Thymus

Quendel, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Thymus umfasst etwa 266 Arten (Kew 2023) in Eurasien, Nord- und Ostafrika und Grönland mit Mannigfaltigkeitszentrum im Mittelmeergebiet.
 

Thymus vulgaris

Gewürz-Quendel,
Thymus vulgaris 
Lippenblütler, Lamiaceae

 

Steckbrief: 

15–40 cm hoher, aromatischer Zwergstrauch mit aufrechten bis bogig aufsteigenden Sprossen und ringsum kurz behaarten Blütentrieben. Blätter 3,5–6,5 mm lang, 0,8–3 mm breit, linealisch bis elliptisch, am Rand umgerollt. Blütenkrone etwa 5 mm lang, hellrosa bis fast weiß. Kelch 3,5–5,5 mm lang, obere Kelchzähne unbewimpert. Blütezeit Mai bis August.
 

Nutzung: 

Gewürz- und Arzneipflanze, seltener Zierpflanze. In Sorten wie `Argenteus´ oder `Silver Queen´. Quendel wirkt appetitanregend und verdauungsfördernd und ist besonders für fette Speisen empfehlenswert (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Ausbreitung: 

Südwesteuropäische Art, die im Gebiet seit dem 12. Jahrhundert kultiviert wird (Jäger & al. 2008). Hildegard von Bingen (1098−1179) erwähnte die Art bereits. Vereinzelt verwildert, vor allem an Bahndämmen und Straßenböschungen.
 
DEUTSCHLAND: 
Mehrfach, so 1993 am Neckarufer bei Lauffen am Neckar, Feuerbach, Stuttgart und am Güterbahnhof Cannstatt in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1996, Böcker & al. 2017), Bischofsgrün, München-Allach, München-Moosach, Schwebheim, Weitnau und Memmelsdorf-Lichteneiche in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008, Dickoré & Springer 2011, Dörr & Lippert 2004, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), Brandenburg (Hand & Thieme 2024), ehemals unterhalb der Flottbeker Baumschulen in Hamburg (Poppendieck & al. 2011), Wiesbaden-Schierstein, Tann und Mackenzell in Hessen (Streitz 2005, Barth 1998), Putbus auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Ratingen-Homberg in Nordrhein-Westfalen (BBV 2023), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024), Weißig, Töppich, Dresden, Köttewitz und Austerwitz in Sachsen (Hardtke & al. 2013), Kloschwitz in Sachsen-Anhalt (Kästner 2001), auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022) und Thüringen (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
Selten, so Korneuburg, Zwentendorf und im Waldviertel Niederösterreichs (Ronniger 1930, Bernhardt & al. 2013, Essl & Rabitsch 2002), ehemals an der Urfahrwänd bei Linz in Oberösterreich (Duftschmid 1883, Hohla & al. 2009), Nord- und Osttirol (Pagitz & al. 2023), Lochau-Hörbranz in Vorarlberg (Dörr & Lippert 2004) und am Wienerberg in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1859 (Glaser & al. 2025). Beim steirischen Fund von 2017 von einem trockenen Waldrand in St. Oswald bei Plankenwarth (Wendelin 2017) dürfte es sich dem Herbarbeleg zufolge um Thymus pulegioides handeln.
SCHWEIZ: 
Vielfach, vor allem in Felsheiden, so in den Kantonen Basel-Landschaft (Infoflora 2024), Neuveville (Neuenstadt) am Bielersee im Kanton Bern (Hegi 1975), Genf, Jura, Neuenburg, Solothurn (Infoflora 2024), Gandria am Luganersee im Tessin (Hegi 1975), Thurgau, Waadt, Wallis und Zürich (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich in Benken, Altikon, Küsnach, Zürich-Hirslanden, 2003 bei Horgen, in Dietlikon und Dachsen (Wohlgemuth & al. 2020). In Infoflora (2024) als „Kultiviert und gelegentlich in Felsenheiden verwildert“….und „Kultivierte Pflanze, vor dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten“ angegeben.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 
Weitere Sippen:

Thymus boissieri

Auf der Balkanhalbinsel ist der Boissier-Quendel, Thymus boissieri, beheimatet. Er wird für das Gebiet 1920 vom Chromerzlager im Hafen Aken in Sachsen-Anhalt (Zobel 1975) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2022) nicht geführt. Benannt ist die Art zu Ehren des Schweizer Botanikers Edmond Boissier (1810−1885), der sich vor allem um die Flora Südwest-Asiens verdient gemacht hat.
 

Thymus ×citriodorus

Eine Hybride aus Thymus pulegioides × T. vulgaris ist der Zitronen-Quendel, Thymus ×citriodorus. Er kommt in Frankreich und Spanien spontan vor und wird häufig in zahlreichen Sorten wie `Aureus´ oder `Lammefjord´ seit etwa 1596 als Zier-, Gewürz- und Heilpflanze kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014). Er findet sich selten subspontan, so angegeben für Baden-Württemberg (Hassler & Muer 2022), bei Bad Berneck in Bayern (Breitfeld & al. 2017), Berlin (Hand & Thieme 2024), Gerthe in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2021) und für Neumarkt in der Steiermark (Maurer 1998, Walter & al. 2002). Nach Zitrone duftende Formen findet man bei vielen Thymianarten, der Zitronenduft ist also kein geeignetes Bestimmungsmerkmal, außerdem kann der Zitronenduft bei Th. ×citriodorus auch fehlen (Meierott & al. 2024).
 

Thymus comptus

Auf der östlichen Balkanhalbinsel ist der Schmucke Quendel, Thymus comptus, beheimatet. Er ist hier meist in Küstennähe zu finden. Für das Gebiet angegeben wird er 1905 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1921). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Thymus drucei

Der westeuropäische Britische Quendel, Thymus drucei (= T. praecox subsp. britannicus), benannt nach dem englischen Botaniker George Claridge Druce (1850−1932), wird seit 1596 gärtnerisch genutzt (Bärtels & Schmidt 2014). In jüngster Zeit vermehrt als Gartenzierstaude, oft unter falschen Namen wie T. pseudolanuginosus, und in mehreren Sorten wie `Elfin´ (1974) oder `Hartington Silver´ (1983). Vereinzelt subspontan, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), in Bayern mehrfach synanthrop in Oberfranken zwischen Bayreuth und Marktschorgast (BIB 2018, Meierott & al. 2024), Hessen (Hand & Thieme 2024), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024), in Sachsen am Bahnhof Ulberndorf (Hardtke & al. 2013) und am Friedhof Gutau im Mühlviertel und 2015 am Friedhof Ostermiething in Oberösterreich (Hohla 2014, Hohla 2022). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2012 (Glaser & al. 2025). Subspontan (seit) 1974 auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

Quellen

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Barth U. (1998): Fundmeldungen Neufunde-Bestätigungen-Verluste – Botanik und Naturschutz in Hessen 10: 169–196.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2023): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2022 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 14: 167-231.

Bernhardt K.G., Naumer-Bernhardt E., Oschat M.-L., Stoeckl N. & Wernisch M. (2013): Floristische Inventarisierung als Beitrag zur Erfassung regionaler Phytodiversität am Beispiel der Gemeinde Zwentendorf an der Donau (Bezirk Tulln, Niederösterreich) - Wiss. Mitt. Niederösterr. Landesmuseum 24: 127-172.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

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Dickoré W. & Springer S. (2011): Neues zur Flora von München - Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 81: 79–108.

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