Spartium

Rutenginster, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Spartium junceum

Rutenginster,
Spartium junceum,
Hülsenfrüchtler, Fabaceae
 

Steckbrief:

Bis 3 m hoher, sparrig verzweigter, besenförmiger, giftiger Strauch mit ungeflügelten Zweigen und nur wenigen Blättern. Diese ungeteilt, 1,5–3 cm lang, 3-5 mm breit, lanzettlich, kahl. Die Blätter werden als Verdunstungsschutz im Sommer abgeworfen. Blüten etwa 3 cm groß, in Trauben. Krone goldgelb, ver­trocknet bräunlich. Hülse anfangs seidig behaart, später verkahlend. Blütezeit Mai bis Juli.
 

Heimat:

Mittelmeergebiet.
 

Nutzung:

Zierpflanze, seit 1584 gärtnerisch genutzt (Bärtels & Schmidt 2014), damals etwa in Eichstätt und in Schlesien (Hegi 1975). Aufgrund seiner mediterranen Herkunft wird der Rutenginster im heimischen Gartenbau bisher nur selten als Freilandpflanze angeboten. Aus den Bastfasern wurden im Altertum Seile und Taue hergestellt.
 

Ausbreitung:

Vereinzelt verwildert oder verschleppt. Mittlerweile in Wärmegebieten winterhart (Hassler & Muer 2022). Zum Zwecke des Erosionsschutz etwa entlang von Autobahnen wurde der Rutenginster in zahlreichen Ländern eingeführt. Er ist durch seine Giftigkeit für die meisten Nutztiere, außer für Ziegen, ungenießbar und verringert durch seine monospezifischen Bestände den Wert des Weidelandes. Gleichzeitig erhöht er die Brandgefahr.
DEUTSCHLAND:
Ehemals Ulm, 2001 Neuenburg-Steinenstadt und 1993 im Rheinhafen Karlsruhe in Baden-Württemberg (Fiedler 1936, Breunig 2003, Hassler 2021), Berlin (Hand & Thieme 2024), über mehrere hundert Meter lang östlich Niederpleis in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015), Fahr und St. Martin in Rheinland-Pfalz (Adolphi 1997, Nowack & Adolphi 1995, Hand & Thieme 2024) und Thüringen (Zündorf & al. 2021). Die alte Angabe von der Großmarkthalle Leipzig in Sachsen (Fiedler 1944) betraf lediglich Pflanzenteile im Verpackungsmaterial.
ÖSTERREICH:
Ehemals Eisenstadt im Burgenland (Janchen 1977, Gilli & al. 2022), Teesdorf, Bad Vöslau und Leobersdorf in Niederösterreich (Janchen 1977, Hegi 1975, Glaser & al. 2025), Mühlbacherkogel bei Rein in der Steiermark (Griebl 2020) und Prater in Wien (Essl & Rabitsch 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025). Ein 1958 von Höfler gesammelter Beleg aus Friedberg in der Steiermark (W 2011-0003604) dürfte aus Kultur stammen und stellt keinen eindeutigen Nachweis einer Verwilderung dar (Griebl in: Gilli & al. 2021). Im Herbersteingarten auf dem Grazer Schlossberg wird die Art schon seit Langem kultiviert (Hanselmayer 1956) und findet sich auch heute noch dort (Griebl in: Gilli & al. 2021). In Südtirol nahe dem Reichriegler Hof in Bozen (Wilhalm & al. 2014).
SCHWEIZ:
Mehrfach in der westlichen Schweiz (Infoflora 2024), sonst nur vereinzelt. Genauer in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Genf, zwischen Bóle und Colombier im Kanton Neuenburg (Thellung 1919), in der Waadt, im Rhonetal des Wallis und im Kanton Zürich (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021). In Südafrika und Kalifornien lokal invasiv.
 

 

Quellen

Adolphi K. (1997): Neophytische Kultur- und Anbaupflanzen als Kulturflüchtlinge des Rheinlandes, 1. Nachtrag – Osnabrücker Naturwiss. Mitt. 23: 27–36.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Breunig T. (2003): Neue Fundorte-Bestätigungen-Verluste (97-241) – Ber. d. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 2: 129–146.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Griebl N. (2020): Spartium junceum am Pleschkogel - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=2363&p=12180&hilit=spartium#p12180



Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2021): Flora des Landkreises Karlsruhe. Bildatlas und Datenbank. Version 4.16; Stand 13.7.2021

Hanselmayer F. (1956): In Graz gepflanzte Laubhölzer. – Graz: Selbstverlag der Abteilung für Zoologie und Botanik am Landesmuseum Joanneum.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 4 (Teil 3). 2.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 1114–1750.

Höfler K. (1958): Virtual Herbaria JACQ – Spartium junceum – https://herbarium.univie.ac.at

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Janchen E. (1977): Flora von Wien, Niederösterreich und Nordburgenland. — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 2. Aufl. 757 S.

Nowack R. & Adolphi K. (1995): Der Pfriemenginster (Spartium junceum L.) in der Pfalz bei St. Martin. Flor. Rundbr. 29(2): 157 – 159.

Thellung A. (1919): Beiträge zur Adventivflora der Schweiz (III) – Mitteilungen aus dem botanischen Museum der Universität Zürich.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wilhalm T., Hilpold A., Hölzl N. Pizzulli A. & Winkler J. (2014): Ergänzungen und Korrekturen zum Katalog der Gefäßpflanzen Südtirols (6) – Gredleriana Vol.14: 183–192.

Zündorf H.J., Günther K.F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena: 764 S.