Silphium

Becherpflanze, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Silphium umfasst, exklusive Engelmannia und Sphagneticola, etwa 16 Arten (Kew 2023), die alle im zentralen und östlichen Nordamerika beheimatet sind.
 

 

Silphium perfoliatum 

Durchwachsene Becherpflanze,
Silphium perfoliatum 
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief: 

1,5−2,5 m hohe, langlebige Mehrjährige mit kantigen Stängeln und am Grund verwachsenen Stängelblättern. Blätter dreieckig, 10−40 cm lang, am Rand scharf gezähnt. Blütenstand schirmrispig, Körbe 5−8 cm im Ø, mit meist 18−28 Zungenblüten, Hüllblätter anliegend. Blütezeit Juli bis Oktober.
 

Nutzung: 

Zier-, Silage-, Energie-, Gründünger- und Bienenpflanze. Als Futterpflanze Ende des 20. Jahrhunderts im Gebiet angebaut (Gutte & al. 2013), gegenwärtig vor allem als Futterpflanze für Kaninchen genutzt. Die Becherpflanze ist eine potentielle Energiepflanze, die in der Ausbeute von Biomasse für Biogas vergleichbar mit Energiemais ist. Silphium hat den Vorteil, dass es die Feuchtigkeit auch aus den Blattbechern nutzen kann. Ökologisch liegt ihr Vorteil vor allem in der Mehrjährigkeit, wodurch ab dem 2. Standjahr kein Herbizideinsatz mehr notwendig ist, die Bodenerosion verringert wird, und ab dem 2. Standjahr nicht mehr gedüngt werden muss (Kempkens 2016). Weitere Vorteile von Silphium gegenüber Mais sind etwa, dass Silphium keine Nahrungspflanze für Schwarzwild ist, die Standzeit der Kultur bis zu 20 Jahre beträgt und die Blüten wertvolle Nektarspender für Insekten sind (Neumann 2018). Die Art wird von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit als Energiepflanze für die großflächige Kultur empfohlen (AGES 2021). Versuchskulturen wurden bereits in Niederösterreich (Strem, Grabenegg, Schönfeld) und in Wien-Hirschstetten angelegt (Mayr & al. 2013).              
 

Ausbreitung: 

Beheimatet im östlichen und zentralen Nordamerika. Um 1762 nach Europa gekommen (Jäger & al. 2008), 1808 war sie im Botanischen Garten Berlin vertreten (Krausch 2003). Im Gebiet vereinzelt subspontan auftretend mit Verbreitungsschwerpunkt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, u.a. in Baden-Württemberg (Hassler & Muer 2022), Franken und Niederbayern in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), Potsdam und Perleberg in Brandenburg (Klemm 2002, Kummer & Buhr 2006, Fischer 2017), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Neubrandenburg, Malliß und Rothenmühl in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), am Okerufer bei Braunschweig und in den Allerdreckswiesen zwischen Eldingen und Nordburg in Niedersachsen (Brandes 2003, Langbehn 2017), Attendorn im Kreis Olpe, 2021 in Balve, 2023 Herzebrock-Clarholz, 2023 Kamen, 2024 in Bergkamen-Rünthe, 2024 in der Lünener Straße in Werne und 2024 entlang eines Maisfeldes in Kamen-Derne in Nordrhein-Westfalen (BBV 2017, BBV 2023, BBV 2024, BBV 2025), zwischen Braubach und Oberlahnstein in Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024), Leipzig-Großstädteln, Cradefeld, Dresden und Pillnitz in Sachsen (Gutte 2006, Wagenitz 1979), bei Arnstedt, Salzwedel, Sandersdorf und Wallwitz in Sachsen-Anhalt (John 2019, Brennenstuhl 2010, Wölfel 2013), 2021 in einem Maisacker am Stavensweg in Klixbüll in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023) und bei Uhlstädt, Rottleben, Bendeleben und Steinthaleben in Thüringen (Zündorf & al. 2006, Barthel & Pusch 1999).
ÖSTERREICH: 
Selten, so zwischen Thernberg und Bromberg, zwischen Guntramsdorf und Laxenburg, ehemals in der Schwechatau bei Guntramsdorf, im Schlattenbachtal in der Buckligen Welt, 1988 in Stetteldorf am Wagram im Weinviertel, 2017 bei Stronegg, 2020 bei Großengersdorf und 2021 oberhalb des Glaslauterriegels bei Pfaffstätten in Niederösterreich (Wołoszczak 1873, Wagenitz 1979, Janchen 1977, Vitek & al. in: Gilli & al. 2021), 2021 in Schalchen und ebenfalls 2021 in Geinberg in Oberösterreich (Hohla 2022), 2019 in einer Unkrautflur bei Grödig und 2020 und 2021 nahe der Westbahn bei Bayerham nahe Seekirchen am Wallersee im Flachgau Salzburgs (Eichberger & al. 2021, Vitek & al. in: Gilli & al. 2021) und 1908 bei Ehrenhausen und später bei Köflach in der Steiermark (Dolenz 1908, Melzer 1971, Wagenitz 1979, Wagner 2016, Essl & Rabitsch 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1873 (Wołoszczak 1873).
SCHWEIZ:  
Selten, so im Kanton Basel-Landschaft (Infoflora 2024), ehemals in Pensier und Amlikon im Kanton Freiburg (Wagenitz 1979), im Kanton St. Gallen (Infoflora 2024), ehemals im Thurgau (Wagenitz 1979) und in der Waadt (Infoflora 2024).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024) und seit 1885 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 

Quellen

AGES (2021): Silphium perfoliatum L. https://www.ages.at/bioenergie/silphie/

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