Soda inermis
Soda-Salzkraut,
Soda inermis
(Syn.: Salsola soda),
Amarantgewächs, Amaranthaceae
Steckbrief:
Bis 50 cm große, niederliegende bis aufrechte Einjährige mit linealischen, bis 6 cm langen, stachellosen oder mit kurzer Stachelspitze versehenen Blättern. 1−3 in den Achseln eines Tragblattes sitzende Blüten. Tragblatt und Vorblätter stachellos oder kurz bedornt, das Tragblatt sich im Laufe des Jahres vergrößernd. Blüten mit 5 Staubblättern, Griffel mit 2 Narben. Perigonzipfel über der reifen Frucht aufgerichtet, nicht geflügelt. Blütezeit Juli bis September.
Heimat:
Vom Mittelmeergebiet bis Kasachstan und Westchina.
Nutzung:
Die Pflanze hatte eine große historische Bedeutung als Quelle für Soda, die aus der Asche von Soda inermis und anderen Salzkrautpflanzen gewonnen wurde. Soda ist eine der alkalischen Substanzen, die bei der Glasherstellung und Seifenherstellung entscheidend sind. Im 18. Jahrhundert hatte Spanien eine Industrie, die Barilla, die pflanzliches Soda aus Salzkrautpflanzen herstellte (Pérez 1998). In ähnlicher Weise hatte Schottland im 18. Jahrhundert eine Industrie, die Soda aus Seetang herstellte. Dieser Wirtschaftszweig war so lukrativ, dass sie zu einer Überbevölkerung auf den Western Isles von Schottland führte, und eine Schätzung besagt, dass 100.000 Menschen in den Sommermonaten mit "Kelping" beschäftigt waren. Die Kommerzialisierung des Leblanc-Verfahrens zur Synthese von Natriumkarbonat aus Salz, Kalkstein und Schwefelsäure beendete die Ära der Landwirtschaft für Soda in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Für die Phytosanierung wird Soda inermis als entsalzende Begleitpflanze für Kulturen wie Tomaten und Paprika untersucht, wenn sie in salzhaltigen Böden angebaut werden (Colla & al. 2006). Die Pflanze extrahiert genug Natrium aus dem Boden, um das Wachstum der Kulturpflanze zu verbessern.
In der Küche schätzt man die jungen, dicken, fleischigen und stängelartigen Blätter roh oder kurz blanchiert und ähnlich wie Spinat verarbeiteten „Mönchsbart“, manchmal auch „Agretti“ genannt.
Ausbreitung:
DEUTSCHLAND:
Angegeben im Gebiet ehemals für Mannheim in Baden-Württemberg (Ascherson & Graebner 1919, Hegi 1979, Hand & Thieme 2024), 1922 für Nürnberg und vor 1914 für den Münchner Südbahnhof in Bayern (Schultheiss 1891, Vollmann 1914, Hand & Thieme 2024), ehemals für Duisburg-Ruhrort in Nordrhein-Westfalen (Höppner 1910) und Mügeln, Dresden und Leipzig in Sachsen (Hegi 1979, Hand & Thieme 2024). Ein Beleg von Nürnberg-Zollamt von 1922 gehört zu Salsola tragus (Meierott & al. 2024 sub Salsola soda). Rilke in Wisskirchen & Haeupler (1998 sub Salsola soda) nennt ein Vorkommen von Soda inermis in Mitteleuropa als „sehr zweifelhaft“ (Meierott & al. 2024 sub Salsola soda).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Ehemals subspontan in Großbritannien (Clement & Foster 1994).