Triticosecale

Tritikale, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Gattungshybride aus Weizen, Triticum, und Roggen, Secale.
 

×Triticosecale rimpaui

Rimpau-Tritikale,
×Triticosecale rimpaui
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

60–120 cm hohe Einjährige mit bläulich bereiften, beiderseits fein und dicht behaarten, am Grunde stängelumfassenden Blättern mit sichelartigen, bewimperten Öhrchen. Ähre 8–14 cm lang, dicht. Ährchen meist 3–4-blütig. Hüllspelzen ca. 10 mm lang, einnervig, spitz bis kurz begrannt, behaart. Deckspelzen ca. 15 mm lang, siebennervig, oben dicht behaart, die beiden unteren lang begrannt, die oberen kurz- oder unbegrannt. Blütezeit Juni bis August.
 

Name:

Der Hybridname ist zu Ehren des deutschen Agrarwissenschaftlers Arnold Rimpau (1842−1903) benannt, der blütenbiologische Untersuchungen an Getreide durchführte. Rimpau überführte 1889 die erste in Deutschland von ihm durch Kombinationszüchtung geschaffene Winterweizensorte „Früher Bastardweizen“ in den Großanbau. Aus seinen Kreuzungsversuchen erging 1888 der erste fertile Bastard zwischen Weizen und Roggen. Er schaffte eine F1-Hybride, die 12 fertile Nachkommen hervorbrachte. Diese Sorte wird auch heute noch in der Genbank in Gatersleben als „Triticale Rimpau“ mit der Akzessionsnummer TCA 26 instandgehalten. 
 

Heimat:

Künstliche Gattungshybride aus Weich-Weizen, Triticum aestivum, als Mutter und Roggen, Secale cereale, als Vater, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstand (Jäger & al. 2008), doch haben sich Zuchtsorten erst seit etwa 1980 durchgesetzt (Düll & Kutzelnigg 2022). Die umgekehrte Kombination, also Roggen als Mutter und Weizen als Vater wird ×Secalotrichum genannt, spielt aber als Getreide keine Rolle.
 

Nutzung:

Als Getreidepflanze, mit besonderer Bedeutung als Futtergetreide. Vom Weizen stammen die Vorteile der guten Backfähigkeit, der hohen Erträge und das kurze Stroh, vom Roggen die Vorteile der geringen Ansprüche an Klima und Bodenqualität. Da die Backeigenschaften gegenüber Weizen mäßig sind, wird Tritikale in Mitteleuropa vorwiegend als Viehfutter verwendet (Düll & Kutzelnigg 2022). Allgemein aber gewinnen durch Züchtung entstandene hexaploide und oktoploide Gattungshybriden zwischen Roggen und Weizen zunehmend Bedeutung als Getreide.
 

Ausbreitung:

Unbeständig verschleppt, so beispielsweise an Wildfütterungsstellen.
DEUTSCHLAND:
Unbeständig in Brandenburg (Hand & Thieme 2024), 2011 am Bahnhof Frankfurt am Main-West in Hessen (Gregor & al. 2012), 2020 bei Ebersberg Marieney im Erzgebirge in Sachsen (Breitfeld 2021) und 2021 auf Helgoland im Unterland in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023). Die Fundmeldung für Schleswig-Holstein auf Helgoland (Theisinger & Hebbel 2022) betrifft Verwilderungen in Gärten und wird hier deshalb nicht berücksichtigt.
ÖSTERREICH:
St. Martin im Innkreis, Gilgenberg, Geiersberg und Palting in Oberösterreich (Hohla 2006, Hohla 2022). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2003 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Sippe:

×Triticosecale blaringhemii

Die Blaringham-Tritikale, ×Triticosecale blaringhemii ist die Hybride aus Roggen, Secale cereale × Dinkel, Triticum spelta (T. aestivum subsp. spelta). Benannt ist Hybride zu Ehren des französischen Botanikers Louis Joseph Florimond Blaringhem (1878−1958) (Breitfeld 2021). Im Gebiet subspontan 2012 für Ostfildern-Ruit in Baden-Württemberg (Smettan 2015) und für Bayern (Hand & Thieme 2024) angegeben. Außerdem subspontan in Frankreich (Kew 2024).
 

Quellen

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm



Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.

Hohla M. (2006): Bromus diandrus und Eragrostis multicaulis neu für Oberösterreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 16: 11–83.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Smettan H.W. (2015): Verwilderte Zierpflanzen auf den Fildern. – Jh. Ges. Naturkd. Württemberg 171: 111 – 162.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)