Xanthium

Spitzklette, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Xanthium umfasst etwa 6 Arten (Kew 2023), besonders die Untergattung Xanthium ist eine taxonomisch schwierige Gruppe (Verloove 2021). Während Widder (1923) mehr als 20 Arten anerkennt, reduzieren englische Taxonomen (Sell & Murrell 2006, Strother 2006) die Zahl auf 2 bis 3 Arten. Neuere molekulare Studien (Tomasello 2018) zeigen, dass weltweit fünf Arten anzuerkennen sind: X. ambrosioides und X. spinosum einerseits und X. strumarium, X. orientale und X. chinense (= X. pungens) andererseits. Kew (2023) erkennt zusätzlich die chilenische X. argenteum an. Tomasello (2018) zeigte weiters, dass X. strumarium s.str. aus der Alten Welt stammt, während die anderen Arten in Amerika ihren Ursprung haben (Verloove 2021).
 
 

Xanthium spinosum  

Dornige Spitzklette,
Xanthium spinosum  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief: 

30−80 cm hohe Einjährige. Blätter wechselständig, rhombisch, meist dreilappig, unterseits hellgrau-filzig, oberseits dunkelgrün. Am Ansatz der Blattstiele mit bis 25 mm langen, dreiteiligen, geraden, strohfarbene Dornen. Männliche Blüten am Ende der Sprossachsen, darunter die weiblichen in den Köpfchenboden eingesenkt. Fruchtköpfchen mit hakigen Dornen besetzt. Blütezeit August bis September.
 

Nutzung: 

Keine.
 

Ausbreitung:

Südamerikanische Art, in Europa 1689 von Tournefort in Portugal am Ufer des Tajo erstmals beobachtet (Wagenitz 1979). Nur wenig später wird sie in verschiedenen Botanischen Gärten kultiviert, so 1694 in Paris und 1699 in Leipzig. Einer der ersten subspontanen Funde in Mitteleuropa, genauer in Straßburg, ist offensichtlich auf eine Einschleppung durch russische Truppen zurückzuführen, da Südrussland mittlerweile zu einem sekundären Ausbreitungszentrum der Art wurde (Wagenitz 1979). Die Ausbreitung in Europa fand hauptsächlich 1723 bis 1825 statt (Jäger 1988). Um 1850 war die Dornige Spitzklette in Mitteleuropa weit verbreitet, bis etwa 1890 war ihre Verbreitung hier abgeschlossen (Wagenitz 1979). Danach ist sie durch den Rückgang der Weidewirtschaft zurückgegangen und gegenwärtig sehr selten.
 
DEUTSCHLAND:
Früher in fast allen deutschen Bundesländern, neuere Fundmeldungen sind sehr selten und vorübergehender Natur, so 1999 Mistelgau bei Bayreuth, 2008 bei der Deponie Moosberg bei Breitengüßbach, 1861 im Straßenpflaster in Nördlingen vor Wollarbeiter-Wohnungen und 2006 auf einem Gladiolen-Feld zum Selberpflücken bei Neutraubling in Bayern (Klotz 2007, Meierott 2008, Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024), 2018 eine Pflanze am Rheinufer bei Bad Honnef in Nordrhein-Westfalen (BBV 2019) und 2008 bei Schellsitz nahe Naumburg in Sachsen-Anhalt (John 2008).
ÖSTERREICH:
Erste Verwilderungen wurden 1825 nahe vom Botanischen Garten in Wien bekannt. In neuerer Zeit sehr selten und vereinzelt. Vorkommen sind bekannt aus dem Burgenland (Fischer & al. 2008), aus Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), Großmugl im niederösterreichischen Weinviertel (Lefnaer 2018), 1986 auf einem Erdhaufen in Mitterdorf, Gemeinde Mettmach und 2003 in einer Bauschuttdeponie bei Gimpling, Gemeinde Mühlheim am Inn in Oberösterreich (Hohla & al. 2005, Grims 2008), Dominikanerriegel und Ostbahnhof in Graz in der Steiermark (Hamburger 1948, Maurer 1998, Glaser & al. 2025), Hall in Tirol und Innsbruck in Nordtirol (Polatschek 1997, Glaser & al. 2025), früher in Mehrerau in Vorarlberg (Dörr & Lippert 2004) und Laaerberg, Aspern, Kagran und Breitenlee in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). In Südtirol ehemals bei Branzoll, Bozen und St. Lorenzen (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
Neuere Funde sind sehr selten, so bei Bern und Lausanne im Kanton Waadt (Infoflora 2024), aber mit zahlreichen alten Funden (Welten & Sutter 1982), so 1956 und 1967 im Rheinhafen Basel-Kleinhüningen (Baumgartner 1973), zwischen 1865 und 1904 in Sissach, Liestal und Frenkendorf im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018). Im Kanton Zürich 1902 in Winterthur und bei Fischenthal, bei Marthalen, 1917 beim Hardturm in Zürich, in Wädenswil und bei Steinmaur (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a (seit) etwa 1848 in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), (seit) 1830 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und (seit) 1845 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Xanthium ambrosioides

Aus Argentinien stammt die Ambrosia-Spitzklette, Xanthium ambrosioides. Sie wird teilweise auch nur als Varietät zu X. spinosum gesehen (Hassler & Muer 2022) und wird im Gebiet angegeben, vor allem mit Wolle eingeschleppt, für Hannover-Döhren in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024), 1940 bei der Kläranlage Leipzig-Rosental in Sachsen (Gutte 2006) und Rodleben in Sachsen-Anhalt (Wagenitz 1979, Hand & Thieme 2024). Eine Fundangabe für Baden-Württemberg wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt. Subspontan (seit) 1906 auch in Belgien (Verloove 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Xanthium chinense

Im östlichen Nordamerika ist die Stechende Spitzklette, Xanthium chinense (Syn.: X. pungens) beheimatet. Unbeständig eingeschleppt wird sie angegeben für Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), 1969 im Schutt am Bahnhof Drosendorf bei Bamberg Bayern (Meierott & al. 2024), 1989 am Rheinufer Oberkassel in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015), Rheinland-Pfalz (Hassler & Muer 2022) und um 1840 in Nordhausen in Thüringen (Wagenitz 1979, Hand & Thieme 2024). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt. In Österreich 1963 in Leoben in der Steiermark (Melzer 1964, Wagenitz 1979, Glaser & al. 2025).

Xanthium orientale s.lat.

Die Heimat der Großfrüchtigen Spitzklette, Xanthium orientale s.lat. (inkl. X. albinum, X. riparium, X. italicum, X. saccharatum, X. brasilicum) ist unbekannt. 
Sie stammt entweder aus Amerika (Kew 2023) oder ist im Mittelmeergebiet aus nordamerikanischen Arten entstanden (Hassler & Muer 2022)
Sie tritt im Tiefland in großen Teilen des Gebiets in mehreren Varianten, wahrscheinlich Varietäten, auf. 
Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1896 (Fritsch 1896, Glaser & al. 2025). Gegenwärtig beispielsweise im Burgenland und in der südlichen Steiermark häufig und im Acker- und Ödland in weiterer Ausbreitung befindlich.
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), lokal eingebürgert in den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1965 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1872 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Quellen

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