Sinapis

Senf, Kreuzblütler, Brassicaceae

Gattung:

Sinapis umfasst etwa 4 Arten, die im Mittelmeerraum beheimatet sind mit Mannigfaltigkeitszentrum im nördlichen Algerien. Molekularen Studien zufolge kann Sinapis auch als Teil einer weit umfassten Gattung Brassica gesehen werden (Al-Shehbaz & al. 2006). Arias & Pires (2012) wiederum schlugen vor, Sinapis um Mitglieder von Brassica, einschließlich B. nigra, zu erweitern. Bis der Sachverhalt eindeutig ist wird Sinapis hier im traditionellen Sinn behandelt.
Senf werden auch Arten genannt, die der Gattung Brassica angehören, so der Schwarze Senf, Brassica nigra und der Ruten-Senf, Brassica juncea.

 

Sinapis alba

Weißer Senf,
Sinapis alba,
Kreuzblütler, Brassicaceae

 

Steckbrief:

Bis 100 cm hohe Einjährige mit kantigem Stängel und fiederschnittigen leierförmig gefiederten Blättern mit buchtig gelapptem Endabschnitt. Kronblätter gelb, in doldigen Trauben. Schötchen borstig behaart, 2−4 cm lang, Schnabel abgeflacht, schwertförmig gekrümmt. Reife Schötchen mit 4−8 hellgelben Samen. Blütezeit Juni bis Oktober.
 
Anmerkung:
Der Name „Weißer Senf“ bezieht sich auf die hellen Samenkörner im Vergleich zu den dunklen Samenkörnern des Schwarzen Senfs, Brassica nigra. Die Blütenfarbe ist bei beiden gelb.
 

Heimat:

Wahrscheinlich weites Mittelmeergebiet und Südwest-Asien. Die Art wird von manchen Autoren als Archäophyt für Mitteleuropa geführt (z.B. Wohlgemuth & al. 2020).
 

Nutzung:

Häufig als Gründünger, Bodenverbesserer, Futter- und Gewürzpflanze (Speisesenf) gebaut. Weißer Senf wird auch als Zwischenfrucht genutzt, die später zur Humusanreicherung in den Boden eingearbeitet wird. Besonders gerne wird Senf als Zwischenfrucht bei Zuckerrüben eingesetzt, weil er schädliche Rübennematoden reduziert.
Die Samenkörner sind Bestandteil des Senf-Gewürzes. Auch die Blätter sind essbar, in der indischen Küche werden diese wie Spinat verwendet. Senf beinhaltet Senfölglykoside, die für den scharfen Geschmack verantwortlich sind und Bakterien, Pilze und Viren abtöten und zudem antioxidativ und entzündungshemmend wirken. Außerdem ist Senf reich an Eisen, Kalzium, Selen, Phosphor und Vitamin B3.

 

Ausbreitung:

Regelmäßig subspontan, aber meist nur vorübergehend. Gelegentlich auch die südosteuropäische subsp. dissecta mit zerschlitzten Blättern.
DEUTSCHLAND:
In fast allen Bundesländern (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern unbeständig (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1864 (Glaser & al. 2025). Auch in Südtirol.
SCHWEIZ:
Im außeralpinen Gebiet weit verbreitet (Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Frankreich (Jalas & al. 1996), Rumänien (Jalas & al. 1996), dem europäischen Russland (Jalas & al. 1996), in der Ukraine (Jalas & al. 1996) und seit 1875 in Tschechien (Pyšek & al. 2012). Weißer Senf tritt als alte Kulturpflanze gegenwärtig fast weltweit subspontan auf.

 
Weitere Art:

Sinapis pubescens

Im zentralen Mittelmeergebiet von Algerien bis Libyen, Frankreich und Albanien ist der Flaumige Senf, Sinapis pubescens (Syn.: Rhamphospermum pubescens) beheimatet. 
Im Gebiet angegeben 1912 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2024) und 1918 als Südfruchtbegleiter für den Güterbahnhof Zürich (Scheuermann 1930). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1990) nicht geführt, auch nicht in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020)
Subspontan auch für die Niederlande angegeben (FLORON 2021).
 

Quellen

Al-Shehbaz I. A., Beilstein M.A. & Kellogg E.A. (2006): Systematics and phylogeny of the Brassicaceae (Cruciferae): An overview. Pl. Syst. Evol. 259: 89-120.

Arias T. & Pires J.C. (2012): A fully resolved chloroplast phylogeny of the brassica crops and wild relatives (Brassicaceae: Brassiceae): Novel clades and potential taxonomic implications. Taxon 61(5): 980-988.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/



Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Scheuermann R. (1930): Mittelmeerpflanzen der Güterbahnhöfe des rheinisch-westfälischen Industriegebiets – Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westfalen 86: 256-342. 

Sebald O., Seybold S. & G. Philippi (1990): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 2: Hypericaceae bis Primulaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Welten M. & R. Sutter (1982): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz, 2 Bände, Birkhäuser Verlag.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.