Sigesbeckia

Siegesbeckie, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Sigesbeckia umfasst etwa 11 Arten (Kew 2023), die in Amerika, Asien, Australien und Afrika beheimatet sind. Sigesbeckia serrata mit stärker gesägten Blättern wird teilweise als eigene Art geführt, teilweise in eine variable S. jorullensis eingeschlossen.
 

 

Sigesbeckia jorullensis

Herzblättrige Siegesbeckie,
Sigesbeckia jorullensis
(inkl. S. serrata; Syn.: S. cordifolia
Korbblütler, Asteraceae
 

Steckbrief: 

50−120 cm hohe, drüsig behaarte, sparrig verzweigte, vielkörbige Einjährige. Stängel oft purpurn überlaufen. Blätter gegenständig, Blattstiel am Grund öhrchenartig erweitert, Blattspreite gezähnt bis scharf gesägt. Körbe klein, Zungenblüten dreiteilig, Röhrenblüten fünfzipfelig, Hüllblätter stark drüsig, äußere Hüllblätter meist 5, strahlig abstehend, linealisch, 10−15 mm lang, deutlich länger als die Körbchen. Blütezeit August bis September.
 

Name:

Die Gattung ist nach dem Arzt und Botaniker in Petersburg Johann Georg Siegesbeck (1686−1755) benannt. Siegesbeck praktizierte zunächst als Arzt, war als Verwalter im Botanischen Garten St. Petersburg tätig und wurde 1742 in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Sein schwieriger Charakter führte immer wieder zu Auseinandersetzungen, sei es mit Kollegen oder der Akademie der Wissenschaften selbst. Er widersetzte sich dem Linnéschen Sexualsystem, welches er für unsittlich hielt und polemisierte gegen Johannes Gottlieb Gleditsch, der Linné gegen seine Angriffe verteidigte. Seine Entlassung erfolgte schließlich 1747 durch den Akademie-Präsidenten. Linné war stets bemüht, für seine Pflanzenbenennungen geeignete Parallelen zu den geehrten Personen herzustellen. Seinen Widersacher Siegesbeck soll er mit einem stinkenden Kraut mit vielen winzigen Widerhaken und durch eine falsche Schreibweise des Namens 'geehrt' haben. Es geht die Geschichte, dass Linné auf einem Samenpäckchen dieser Pflanze die Beschriftung änderte in 'Ingratus cuculus' - undankbarer Kuckuck. Per 'Zufall' erhielt Siegesbeck dieses Päckchen und war höchst beleidigt. Sämtliche Vermittlungsversuche durch andere Botaniker scheiterten (Burkhardt 2018).
Das Art-Epitheton jorullensis wurde nach dem zentralmexikanischen Vulkan El Jorullo (Michoacán, 1.330 m über NN) benannt, dem Sammelort des Typusexemplars.
 

 

Nutzung: 

Keine.
 

Ausbreitung: 

Beheimatet in Mittelamerika und dem westlichen Südamerika. Wahrscheinlich mit südamerikanischer Wolle und Handelsdünger aus Wollabfällen nach Europa gekommen. In Hamburg 1919 zuerst nachgewiesen, 1926 dann in Cuxhaven. Die Pflanzen erfrieren bei Temperaturen um -2 bis -4° C, bringen aber regelmäßig eine große Zahl von reifen Achänen hervor (Wagenitz 1979). Die wird oft über Kompost ausgebracht und findet sich häufig auf Baumscheiben (Poppendieck & al. 2011). Im Gebiet fast ausschließlich im Norden vorkommend (Poppendieck & al. 2010).
DEUTSCHLAND: 
In Bremen und Hamburg eingebürgert (Kuschel 1998, Poppendieck & al. 2010), sonst vereinzelt im Norden, so in Berlin (Seitz & al. 2012), Cuxhaven, Satow, Demmin, Greifswald, Parchim, Matzlow, Neukloster, Schwaan und Gnoien in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Niedersachsen (Hand & Thieme 2024), 2009 im Steinbruch Klosterbusch in Bochum-Querenburg in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2021), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024) und Tönning, Heist, Niebüll, 2018 Leck und 2018 Galmsbüll in Schleswig-Holstein (Wagenitz 1979, Hebbel 2018, Hebbel 2023). Im Süden viel seltener und nur vorübergehend, so 1998 auf einer Ruderalstelle zwischen Mauern und Unteralting in Bayern (Meierott & al. 2024).  
ÖSTERREICH:
Früher im Botanischen Garten Graz (Hamburger 1948 sub S. serrata, Essl & Rabitsch 2002 sub S. serrata). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1906 (Glaser & al. 2025 sub S. serrata).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Arten:

Sigesbeckia orientalis

Die Östliche Siegesbeckie, Sigesbeckia orientalis (inkl. S. microcephala) ist von Osteuropa und Kamerun ostwärts bis Australien und ins Amurgebiet verbreitet. Die Art wird in der TCM genutzt, beispielsweise bei Kraftlosigkeit des Bewegungsapparates. Sie vor allem mit Wollabfällen und Saatgut unbeständig eingeschleppt angetroffen werden (Wagenitz 1979, Hassler & Muer 2022). Adventiv angegeben 1961 in Berlin-Grunewald (Scholz & Sukopp 1965, Hand & Thieme 2024), Rüdersdorf in Brandenburg (Schube & Dalla Torre 1900, Hand & Thieme 2024), 1930 in Hamburg-Harburg (Christiansen 1932, Hand & Thieme 2024), Lampertheim in Hessen (Fiedler 1936, Hand & Thieme 2024), ehemals Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern (Toepfer 1899, Hand & Thieme 2024), 1913 in Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2024), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024), 1940 in Leipzig-Probstheida und 1951 in Leipzig-Paunsdorf in Sachsen (Gutte 2006) und 1943 in Deezbüll in Schleswig-Holstein (Hebbel 2018) Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Sigesbeckia pubescens

Die Weichhaarige Siegesbeckia, Sigesbeckia pubescens, ist in Ostasien beheimatet. Sie gehört zu den TCM-Pflanzen und findet vor allem bei Muskel-Skelett-Erkrankungen Anwendung. Eingeschleppt im Gebiet angegeben 2009 für den Steinbruch Klosterbusch bei Bochum in Nordrhein-Westfalen (BBV 2010). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Quellen

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2010): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen im Bochum-Herner Raum (Nordrhein-Westfalen) in den Jahren 2007 und 2008 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 128–143.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2017): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2017 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 9: 115–161.

Bonte L. (1930): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Verh. D. naturh. Ver. D. preuß. Rheinlande und Westfalens 86: 141−255.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Christiansen D.N. (1928): Die Adventiv- und Ruderalflora der Altoner Kiesgruben und Schuttplätze – Schriften der Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein 18(2): 350-462.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

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