Thalictrum

Wiesenraute, Hahnenfußgewächs, Ranunculaceae

Gattung:

Thalictrum umfasst, inklusive Anemonella, etwa 208 Arten (Kew 2023) und ist vor allem in den gemäßigten Zonen beheimatet. Durch Zusammenfassung von Florenwerken weltweit ergibt sich eine Artenzahl von knapp 200. Alle Revisionen der letzten Zeit führten jedoch zu teils erheblichen Reduktionen. Für Nordamerika werden maximal nur noch 22 Arten akzeptiert. In China sind es – bei einem immer noch recht engen Artbegriff – 76, darunter 49 endemische Arten, wenngleich in den letzten zehn Jahren zunehmend Arten mit früher beschriebenen Sippen synonymisiert wurden. Bei Anwendung eines in Europa üblichen Artbegriffs und der Akzeptanz von geographisch definierten Unterarten dürfte sich die Zahl deutlich reduzieren auf Werte um 150, möglicherweise nur 120 oder weniger (Hand 2021).
 

Thalictrum speciosissimum

Blaugrüne Wiesenraute,
Thalictrum speciosissimum
(Syn.: T. flavum subsp. glaucum)
Hahnenfußgewächs, Ranunculaceae

 

Steckbrief:

70−180 cm hohe Staude ohne Ausläufer und blaugrünen, mit einem Wachsüberzug versehenen Blättern ohne Nebenblättchen an der Verzweigung der Rhachis. Früchtchen groß, über 3 mm lang. Blütezeit Mai bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Unterscheidet sich von T. flavum durch eine dicke, glauke, abwischbare Wachsschicht. Sie ist zumindest auf der Unterseite der Blättchen deutlich ausgeprägt, erstreckt sich aber oft über weitere Teile der Pflanze. Th. speciosissimum fehlen die bei Th. flavum meist ausgebildeten Stipellen (nebenblattartige Bildungen an der Basis der Blättchen). Typisch für Th. speciosissimum ist ferner der corymbose Blütenstand (bei Th. flavum rispig) und das Fehlen von Ausläufern (Hand & Schlesinger 1997, Meierott & al. 2024).
 

Heimat:

Iberische Halbinsel, Nordmarokko und Nordalgerien.
 

Nutzung:

Als Zierstaude in der Gartengestaltung, vor allem auch in Botanischen Gärten kultiviert. `Illumination´ wird nur 1,2 m hoch und hat kopfige, zitronengelbe Blütenrispen (Jelitto & al. 1990).
 

Ausbreitung:

In Deutschland seit 1885 subspontan (Müller & al. 2021).
DEUTSCHLAND:
1994 zwischen Hausen und Zell im Wiesenthal im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg (Hand & Schlesinger 1997, Hand & Thieme 2024), 2015 an der Autobahnauffahrt München-Freimann in Bayern (Dickoré & Springer 2016, Meierott & al. 2024) und Oberstein an der Nahe in Rheinland-Pfalz (Müller & al. 2021).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), 2011 in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Clement & Foster 1994) und Schweden (Hand 2001).
 

 
Weitere Arten:

Thalictrum pubescens

Die Flaum-Wiesenraute, Thalictrum pubescens, ist im östlichen Nordamerika beheimatet. Sie wird 1886 für Oberstein an der Nahe in Rheinland-Pfalz (Höck 1900) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.  

 
 

Thalictrum thalictroides

Die Anemonen-Wiesenraute, Thalictrum thalictroides (Syn.: Anemonella thalictroides) ist im östlichen Nordamerika beheimatet und wird als Zierstaude in Sorten wie `Cameo´, `Rosea Plena´ oder `White Bells´ kultiviert. 
Subspontan wird sie im Gebiet 1911 für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1912, Hand & Thieme 2024) angegeben.
 

Quellen

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Dickoré W. B. & Springer S. (2016): Weitere Notizen zur Flora von München – Ber. d. Bayer. Bot. Gesellschaft 86: 262–276.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Hand R. (2001): Revision der in Europa vorkommenden Arten von Thalictrum subsectio Thalictrum (Ranunculaceae) - Bot. Natursch. Hessen, Beiheft 9: 358 S.

Hand R. (2021): Die Ranunculaceae der Flora von Zentraleuropa: Thalictrum – www.flora-deutschlands.de/ranunculaceae.html

Hand R. & Schlesinger S. (1997): Ein Vorkommen der westmediterranen Wiesenraute Thalictrum speciosissimum L. in Südbaden – Carolinea 55: 120.



Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Höck F. (1900): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, II. Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 9: 321-333.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Müller F., Ch. M. Ritz, E. Welk & K. Wesche (2021): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland, Gefäßpflanzen Grundband, 22. Auflage.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Zimmermann F. (1912): II. Nachtrag zur Adventiv und Ruderalflora von Ludwigshafen, der Pfalz und Hessen. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der Flora – 14: 68−84.