Tragopogon

Bocksbart, Haferwurz; Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Tragopogon umfasst etwa 124 Arten (Kew 2023), die in Eurasien und Nordafrika verbreitet sind. Die als in Nordamerika heimisch angesehene Tragopogon mirus hat sich nach Untersuchungen als allopolyploide, artgewordene Hybride aus T. dubius mit T. porrifolius herausgestellt – als Hybride zweier eurasiatischer Arten, die in Nordamerika entstanden ist. Ganz ähnlich Tragopogon miscellus, eine tetraploide Hybride aus T. dubius und T. pratensis, die seit den 1950er-Jahren aus Nordamerika bekannt ist.
 

Tragopogon porrifolius

Haferwurz,
Tragopogon porrifolius (inkl. subsp. eriospermus)
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

20–80 cm hohe Zweijährige mit fleischiger Pfahlwurzel und grasartigen, blaugrünen, am Grund verbreiterten, nicht selten tentakelartig gedrehten Blättern. Untere Blätter oberseits mit weißem Mittelnerv, unterseits gekielt, obere Blätter stängelumfassend. Stängel unter den Körben verdickt. Körbe bis 6 cm im Durchmesser. Zungenblüten weinrot. Hüllblätter 8, diese länger als die Zungenblüten. Früchte ± so lang wie der Schnabel. Blütezeit Mai bis Juli.
 

Heimat:

Weites Mittelmeergebiet.
 

Nutzung:

Gemüsepflanze, in Sorten wie `Gian French´ oder `Lüthy´. Vor allem die Wurzeln werden ähnlich wie Schwarzwurzel genutzt, aber auch die Blätter als Salat oder Spinat verwendet. Haferwurz enthält u.a. Inulin, Kalium, Calcium, Magnesium und Ceratinoide.
 

Ausbreitung:

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet wird die Haferwurz seit dem Altertum als Gemüse genutzt. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde sie in Deutschland auch feldmäßig kultiviert, später durch andere Gemüse wie die Schwarzwurzel verdrängt (Mansfeld 1986).
 
DEUTSCHLAND:
Unbeständig in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), 1998 bei Himmelstadt, 2005 bis 2012 durch Selbstaussaat im Botanischen Garten Bayreuth, 2009 am Bahngelände beim Hauptbahnhof Bamberg, 2009 am Feldweg bei Binabiburg-Frauensattling, ehemals in Nürnberg und Sennfeld in Bayern (Vollmann 1914, Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), Prenzlau und Grabow in Brandenburg (Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Hessen (Hand & Thieme 2024), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2024), Stade, Sanderhörne, Rodenkirchen und auf Borkum in Niedersachsen (Wagenitz 1987, Junghans 2019), Bochum-Wattenscheid, Bochum-Steinkuhl, Billenbeck und Coesfeld in Nordrhein-Westfalen (Wagenitz 1987, Jagel 2021), 1961 bei der Großmarkthalle Leipzig in Sachsen (Gutte 2006), Schönebeck in Sachsen-Anhalt (Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2024), 2004 im Naturschutzgebiet Seelendorfer Binnensee in Schleswig-Holstein (Romahn 2006) und Erfurt in Thüringen (Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
2019 bei Groß-Schweinbarth in Niederösterreich (Lefnaer 2019), in der Ohmstraße in Linz und 2015 auf dem Gelände einer Gärtnerei in Reichersberg in Oberösterreich (Walter & al. 2002, Hohla & al. 2009, Hohla 2022), 2019 in Graz-Wetzelsdorf in der Steiermark (Leonhartsberger 2019) und ehemals in Wien (Neilreich 1859, Walter & al. 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1859 (Neilreich 1859, Glaser & al. 2025). Die Art wird zwar in Walter & al. (2002) und Fischer & al. (2008) für das Burgenland genannt, konkrete Funddaten fehlen aber (Gilli & al. 2022). Indirekt gibt es aber eine konkrete Nennung von der Ostseite des Güssinger Schlossberges, wo Traxler (1974) die Hybride mit T. orientalis angibt (siehe unten).  
SCHWEIZ:
1839 bei Basel unter dem Grenzacherhorn (Wagenitz 1987), im Kanton Bern (Infoflora 2024), Boudry im Kanton Neuenburg (Wagenitz 1987), im Kanton Schaffhausen (Infoflora 2024), Mersasson in der Waadt (Wagenitz 1987), 1900 bis 1913 in der Stadt Zürich und in Zürich-Seebach (Wagenitz 1987, Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1813 in Belgien (Verloove 2021) und seit 1838 auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Tragopogon crocifolius

Der Safranblättrige Bocksbart, Tragopogon crocifolius, ist im westlichen Mittelmeergebiet, östlich bis Sizilien reichend, beheimatet. 
Subspontan wird er im Gebiet für den Aargau angegeben (Infoflora 2024).
 

 

Tragopogon floccosus

In Osteuropa ist der Wollige Bocksbart, Tragopogon floccosus, beheimatet. Er wird für das Gebiet ehemals bei Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern (Boll 1849) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.  
 

Tragopogon heterospermus

Der Verschiedensamige Bocksbart, Tragopogon heterospermus (Syn.: T. brevirostris p.p.) ist in den Baltischen Staaten und Polen beheimatet und wird 1910 für Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2024) und für Orbe in der Waadt (Wagenitz 1987) eingeschleppt angegeben.
 

Tragopogon ×mirabilis

Der Wundersame Bocksbart, Tragopogon ×mirabilis, ist eine auch in Hybride aus Haferwurz, T. porrifolius × Wiesen-Bocksbart, T. pratensis, und widerspiegelt das ganze Farbspektrum der Elternarten, daher wäre auch der deutsche Name Wunderbarer Bocksbart passend. 
Die Hybride wurde bereits 1759 von Carl von Linné künstlich erzeugt (Matthews & al. 2015) und ist interessanterweise diploid und fertil (Mavrodiev & al. 2013).
Im Gebiet lokal am Weg zur Etablierung in Niedersachsen (Hand & Thieme 2024).
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 1921 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

T. orientalis × T. porrifolius

Die noch unbenannte Hybride aus Östlichem Bocksbart, T. orientalis × Haferwurz, T. porrifolius, konnte 1972 auf der Ostseite des Güssinger Schlossberges in mehreren Exemplaren gefunden werden (Traxler 1974, Glaser & al. 2025), ebenso ehemals am Straßenrain von Radlach bei Greifenburg in Kärnten (Glantschnig 1940, Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1940 (Glaser & al. 2025).
 

 

Quellen

Boll E. (1849): Flora von Mecklenburg-Strelitz, nebst Beiträgen zur gesammten meklenburgischen Flora – Archiv der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg 3: 5-142.

Fischer M. A., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glantschnig T. (1940): Ergänzungen zur Flora Oberkärntens – Carinthia II – 130/50: 93 - 97.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hartl H., Kniely G., Leute G.H., Niklfeld H. & M. Perko (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.

Junghans T. (2019): Anmerkungen und Ergänzungen zur Flora der Nordseeinsel Borkum (Ostfriesische Inseln, Niedersachsen). – Braunschw. Geobot. Arb. 13: 7 – 25.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Lefnaer S. (2019): Tragopogon porrifolius – Jacq Virtual - JACQ - Virtual Herbaria

Leonhartsberger S. (2019): Bemerkenswerte Funde aus Graz - Bemerkenswerte Funde aus Graz - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Matthews A., K. Emelianova, A. A. Hatimy, M. Chester, J. Pellicer, K. S. Ahmad, M. S. Guignard, G. Rouhan, D. E. Soltis, P. S. Soltis, I. J. Leitch, A. R. Leitch, E. V. Mavrodiev & R. J. A. Buggs (2015): 250 years of hybridization between two biennial herb species without speciation - AoB PLANTS, Volume 7.

Mavrodiev E.V., Krahulec F., Soltis D. E. & Soltis P. S. (2013): A cryptic taxon rather than a hybrid species of Tragopogon (Asteraceae) from the Czech Republic – Kew Bulletin 68: 133-141.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Neilreich A. (1859): Flora von Nieder-Oesterreich. — Wien.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Romahn K. (2006): Funde seltener, gefährdeter, neuer und bemerkenswerter Gefäßpflanzen in Schleswig-Holstein – Kieler Notizen zur Pflanzenkunde 34: 41–62.

Traxler G. (1974): Floristische Neuigkeiten aus dem Burgenland (VII) – Burgenländische Heimatblätter 35: 163–171.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Wagenitz G. (1987): in Gustav Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, Teil 4, 2.Auflage. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg. 863 S.

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.