosinte, Zea mays in Wild-Unterarten, die früher der Gattung Euchlaena zugerechnet wurden und aus denen der Mais ausgelesen wurde. Bereits 1492 brachte Kolumbus den Mais von Mittelamerika nach Spanien (Jäger & al. 2008). Er wurde 1525 in Südspanien angebaut und breitete sich ziemlich schnell im ganzen Mittelmeergebiet bis Kleinasien aus. Von dort gelang er als „Türkisches Korn“ nach Mitteleuropa, weshalb er etwa in der Steiermark mancherorts immer noch „Türken“ genannt wird. Zunächst wurde Mais bei uns als Zierpflanze in Gärten kultiviert. Erst nach Hungerjahren wurde der Anbau zu Ernährungszwecken intensiviert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man Sorten zu züchten, die besser für das Klima Mitteleuropas geeignet sind (Körber-Grohne 1995, Müller & al. 2021). Die Jahresernte in Deutschland betrug 1961 26.000 t, 1970 dann 520.000 t und 2008 5 Mio. t. Im weltweiten Maßstab ist Mais zur wichtigsten Kulturpflanze avanciert und hat im Jahr 2018 die ehemals wichtigsten Getreide Reis und Weizen deutlich überholt (Düll & Kutzelnigg 2022).
Biologisch interessant an Mais ist die indirekte Abwehr von tierischen Schädlingen durch die befallene Pflanze. Forscher wiesen nach, dass endoparasitische Wespen, welche die Larven der Schädlinge befallen, durch Duftsignale angelockt werden. Gleichzeitig hält der Duft weitere Maisfeinde von der Eiablage ab (Düll & Kutzelnigg 2022).
Gegenwärtig im Gebiet vereinzelt verwildert oder verschleppt, aber stets unbeständig.

 
DEUTSCHLAND:
So in Esslingen-Berkheim, Neuhausen a.d. Fildern, Bruchsal und am Güterbahnhof Leutkirch in Baden-Württemberg (Smettan 2015, Hassler 2021, Dörr & Lippert 2001), um 1960 in Sonthofen-Rieden und Blaichach, Pocking, Neuenmarkt, Sand, Goldkronach, München und Nürnberg in Bayern (Hohla 2006, Breitfeld & al. 2017, Vollmann 1914), Berlin (Seitz & al. 2012), Silo Neuhof und beim Hansa-Lagerhaus im Hamburger Hafen (Jehlik 1981, Hand & Thieme 2024), Hessen (Hand & Thieme 2024), Fröndenberg-Ostbüren, Kamen, Augustdorf bei Detmold und Viktoriastraße in Bochum in Nordrhein-Westfalen (Loos 1996, Mieders 2006, Sonnenborn & Sonnenborn 2018, Jagel 2021), 1994 in der Sternstraße in Ludwigshafen, 1997 am Bahnhof Mundenheim und 1999 im Luitpoldhafen bei Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 1995, Mazomeit 2021), Kompostlager Hammerbrücke, Ebersberg Marieney und Tannenhaus in Sachsen (Breitfeld 2021), Sachsen-Anhalt (Hand & Thieme 2024) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
Unbeständig in allen Bundesländern (Glaser & al. 2025), so im Nord-, Mittel- und Südburgenland (Gilli & al. 2022), mehrfach in Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), Schönau an der Donau, Oynhausen, Traiskirchen und Tribuswinkel in Niederösterreich (Gilli & al. 2024, Sauberer & al. 2025), am Linzer Frachtenbahnhof in Oberösterreich (Hohla & al. 1998), Bergheim in Salzburg (Schröck & al. 2004), Graz in der Steiermark (Hamburger 1948, Glaser & al. 2025), Nord- und Osttirol (Pagitz & al. 2023), bei der Mündung der Bregenzer Ach und bei Lingenau in Vorarlberg (Dörr & Lippert 2001) und in Wien (FKÖ 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1868 (Glaser & al. 2025). In Südtirol mehrfach unbeständig (FloraFaunaSüdtirol 2023).
SCHWEIZ:
Vielfach vorübergehend (Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024), vor allem im Mittelland, aber auch im Rhonetal (Infoflora 2024) und im südlichen Tessin (Bellosi & al. 2011). Im Kanton Zürich seit 1835 an wenigen Stellen immer wieder vorübergehend (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1931 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 

Quellen

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