Teucrium

Gamander, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Teucrium umfasst etwa 289 Arten (Kew 2023) und ist fast weltweit beheimatet mit Mannigfaltigkeitszentrum im Mittelmeergebiet. Artenarm sind die Tropen.
 

Teucrium hircanicum  

Kaukasus-Gamander,
Teucrium hircanicum  
Lippenblütler, Lamiaceae

 

Steckbrief: 

30–80 cm hohe Staude mit ährigen, dichten, bis 25 cm langen Blütenständen. Blätter gestielt, Blattspreiten 20–60 mm lang, eiförmig, mit herzförmigem oder gestutztem Grund, oberseits kurzhaarig, unterseits filzig. Kelch zweilippig, Kelchoberlippe eiförmig, ungeteilt, Kelchunterlippe mit 4 Zähnen. Hochblätter der Blüten klein, unscheinbar. Blütenkrone purpurn. Blütezeit Juni bis August.  
 

Nutzung: 

Zierpflanze, in wenigen Sorten wie `Paradise Delight´ mit kompakterem Wuchs. Extrakte aus der Pflanze zeigten in vitro antibakterielle und antimykotische Wirkung. Auch wurden Verbindungen mit antioxidativen Eigenschaften nachgewiesen (Valizadeh & al. 2021).
 

 

Ausbreitung: 

Beheimatet im weiten Kaukasus-Gebiet einschließlich des nordiranischen Talysch-Gebirges. In Europa seit 1763 in Gartenkultur (Jäger & al. 2008), aber erst in jüngerer Zeit vermehrt im Pflanzenhandel zu beobachten. Mit zunehmenden Verwilderungen der Art ist zu rechnen.
DEUTSCHLAND:
2015 verschleppt in Greßthal und 2015 auf einer Böschung in Lechnähe zwischen Füssen und Faulenbach in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und 2024 in Pflasterritzen am Bürgerzentrum Herrnhuter Straße in Ratingen-Homburg in Nordrhein-Westfalen (BBV 2025).
ÖSTERREICH:
In Niederösterreich (wo?) (Glaser & al. 2024), 2010 am Rande eines Fischteiches im Auwald des Gurtenbaches bei Obernberg im oberösterreichischen Innviertel. Laut Auskunft des Grundeigentümers ist die Art vor einigen Jahren spontan aufgetreten und breitet sich seither zusehends auf dem Grundstück aus. Es ist zu vermuten, dass Samen vor längerer Zeit unbeabsichtigt mit anderen Zierpflanzen eingeschleppt wurden (Hohla 2011). Aus Salzburg sind zwei Verwilderungen 2008 und 2009 aus Bergheim bei Salzburg bekannt (Stöhr & al. 2012). 2024 dann auch bei Pischelsdorf am Kulm in der Steiermark (Kniely 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Arten:

Teucrium arduini

Der Adria-Gamander, Teucrium arduini, ist auf der westlichen Balkanhalbinsel endemisch. Wahrscheinlich benannt nach dem italienischen Botaniker Pietro Arduino (1728−1805), nach dem auch die Doldenblütler-Gattung Arduina ihren Namen trägt. 
Der Adria-Gamander wird für das Gebiet für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1921) angegeben. Die Art wird weder in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024), noch in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) geführt.
 

Teucrium canadense

In großen Teilen Nordamerikas und in Kuba ist der Kanadische Gamander, Teucrium canadense, beheimatet. Er hat ein minzeartiges Aroma und wird als Wildgemüse zur Tee-Herstellung genutzt, spielt aber in der heimischen Gartengestaltung keine Rolle. 1910 wird er für Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz adventiv angegeben (Zimmermann 1912, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024).
 

Teucrium flavum

Im Mittelmeergebiet ist der Gelbe Gamander, Teucrium flavum, in 4 Unterarten beheimatet. 
Verschleppt konnte er 1886 in München-Würmkanal in Bayern (Meierott & al. 2024), in Hessen (Hand & Thieme 2024) und in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen (Kulbrock & al. 2006) gefunden werden. Subspontan auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Teucrium ×lucidrys

Der Immergrüne Gamander, Teucrium ×lucidrys, ist eine Hybride aus dem eurasiatischen Echten Gamander, T. chamaedrys, und dem in den Südwestalpen endemischen Glänzenden Gamander, T. lucidum. Die Hybride entstand 1899 (Bärtels & Schmidt 2014), wurde 1957 beschrieben und wird im Gebiet als lang ausdauernde Zierpflanze häufig genutzt. Sie verwildert daraus wahrscheinlich häufiger, als die Fundmeldungen schließen ließen, so in einer Pflanzscheibe in der Konstantinstraße in Bonn-Godesberg in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015). Im Pflanzenhandel wird die Sippe meist als Teucrium chamaedrys verkauft. Bei vielen der Verwilderungsmeldungen des heimischen Edel-Gamanders, Teucrium chamaedrys, dürfte es sich tatsächlich um Teucrium ×lucidrys handeln, weil dieser häufiger kultiviert wird. Von T. chamaedrys unterscheidet sich Teucrium ×lucidrys u.a. durch wintergrüne, dickliche, (bläulich)dunkelgrüne, stärker eingeschnittene Blätter, längere und reichblütigere Triebe mit kurzer Behaarung, eine tiefere Blütenfarbe und fehlende Ausläufer (Hassler 2024). Die Sippe wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 
 

Teucrium marum

In den Gebirgen des zentralen Mittelmeerraums ist der Katzen-Gamander, Teucrium marum, beheimatet. Er hat auf Katzen eine ähnliche Wirkung wie Katzenminze. Die Art wird selten kultiviert und 1892 für den Hafen von Mannheim in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) und ehemals für Gandria im Tessin (Hegi 1975) subspontan angegeben. Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
 

Teucrium resupinatum

Im westlichen Mittelmeergebiet ist der Zurückgebogene Gamander, Teucrium resupinatum, beheimatet. Verschleppt konnte er 1972 zusammen mit T. spinosum auf Gleisen im alten Güterbahnhof Kempten in Bayern gefunden werden (Dörr & Lippert 2004, Meierott & al. 2024). Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Teucrium spinosum

Im Mittelmeergebiet und auf den Kanaren ist der Dornige Tragant, Teucrium spinosum, ursprünglich. Verschleppt konnte er 1972 auf Gleisen im alten Güterbahnhof Kempten in Bayern gefunden werden (Dörr & Lippert 2004, Meierott & al. 2024).
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.

DAISIE (2009): Handbook of alien species in Europe. – Dordrecht: Springer.

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Genaust H. (2005): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen – Nikol, Hamburg. 701 S.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2024): Nachträge und Korrekturen zu Flora Germanica Band 1 und 2 Online-Version [Ver. 83], Stand 5.3.2024 - 1713 NACHTRAG.indd (flora-germanica.de) 

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 4). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.#

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Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): Exkursionsflora von Deutschland 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. – Berlin, Heidelberg: Spektrum.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kniely G. (2025) in: Zernig K., N. Griebl, G. Kniely, W. Kundigraber, S. Leonhartsberger, M. Pöltl & O. Stöhr: Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 12 - Natura Styriaca 1: 271−283.

Kulbrock P., Lienenbecker H. & G. Kulbrock (2005): Beiträge zu einer Neuauflage der Flora von Bielefeld-Gütersloh – Teil 6 - Ber. Naturwiss. Verein für Bielefeld u. Umgegend 45: 97-240.

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

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Murr J. (1905): Ueber das Vorkommen von Teucrium Hyrcanicum L. in Trient – Allgemeine botanische Zeitschrift für Systematik, Floristik, Pflanzengeographie etc". Druck und Verlag von J. J. Reiff.

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 5: Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Stöhr O., Pilsl P., Staudinger M., Kleesadl G., Essl F., Englisch Th., Lugmair A. & Wittmann H. (2012): Beiträge zur Flora von Österreich, IV – Stapfia 97: 53–136.

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Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Zimmermann F. (1921): Neues aus der Flora von Mannheim – Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e.V. Freiburg im Breisgau 1: 13-135.