Vitex

Mönchspfeffer, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Vitex umfasst, inkl. Paravitex, Tsoongia und Viticipremna etwa 209 Arten (Kew 2023), in den tropischen, subtropischen und gemäßigt warmen Klimazonen mit Mannigfaltigkeitszentrum auf Madagaskar. Als Ergebnis phylogenetischer Untersuchungen ist Vitex eine von mehreren Gattungen, die in den 1990er-Jahren von den Verbenengewächsen zu den Lippenblütlern überstellt wurden. 
 

Vitex agnus-castus

Mönchspfeffer,
Vitex agnus-castus,
Lippenblütler, Lamiaceae
 

Steckbrief:

Bis 2 m hoher, aufrechter Strauch mit handförmig geteilten Blättern und 5−7 lanzettlichen, 5−10 cm langen und 1−1,5 cm breiten Fiederblättchen. Endständiger Blütenstand 10−20 cm lang, unterbrochen. Blüten lila bis blauviolett. Kelch etwa 3 mm lang, 2 mm breit, glockenförmig. Krone 7−10 mm lang, über den Kelch hinausragend, Unterlappen kahl oder an der Basis leicht behaart. Blütezeit August bis Oktober.
 

Heimat:

Mittelmeergebiet bis Südwest-Asien.
 

Nutzung:

Zier- und Arzneipflanze, auch in wenigen Sorten wie `Alba´ mit weißen Blüten (Bärtels & Schmidt 2014). In großen Teilen des Gebietes mittlerweile winterhart. Die scharf schmeckenden Samen des Mönchspfeffers enthalten ein ätherisches Öl und dienen im Mittelmeergebiet als Pfefferersatz, wurden aber auch als Anaphrodisiakum genutzt (Bärtels & Schmidt 2014). Die aromatischen Blätter werden als Gewürz verwendet. Ein gelber Farbstoff wird aus den Blättern, Samen und Wurzeln gewonnen. Ätherische Öle aus den Blüten dienen zur Herstellung von Parfüms und Insektenschutzmitteln. Extrakte aus den Samen haben gezeigt, dass sie Mücken, Stechfliegen und Flöhe bei Tieren und Menschen mindestens 6 Stunden lang abwehren (Mehlhorn & al. 2005). Blätter und Früchte werden gemahlen und über Wollstoffe gestreut, um Mottenbefall zu verhindern (Baytop 1984). Imker schätzen die späte Blütezeit der Pflanze.
Vitex agnus-castus ist der bevorzugte Wirt von Hyalesthes obsoletus, einer polyphagen Zikade, die ein Überträger der Schwarzholzkrankheit und der Gelbkrankheit von Weintrauben, Vitis vinifera, in Europa und dem Nahen Osten ist (Sharon & al 2005). Deshalb wird der Mönchspfeffer in wärmeren Gebieten in Weingärten gepflanzt, um dort als Köderpflanze für die Zikade zu fungieren (Sharon & al. 2005).

 

Ausbreitung:

In gärtnerischer Kultur seit spätestens 1560 (Hegi 1975), wahrscheinlich aber schon lange vor dem 16. Jahrhundert (Bärtels & Schmidt 2014). Die Art vermehrt sich vor allem generativ, gärtnerisch wird sie meist vegetativ durch Stecklinge vermehrt (CABI 2023). In warmen Gebieten ist die Art anspruchslos auf die Art des Bodens, dürreresistent und salztolerant (Swearingen & Bargeron 2016).
DEUTSCHLAND:
Subspontan in Speyer in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2017). Die Angabe von Fiedler (1944) von der Mitteldeutschen Großmarkthalle Leipzig findet hier keinen Eingang, weil es sich bei den Funden um Pflanzenteile im Verpackungsmaterial gehandelt hat.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
In den südwestlichen USA, in Anguilla und Kuba wird die Art als invasiv eingestuft (CABI 2023).

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Baytop T. (1984): Treatment with plants in Turkey (in Turkish). Publication No 3255Istanbul, Turkey: Istanbul University.

CABI (2023): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 1). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 678 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Mazomeit J. (2017): Subspontane Sämlinge von Vitex agnus-castus L. in Speyer - Pollichia-Kurier 33 (2): 7.

Mehlhorn H., Schmahl G. & Schmidt J. (2005): Extract of the seeds of the plant Vitex agnus castus proven to be highly efficacious as a repellent against ticks, fleas, mosquitoes and biting flies.Parasitology Research, 95(5) 363-365.

Sharon R., Soroker V., Wesley S. D., Zahavi T., Harari A. & Weintraub P. G. (2005): Vitex agnus-castus is a preferred host plant for Hyalesthes obsoletus - Journal of Chemical Ecology 31(5): 1051-1063.

Swearingen J.& Bargeron C. (2016): Invasive Plant Atlas of the United States. In: Invasive Plant Atlas of the United States.Tifton, Georgia, USA: University of Georgia Center for Invasive Species and Ecosystem Health.