Wisteria

Blauregen, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Wisteria umfasst etwa 4 Arten (Kew 2023) in Ostasien (3) und Nordamerika (1).
 

Wisteria sinensis 

China-Blauregen,
Wisteria sinensis 
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief: 

Bis 10 m hoch kletternder, linkswindender, langlebiger (kann über 100 Jahre alt werden), sommergrüner Strauch mit wechselständigen, unpaarig gefiederten Blättern. Diese 25–30 cm lang, mit 9–13 eiförmig-elliptischen, 5–8 cm langen, plötzlich zugespitzten Blättchen. Blüten blauviolett bis lilaviolett, zu 25–95 in 10–35 cm langen, dichten Trauben. Fahne mit gelbem bis grünweißem Fleck. Früchte 10–15 cm lang, dicht samtig behaart, an beiden Enden zugespitzt. Blütezeit April bis Mai, meist mit Nachblüte im Frühherbst.
Verwechslungsmöglichkeit: Der aus Japan stammende, ebenfalls häufig kultivierte Japan-Blauregen, Wisteria floribunda, ist rechtswindend und hat 11–17 Blättchen je Blatt.
 

Name:

Benannt zu Ehren des deutsch-USamerikanischen Mediziners Caspar Wistar (1761−1818). Sein eigentlicher Name Wister wurde zu Wistar amerikanisiert. Wistar praktizierte als Arzt in Philadelphia und lehrte an der Universität von Pennsylvania. Er entwickelte zu Lehrzwecken anatomische Modelle mittels Wachsinjektionen und war Spezialist für fossile Funde (Burkhardt 2018).
Glyzinie als deutscher Ausdruck hat sich gehalten, nachdem Linné die Pflanze ursprünglich in die Gattung Glycine, Sojabohne, gestellt hat.

 

Nutzung: 

Zierpflanze. In mehreren Sorten wie `Amethyst´ (vor 1990) oder `Prolific´ (1968 neu benannt) Sie ist seit etwa 1850 bzw. 1869 in gärtnerischer Kultur (Krausch 2003, Bärtels & Schmidt 2014). Die Art ist wärmeliebend, hitzeverträglich, spätfrostempfindlich und stadtklimafest. Sie zeigt auf kalkreichen Böden oft Eisenchlorose. Die Wurzeln werden im Winter gerne von Mäusen gefressen. Sämlingsvermehrte Pflanzen blühen weniger reich und erst nach vielen Jahren (Bruns 2009).
 

Ausbreitung: 

Erste Nachricht über die in Südost-China beheimatete Pflanze übermittelte 1723 der französische Pater Dominicus Parennin, aber erst der englische Pflanzenjäger John Reeves sandte 1816 Pflanzen nach Europa. Die weiß blühende Spielform `Alba´ entdeckte Robert Fortune 1844 in einem chinesischen Garten. Er entnahm Stecklinge und schickte diese nach England.
 
DEUTSCHLAND:
Selten subspontan, so am Dalbergplatz und beim Rheinauer See in Mannheim und Karlsruhe in Baden-Württemberg (Junghans 2016, Hassler & Muer 2022), Hessen (Hand & Thieme 2024), Siegburg, Königswinter, Dransdorf bei Bonn und Köln in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015, Sumser & al. 2015), Leipzig-Portitz in Sachsen (Liebing 2000) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH: 
2020 in Vormarkt Gurten bei Obernberg am Inn in Oberösterreich (Hohla 2022), Schotterstreifen am Straßenrand der Reisenbergerstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & Pflugbeil 2012) und 2007 in der Martinstraße in Wien (Essl 2008), hier allerdings in einem Garten und deshalb als Verwilderung nicht berücksichtigt. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2003 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: 
Vielfach, so in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Genf, Neuenburg, Nidwalden, Tessin, Waadt, Wallis, Zug und 1998 und 2003 in Uitikon im Kanton Zürich (Wohlgemuth & al. 2020, Infoflora 2024)
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012). In Teilen der südöstlichen USA invasiv (Trusty & al. 2008).

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Essl F. (2008): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil V - Linzer biol. Beitr. 40/1: 341–369.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Junghans T. (2016): Kurze Anmerkungen zu Verwilderungen des Chinesischen Blauregens (Wisteria sinensis) in Mannheim – Pollichia-Kurier 32 (3): 10–11.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Lauber K., Wagner G. & Gygax P. (2012): Flora Helvetica – 5.Auflage, Haupt-Verlag Bern, 1946 S.

Liebing G. (2000): Virtual Herbaria JACQ – Wisteria sinensis – https://herbarium.univie.ac.at

Pilsl P. & Pflugbeil G. (2012): Nachträge zur Neophytenflora der Stadt Salzburg, I - Mitt. Haus der Natur 20: 5 – 15.

Sumser H., Falk G., Wieland J., Jagel A. & Bomble W. (2015): Atlas einer zweijährigen Erhebung zur Flora von Köln (2013-2015) - Bund für Umwelt und Naturschutz Köln, 206 S.

Trusty J. L., B. G. Lockaby, W. C. Zipperer & L. R. Goertzen (2008): Horticulture, hybrid cultivars and exotic plant invasion: a case study of Wisteria (Fabaceae) - Botanical Journal of the Linnean Society 158 (4): 593—601.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.