Symphyotrichum

Herbstaster, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Symphyotrichum umfasst etwa 97 Arten (Kew 2023) in Amerika und Asien (nur S. ciliatum) mit Mannigfaltigkeitszentrum in Nordamerika (Brouillet & al. 2006). Früher wurden die Arten der Gattung innerhalb der Gattung Aster geführt. Der deutsche Botaniker Christian Gottfried Nees von Esenbeck trennte die Gattung Symphyotrichum 1833 erstmals ab. Diese Abtrennung fand bei den Botanikern damals kaum Beachtung, bis sie der US-amerikanische Botaniker Guy Nesom 1994 wiederbelebte, um die Gattungen monophyletisch zu machen. Spätere, durch DNA-Analysen gestützte Erkenntnisse bestätigen die Abtrennung und zeigen, dass die vorwiegend nordamerikanischen Aster-Arten mit den eurasischen nicht näher verwandt sind und als eigene Gattungen wie Symphyotrichum oder Eurybia von Aster abgetrennt werden müssen.
Das richtige Bestimmen der Symphyotrichum-Sippen ist aufgrund der reichlich gebildeten Hybriden schwierig. Die Verbreitungskarten der bestimmungskritischen Sippen, also praktisch aller im Gebiet vorkommenden, sind vermutlich untererfasst (Hoffmann 1996). Alte Angaben der verschiedenen Herbstaster-Sippen sind taxonomisch oft unzuverlässlich. Die morphologischen Unterschiede der Arten sind zum Teil geringfügig und wenig konstant, die nordamerikanischen Wildsippen sind derzeit noch in lebhafter Artbildung begriffen, mehrere Namenswechsel haben stattgefunden, die unseren Kultursippen zugrunde liegenden Wildsippen wurden züchterisch bearbeitet und es gibt derzeit kaum kritische Untersuchungen aus dem Gebiet (Meierott & al. 2024).

 
 

Symphyotrichum lanceolatum  

Lanzettblättrige Herbstaster,
Symphyotrichum lanceolatum  
(Syn.: Aster lanceolatus
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief: 

60–120 cm hohe Staude mit Stängeln, die unten kahl, oben mit Haarleisten versehen sind. Blätter lanzettlich bis lineal-lanzettlich, am Grund 3–6 mm breit, verschmälert und sitzend. Blütenkörbe 15–22 mm im Ø. Zungenblüten weiß bis blasslila, 0,8–1,5 mm breit. Blütezeit August bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Die ähnliche Neubelgien-Herbstaster, S. novi-belgii, hat Blätter, die am Grund 7–10 mm breit sind. Ihre Körbe messen meist 25–30 mm im Ø, ihre Zungenblüten sind meist lila.
 

Heimat:

Östliches und zentrales Nordamerika.
 

Nutzung: 

Früher als Gartenpflanze vielfach kultiviert. Gegenwärtig wird die reine Art kaum bis nicht mehr im Handel angeboten. Sie wurde durch Sorten verschiedener anderer nordamerikanischer Symphyotrichum-Arten ersetzt.
 

Ausbreitung: 

Im 18. Jahrhundert in Europa eingeführt (Krausch 2003), nach anderen Angaben (Breitfeld & al. 2017) bereits 1686 in Deutschland als Zierpflanze kultiviert. Im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa erstmals verwildert beobachtet (Rothmaler 2011), so in Sachsen 1836 (Gutte & al. 2013) und in Berlin 1856 (Seitz & al. 2012). Gegenwärtig im Gebiet vor allem in den großen Flusslandschaften häufig und auf weite Strecken eingebürgert.
Die Art vermehrt sich sowohl generativ durch Samen, als auch vegetativ durch Rhizome. Die Fernausbreitung der Samen vollzieht der Wind, die der Rhizome Fließgewässer und Gartenauswurf (Siedentopf 2005, Branquart & al. 2010).

 
DEUTSCHLAND:
Gegenwärtig in allen Bundesländern (Hand & Thieme 2024).  
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern (Glaser & al. 2025). Besonders häufig im Jauntal Kärntens und in den March-Auen Niederösterreichs. Auch in Osttirol (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1863 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Unter anderem aus den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Obwalden, Solothurn, Tessin, Uri, Waadt, Wallis und Zürich bekannt (Wagenitz 1979, Infoflora 2024). Im Kanton Zürich erstmals 1870 am Zürichhorn subspontan (Wohlgemuth & al. 2020, sub Aster lanceolatus). Auch in Liechtenstein, so in Witriet (Waldburger & al. 2003).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), seit spätestens 1835 in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024) und Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Sippen:

Symphyotrichum ciliolatum

Die Lindley-Herbstaster, Symphyotrichum ciliolatum, ist im nördlichen Nordamerika beheimatet und spielt in der heimischen Gartengestaltung keine Rolle. Die Art wird für das Gebiet 1894 für Wriezen in Brandenburg (Düvel 1991) und ehemals für Kiel in Schleswig-Holstein (Höck 1886) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Symphyotrichum cordifolium

Im östlichen Nordamerika ist die Schleier-Herbstaster, Symphyotrichum cordifolium, beheimatet. In Europa seit spätestens 1759 in gärtnerischer Kultur, nach anderen Angaben bereits seit 1635 (Jäger & al. 2008). Sie wird, meist unter dem alten Namen Aster cordifolius, in mehreren Sorten wie `Blütenregen´, `Ideal´ oder `Little Carlow´ als Zierstaude genutzt und findet sich im Gebiet selten unbeständig verwildert, so 1996 durch Selbstaussaat bei der Universität Regensburg, 2007 an einem Bauzaun in München-Westend und 2003 auf einer Gründeponie in Memmelsdorf-Lichteneiche in Bayern (Lippert & Meierott 2018), zwischen Osnabrück und Lotte in Niedersachsen (Weber 1995), in Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2024), ehemals Hillscher Wald bei Pirmasens in Rheinland-Pfalz (Paul 1922) und Insel Pagensand in Schleswig-Holstein (Urbschat 1972). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte vor 1899 an der Pegnitz unterhalb Mögeldorf (Schwarz 1899 sub Aster heterophyllus, Meierott & al. 2024). In Österreich ehemals bei Villach in Kärnten (Pehr 1932). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 1876 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Symphyotrichum dumosum

Häufig und in vielen Sorten kultiviert wird die im östlichen Nordamerika beheimatete Kissen-Herbstaster, Symphyotrichum dumosum, deren Kulturformen oft auch Hybriden mit S. novi-belgii beinhalten. Erst mit der Einkreuzung von S. novi-belgii entwickelte sich ein vielseitigeres Sortiment, das nach 1945 stärker Verbreitung fand (Jelitto & al. 1990)
Möglicherweise handelt es sich bei den im mitteleuropäischen Pflanzenhandel befindlichen S. dumosum um einen S. novi-belgii-Hybridkomplex, bei dem die echte S. dumosum gar nicht beteiligt war. Zu den gängigen, im Pflanzenhandel befindlichen Sorten gehören etwa `Blauer Gletscher´ mit einfachen, lilablauen Blüten, `Kassel´ (1968) mit karminroten Blüten oder `Herbstgruß vom Bresserhof´ (1956) mit einfachen, rosa Blüten (Jelitto & al. 1990)
Vereinzelt subspontan, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), bei Schweinfurt, Memmelsdorf-Lichteneiche und Steinbach in Bayern (Meierott 2008), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Niedersachsen (Hand & Thieme 2024), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024) und Thüringen (Hand & Thieme 2024).
 

Symphyotrichum ericoides

Die Myrten-Herbstaster, Symphyotrichum ericoides, ist im östlichen und zentralen Nordamerika und in Nordmexiko beheimatet. 
In Europa seit spätestens 1732 als Herbstblüher in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008) in zahlreichen Sorten wie `Brimstone´, `Pink Cloud´ oder `Schneetanne´. Vereinzelt verwildert sie aus diesen Pflanzungen oder tritt verschleppt auf.
So 1907 angegeben für Ilvesheim in Baden-Württemberg (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2024), 2011 nahe dem Mainufer bei Hofstetten in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), ehemals Osnabrück in Niedersachsen (Preuss 1929, Hand & Thieme 2024), Thüringen (Hassler & Muer 2022), 1940 im Stadtteil Morzg in Salzburg (Pflugbeil & Pilsl 2013) und 1930 in Graz in der Steiermark (Hamburger 1948). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Symphyotrichum laeve

Die Glatte Herbstaster, Symphyotrichum laeve, ist im zentralen und östlichen Nordamerika beheimatet.
In Europa seit spätestens 1758 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008). Es finden sich die Wildart, wie auch wenige Sorten wie `Calliope´ im Pflanzenhandel. Die Art ist mittlerweile aus dem gesamten Gebiet und in fast allen Regionen verwildert bis eingebürgert bekannt (Hand & Thieme 2024, Glaser & al. 2025), in der Schweiz sehr selten (Infoflora 2024). Fundangaben für das Saarland und für Schleswig-Holstein werden in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als irrig geführt. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1895 (Glaser & al. 2025)
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), 2013 in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024) und seit 1851 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Symphyotrichum lateriflorum

Im zentralen und östlichen Nordamerika ist die Seitenblütige Herbstaster, Symphyotrichum lateriflorum, beheimatet. 
Sie wird als Zierstaude genutzt, besonders gerne in der dunkelblättrigen Sorte `Prince´ und im Gebiet für Brandenburg subspontan angegeben (Hand & Thieme 2024). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), 2008 und 2014 in Belgien (Verloove 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Symphyotrichum novae-angliae

Sie nordamerikanische Raublatt-Herbstaster, Symphyotrichum novae-angliae, wird in Europa als Zierstaude seit etwa dem Jahr 1700 kultiviert (Jäger & al. 2008).
Sie findet sich in zahlreichen Sorten wie `Alma Pötschke´ (1969) oder `Andenken an Paul Gerber´ (1950) im Pflanzenhandel (Jelitto & al. 1990). Hybriden mit S. ericoides werden S. ×amethystinum genannt. 
Gegenwärtig in fast allen Regionen des Gebiets bereits subspontan gefunden worden (Hand & Thieme 2024, Glaser & al. 2025, Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024), nicht selten auch lokal eingebürgert (Adolphi 1990). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1967 (Glaser & al. 2025). Aus dem Kanton Zürich ist sie um 1900 aus der Stadt Zürich und aus Otelfingen belegt, aktuell liegen Fundmeldungen aus 12 Flächen vor (Wohlgemuth & al. 2020 sub Aster novae-angliae).
 
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), seit 1953 in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1985 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Symphyotrichum novi-belgii

Von der im östlichsten Nordamerika beheimateten Neubelgien-Herbstaster, Symphyotrichum novi-belgii, sandte der niederländische Arzt Johann Hieronymus Kerfpyl Samen von Nordamerika nach Europa, wo sie 1686 im Botanischen Garten Leiden das erste Mal blühten. Um 1700 wurde die Art in Schlesien, 1735 in Leipzig und 1746 in Berlin kultiviert (Krausch 2003)
Die Art findet sich in zahlreichen Sorten wie `Blaue Nachhut´ (1950) mit später, hellblauer Blüte, `Karminkuppel´ mit einfachen, purpurrosa Blüten oder `Weißes Wunder´ mit einfachen weißen Blüten im Pflanzenhandel. Viele der in England gezüchteten Sorten zeigen sich in Mitteleuropa besonders mehltauanfällig (Jelitto & al. 1990).
 
Erste Verwilderungsmeldungen aus dem Gebiet stammen aus dem 19. Jahrhundert und gegenwärtig kommt die Art ± im gesamten Gebiet verwildert bis örtlich eingebürgert vor (Hand & Thieme 2024, Glaser & al. 2025, Infoflora 2024). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1870 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1850 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1865 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012 sub Aster novi-belgii agg.).
 
Der Artbeiname ist interessant, weil es ein Neu-Belgien in Nordamerika nicht gab. Der Name bezieht sich auf die niederländische Kolonie Neu-Holland, dem heutigen Staat New York, aus dem 17. Jahrhundert, da „Belgica foederata“ damals der lateinische Begriff für die Vereinigten Niederlande war (Harrison 2012).
 

Symphyotrichum oolentangiense

Die Olentangy-Herbstaster, Symphyotrichum oolentangiense, ist nach dem Olentangy-Fluss in Ohio benannt. Der Erstbeschreiber Riddel schrieb den Namen falsch mit zwei „O“. Die Art ist im östlichen und zentralen Nordamerika verbreitet und spielt in der heimischen Gartengestaltung keine Rolle. Sie wird für das Gebiet 2018 auf einer Grünfläche in München-Neuperlach in Bayern zusammen mit anderen seltenen nordamerikanischen Arten angegeben (Fleischmann 2018). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt, auch nicht in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024).
 
 

Symphyotrichum parviflorum

Die Kleinkörbige Herbstaster, Symphyotrichum parviflorum (inkl. S. tradescantii, Syn.: S. expansum) wurde früher als Zierpflanze kultiviert und findet sich heute in Teilen des Gebiets verwildert bis lokal eingebürgert. Die Art dürfte bereits 1637 in die europäischen Gärten eingeführt worden sein (Wagenitz 1979). 1718 wird sie erstmals als verwildert in Rupps „Flora Jenensis“ erwähnt (Wagenitz 1979). Andere Autoren vermuten, dass die Art in Europa aus Kultur amerikanischer Arten entstanden ist (Gutte & al. 2013).
 
In Österreich fehlend (?), für Kärnten von Pehr (1938 sub Aster tradescanti) als häufig auf Schuttplätzen um Villach angegeben. Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023). Die Fundangabe für Zwentendorf in Niederösterreich (Bernhardt & al. 2013) ist unsicher und wird hier nicht akzeptiert. Laut aktueller Neophytenliste für Österreich (Glaser & al. 2025) wurde das Taxon wahrscheinlich fälschlicherweise für Österreich erfasst. Im Kanton Zürich 1874 erstmals in Höngg und seither mehrmals in der Stadt Zürich nachgewiesen, aktuelle Funde bei Adliswil und Hirzel (Wohlgemuth & al. 2020, sub Aster parviflorus).
 

 

Symphyotrichum phlogifolium

Im östlichen Kanada ist die Durchwachsenblättrige Herbstaster, Symphyotrichum phlogifolium, beheimatet. Sie hat und hatte im Gebiet als Zierstaude nie eine Bedeutung, wird aber für Baden-Württemberg subspontan (Hand & Thieme 2024) angegeben. Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
 
 

Symphyotrichum pilosum

Die Frost-Herbstaster, Symphyotrichum pilosum, wird selten als Zierstaude oder Beiwerk für die Blumenbinderei kultiviert und vereinzelt subspontan angegeben, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), 2003 an einem Lärmschutzwall in Nürnberg-Süd in Bayern (Gatterer & Nezadal 2003), Hessen (Hand & Thieme 2024) und 1998 bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern (König 2005, Hassler & Muer 2022). Die Fundangaben für Bayern und Mecklenburg-Vorpommern werden in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt. Beim bayrischen Fund handelt es sich möglicherweise um eine Verwechslung mit S. ericoides (Maierott & al. 2024). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt. In Österreich ehemals Graz in der Steiermark (Melzer 1975, Walter & al. 2002 sub Aster pilosus). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1968 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. seit 1947 auch in Belgien (Verloove 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Symphyotrichum (×)salignum

Die Weidenblättrige Herbstaster, Symphyotrichum (×)salignum, ist aus Lanzettblättriger Herbstaster, Symphyotrichum lanceolatum, und Neubelgien-Herbstaster, Symphyotrichum novi-belgii hybridogen entstanden. 
Es dürfte sich um eine in Europa entstandene, artgewordene Hybride handeln. Sie trat bereits im Jahr 1787 im Elbtal bei Barby in Menge verwildert auf (Krausch 2003), galt lange Zeit als einheimisch und findet sich gegenwärtig ± im gesamten Gebiet (Hand & Thieme 2024, Glaser & al. 2025, Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024) subspontan bis lokal eingebürgert. Eine Fundangabe für das Saarland wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als irrig geführt. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1870 (Glaser & al. 2025). Die Angabe von Traxler (1963) für das Burgenland bleibt zu prüfen, möglicherweise handelt es sich um eine Verwechslung mit Symphyotrichum lanceolatum (Gilli & al. 2022). Sichere Nachweise fehlen. In der Schweiz vor allem mit alten Angaben (Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024)
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Stace 2010), Frankreich (Tison & Foucault 2014), Italien (Galasso & al. 2024) und seit 1872 in Tschechien (Pyšek & al. 2012). In Nordamerika konnte die Art noch nicht gefunden werden (Wagenitz 1979).
 

 

Symphyotrichum squamatum

Die im östlichen Nordamerika und in Nordmexiko beheimatete Pfriemen-Herbstaster, Symphyotrichum squamatum agg. (Syn.: Symphyotrichum subulatum; Aster squamatus), spielt gärtnerisch keine Rolle, wird aber für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Hassler & Muer 2022), 1998 im Bamberger Hafen in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), für Berlin (Hassler & Muer 2022), Sachsen (Hand & Thieme 2024) und den Kantonen Genf, Tessin, Waadt und Wallis (Infoflora 2024 sub Aster squamatus) subspontan angegeben. Die Fundangabe für Berlin wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt. Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), 1895 und 2017 in Belgien (Verloove 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024). In Südeuropa bereits weit verbreitet (Hassler 2021), von dort gelangt die Art über Baumschulpflanzen in weite Teile Europas (Verloove 2021).
 
Die neophytischen Pflanzen in Deutschland sind uneinheitlich und der Verdacht liegt nahe, dass es sich um verschiedene Arten handelt. Die große Variabilität und die Überlappung von Merkmalen verursachen Probleme bei der Bestimmung. In den natürlichen Verbreitungsgebieten handelt es sich um 4 Taxa, deren taxonomischer Status umstritten bleibt: S. expansum, S. divaricatum und S. subulatum aus Nordamerika und S. squamatum s.str. aus Südamerika (Hassler 2024). Hier wird die Gruppe als S. squamatum agg. zusammengefasst.
 

Symphyotrichum ×versicolor

Seltener wird (wurde) die Bunte Herbstaster, Symphyotrichum ×versicolor, kultiviert. Sie entstand als Hybride aus Glatter Herbstaster, Symphyotrichum laeve, und Neubelgien-Herbstaster, S. novi-belgii, vermutlich in Europa und ist aus Nordamerika nicht bekannt (Brouillet & al. 2006). Im Gebiet vielerorts unbeständig (Hand & Thieme 2024, Glaser & al. 2025, Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1915 (Glaser & al. 2025). Eine Fundangabe für Zwentendorf in Niederösterreich (Bernhardt & al. 2013) ist unsicher und wird hier nicht akzeptiert. Die Angabe für Salzburg in Janchen (1956–60) geht auf Leeder & Reiter (1958) zurück. Dort wird sie aber als kultiviert angeführt (Walter & al. 2002). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Belgien (Verloove 2021), Italien (Galasso & al. 2024) und Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 

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