Silybum

Mariendistel, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Silybum marianum  

Mariendistel,
Silybum marianum  
Korbblütler, Asteraceae
 

Steckbrief: 

60−120 cm hohe Ein- bis Zweijährige mit meist verzweigten, nicht geflügelten Stängeln und auffallend weiß gezeichneten Blättern. Diese länglich-elliptisch, buchtig fiederteilig, glänzend, kahl, am Rand dornig. Köpfchen einzeln. Hüllblätter mit großem Anhängsel, dieses stachelig gezähnt, in einen 2−4 cm langen, kräftigen Dorn auslaufend. Krone purpurn, tief fünfspaltig. Blütezeit Juni bis August.
 

Nutzung: 

Arznei- und Zierpflanze. Der Wirkstoffkomplex Silymarin mit dem Hauptwirkstoff Silybin wird vor allem wegen seiner leberschützenden Wirkung in der Medizin eingesetzt (Hechtman 2012). Bedeutung hat die Mariendistel auch als Gegenmittel bei Knollenblätterpilz-Vergiftungen. Aufgrund ihrer Heilwirkung wird die Mariendistel feldmäßig angebaut, wobei die Kulturformen einjährig sind. Wirkstoffe der Mariendistel sind etwa in Arzneimitteln wie Iberogast (Bayer AG), Legalon 140 (Meda-Pharma GmbH) oder Simepar-Acino (Acino Pharma AG) enthalten. Mariendistelfrüchte werden auch im Bereich der Nutztierfütterung eingesetzt, wobei hier vor allem die lebertherapeutische Wirkung im Vordergrund steht. Das Kraut hingegen soll aufgrund seines hohen Nitratgehaltes für Rinder und Schafe ungeeignet sein (Bean 2020).
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Südeuropa, Südwest-Asien und Nordafrika. Seit spätestens dem 12. Jahrhundert aus dem Gebiet bekannt, Hildegard von Bingen nannte sie „Vehedistel“ (Krausch 2003).
Sie ist in Saatgutmischungen für Blumenbrachen und in Vogelfutter enthalten und gegenwärtig im Gebiet weit verbreitet, lokal etabliert. Die Samen haben ein ölreiches Anhängsel, das für Ameisen attraktiv ist und von diesen verbreitet wird. Ernteameisen, etwa aus der Gattung Messor tragen die Samen in ihre Nester, entfernen das Elaiosom und entsorgen den Samen im Nestbereich.

 
In Nord- und Südamerika, Pakistan und Südaustralien mancherorts invasiv (Wagenitz 1987, Khan & al. 2022). Darwin berichtete 1873 über die Invasivität der Pflanze in Südamerika: „Sehr viele, wahrscheinlich mehrere hundert Quadratmeilen sind von einer Masse dieser stacheligen Pflanzen bedeckt und für Mensch oder Tier undurchdringlich. Über den hügeligen Ebenen, wo diese Disteln vorkommen, kann nichts anderes mehr leben“ (CABI 2022).
Die Art wird von manchen Autoren im Gebiet als Archäophyt gesehen, so z.B. von Wohlgemuth & al. (2020).

 
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern verschleppt oder verwildert, so beispielsweise Mannheim, Oberbruch, Neuwiesen, Bruchsal, Poltringen, Schapbach und Freiburg in Baden-Württemberg (Junghans 2014, Sebald & al. 1996), Haselbach, Felding bei Pocking und Schwebheim in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Hohla 2002, Meierott 2008), Dergenthin, Perleberg und Havelberg in Brandenburg (Fischer 2017), Hessen (Hassler & Muer 2022), Malchin in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Osnabrück und Bentheim in Niedersachsen (Weber 1995), Dortmund, Geseke, Werne-Stockum, Fröndenberg-Altendorf, Meerbusch-Nierst und Erkrath in Nordrhein-Westfalen (BBV 2013, BBV 2022, BBV 2024), Rheinland-Pfalz (Hassler & Muer 2022), Leipzig in Sachsen (Gutte 2006) und auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022).
ÖSTERREICH:
Vereinzelt und unbeständig in allen Bundesländern, so in Eisenstadt und Steinbrunn im Burgenland (Janchen 1977, Gilli & al. 2022), Gail- und Drautal und bei Klagenfurt in Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), Traiskirchen in Niederösterreich (Sauberer & Till 2017), 2008 bei Fraham, 2011 in Alkoven, 1996 bei Wels, Obernberg am Inn, Mehrnbach, Rosenegg a. d. Steyr und Tödling bei St. Florian in Oberösterreich (Stöhr & al. 2012, Hohla 2002, Essl 2002, Essl & Hauser 2005), 2010 bei Siggerwiesen, 2008 Salzburg-Maxglan und 2011 Salzburg-Liefering in Salzburg (Stöhr & al. 2012), Graz in der Steiermark (Wagenitz 1987, Glaser & al. 2025), Kufstein, Mayrhofen, Innsbruck und Stainach am Brenner in Nordtirol (Polatschek 1997, Glaser & al. 2025), Osttirol (Glaser & al. 2025), zwischen Riefensberg und der Bolgenachbrücke in Vorarlberg (Dörr & Lippert 2004) und Johannesberg und Schönbrunn in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1859 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: 
Vielfach verschleppt, lokal eingebürgert (Wagenitz 1987), so in den Kantonen Aargau, Appenzell-Ausserrhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Genf, Graubünden, Jura, Luzern, Neuenburg, Tessin, Thurgau, Waadt, Wallis und Zürich (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich von vor 1931 um Zürich-Stadt, Winterthur und im Robenhuserried bei Wetzikon bekannt, seit 2000 aus 6 Quadranten belegt, drei in der Stadt Zürich, bei Uster, Kloten und Niederwennigen (Wohlgemuth & al. 2020). Auch in Liechtenstein (Waldburger & Staub 2006).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1853 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

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