Tsuga

Hemlocktanne, Kieferngewächs, Pinaceae

Gattung:

Tsuga umfasst, exklusive Cathaya, Keteleeria, Nothotsuga und Pseudotsuga, etwa 10 Arten (Kew 2023) in Nordamerika und Ostasien.
 

Tsuga canadensis

Kanadische Hemlocktanne,
Tsuga canadensis,
Kieferngewächs, Pinaceae

 

Steckbrief:

Bis 25 m hoher Baum mit breit kegelförmiger, unregelmäßiger Krone. Die Nadeln sind 5–15 mm lang, werden nach vorne zu schmäler, sind auf der Oberseite dunkelgrün, auf der Unterseite mit 2 weißen, relativ schmalen Bändern. Der weißliche Mittelstreifen ist etwa breit wie die grünen Randstreifen. Weibliche Zapfen hellbraun, hängend, klein, nur 1,5–2,5 cm groß. Die Deckschuppen sind in den Zapfen eingeschlossen. Blütezeit Mai.
 

Name:

Hemlock ist die englische Bezeichnung für den Schierling, Conium maculatum, weil die zerriebenen Nadeln nach Schierling riechen sollen? Der Gattungsname Tsuga stammt aus dem Jahr 1847 vom österreichischen Botaniker Stephan Ladislaus Endlicher. Es ist der japanische Name der Südjapanischen Hemlocktanne.
 

Heimat:

Östliches Nordamerika. Die Art ist dort durch eine aus Ostasien eingeschleppte Blattlausverwandte namens Adelges tsugae, kurz HWA genannt, bedroht und wird mit dem Käfer Sasajiscymnus tsugae biologisch bekämpft. HWA wurde versehentlich aus Japan eingeschleppt und trat 1951 erstmals im Osten der USA auf. Seit 1995 wurden Hunderttausende erwachsene Raubkäfer ausgesetzt, um den Schädling zu dezimieren (Kok & Salom 2006).
 

Nutzung:

In über 300 Sorten als Ziergehölz, so `Ammerland´ (1986) oder `Jeddeloh´ (1965) (Bärtels & Schmidt 2014). In Nordamerika auch als Forstbaum kultiviert. Sie verlangt kühl-feuchte Lagen, ist schattenverträglich und empfindlich gegenüber Hitze, Trockenheit und Luftverschmutzung (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Um 1736 in Europa eingeführt (Bärtels & Schmidt 2014).
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt unbeständig verwildert, so am Näherkopf bei Bruchsal in Baden-Württemberg (Hassler 2021), 2008 in Hopfen am See in Bayern (Dörr 2009, Meierott & al. 2024
), 2002 in Groß Briesen in Brandenburg (Klemm 2002), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Hessen (Hand & Thieme 2024), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2024), Niedersachsen (Müller & al. 2021), im Lippischen Wald in der Senne bei Paderborn, im Mühlmecketal bei Uentrop und westlich der Drabenderhöhe in Nordrhein-Westfalen (Sonnenborn & Sonnenborn 2018, BBV 2021, Gorissen 2015), Sachsen (Hand & Thieme 2024) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024)
ÖSTERREICH:
2003 bei der Haltestelle Linz-Pichling in Oberösterreich (Hohla & al. 2005) und 2010 mehrere Jungpflanzen entfernt von einem Altbaum an der Amundsenstraße im 17.Wiener Gemeindebezirk (Vitek & al. 2021).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und Großbritannien (Clement & Foster 1994).

 
Weitere Arten:

Tsuga chinensis

In China und Taiwan ist die Chinesische Hemlocktanne, Tsuga chinensis, beheimatet. Sie wird in Europa seit 1902 kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014), spielt in Mitteleuropa aber weder als Zier- noch als Forstbaum eine Rolle. In Paudorf im Dunkelsteiner Wald in Niederösterreich konnte sie sich aus einem Arboretum heraus verjüngen (Stöhr & al. 2007). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2006 (Glaser & al. 2025).
 

Tsuga heterophylla

Im westlichen Nordamerika ist die Westliche Hemlocktanne, Tsuga heterophylla, verbreitet. Sie ist Staatsbaum des US-Bundesstaates Washington und wird im Gebiet seit 1851 (Krumm & Vitková 2016) selten als Zier- und Forstholz genutzt, auch in Sorten wie `Conica´ (etwa 1920) oder `Laursen´s Column´ (1968) (Bärtels & Schmidt 2014). Die Art verlangt kühl-feuchte Lagen, ist schattenverträglich, empfindlich gegenüber Hitze, Trockenheit, Wind und Luftverschmutzung (Bruns 2009). Im Gebiet nur selten unbeständig, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), im Freisinger Forst in Bayern mit Naturverjüngung und Einbürgerungstendenz (Meierott & al. 2024), Frankfurt am Main, 2003 im Schlosspark Richthof und 2014 bei Schlitz in Hessen (Gregor & Kasperek 2021, Gregor 2004, Gregor 2015), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2024), in der Stapelsenne bei Paderborn, südlich von Rheinbach, im Kottenforst und 2024 große Bestände von Jungpflanzen in den verschiedensten Altersstufen am Südhangweg bei Nordhelle nahe Valbert in Nordrhein-Westfalen (Sonnenborn & Sonnenborn 2018, Gorissen 2015, BBV 2025), Sachsen (Müller & al. 2021), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024) und 2021 am Buchberg, Gemeinde Mörschwang und 2022 in Voglgrub, Gemeinde St. Ägidi in Oberösterreich (Hohla & al. 2009, Hohla 2022). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2021): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2020 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 12: 199-278.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

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Dörr E. (2009): Botanische Allgäu-Notizen 2008. – Mitt. Naturwiss. Arbeitskreises Kempten/Allgäu 44(1/2): 27 – 43.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

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Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

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Vitek E., W. Adler & A. Mrkvicka (2021): Neues von der Flora Wiens – Neilreichia 12: 219-290.