Secale

Roggen, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Secale umfasst etwa 9 Arten (Kew 2023) und ist in Süd- und Osteuropa, West- und Südwest-Asien und Nord- und Südafrika beheimatet mit Mannigfaltigkeitsgebiet von Anatolien bis in den Iran.
 

Secale cereale

Kultur-Roggen,
Secale cereale,
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

Bis 180 cm hohe, blaugrün bereifte Einjährige mit breiten Blättern und kahlen Blattöhrchen, die nicht den gesamten Halm umgreifen. Ligula 2−3 mm lang, wenig gezähnt. Ährchen mit langen Grannen, zweiblütig, jede Blüte mit einem Stempel und drei Staubblättern. Hüllspelze schmal, Deckspelzen mit auffällig langen Zähnen. Korn länglich, dunkel, nicht mit der Spelze verwachsen. Blütezeit Juni bis Juli.
 

 

Name:

Der Artbeiname bedeutet „der Göttin Ceres heilig, zum Ackerbau gehörig“.
 

Heimat:

Ursprünglich wahrscheinlich im Nahen Osten in Anatolien und Syrien und dort wahrscheinlich in Kultur aus dem Berg-Roggen, Secale montanum, entstanden. Älteste Roggenfunde von etwa 6600 v.Chr. stammen aus Nordsyrien. Im Gebiet wurde Roggen erstmals im 6. Jahrtausend v.Chr. bei Marbach am Neckar in Baden-Württemberg nachgewiesen (Piening 1982).
Möglicherweise war Roggen zunächst Wildart der Getreideäcker, wie es heute noch in Südostasien der Fall ist, und wurde dann erst in Kultur genommen, weil er sich als winterhärter als Weizen erwies (Düll & Kutzelnigg 2022).

 

Nutzung:

Häufig als Nahrungs-, Futter- und Genussmittel kultiviert, Winterroggen auch als Gründüngung. Roggen zählt zu den wichtigsten Brotgetreiden. Der gesundheitsfördernde Wert des Schwarzbrotes ist hoch einzuschätzen. Insbesondere die Fähigkeit, die Darmbewegung anzuregen, fördert eine rechtzeitige und gründliche Entschlackung des Körpers.
Roggen ist eine anspruchslose, selbstverträgliche, abtragende Frucht, die in alle Richtungen der Fruchtfolge variieren kann. Er hinterlässt einen garen, gut durchlüfteten Boden. In Australien wird die Art zur Sanddünenbefestigung kultiviert (Mansfeld 1986), außerdem wird sie als Wirtspflanze für den medizinisch genutzten Mutterkornpilz gebaut (Mansfeld 1986). Weltwirtschaftlich spielt der Roggen eine eher untergeordnete Rolle: 1990 betrug die Welternte 38 Mio. t, 2012 dann 15 Mio. t und 2018 schließlich 11 Mio. t.

Roggenpollen gilt als der stärkste Allergieauslöser unter den heimischen Gräsern. Eine einzelne Ähre kann über 4 Mio. Pollenkörner freisetzen.

 

Ausbreitung:

In Deutschland und Österreich häufig kultiviertes Getreide und hier immer wieder vorübergehend verwildert oder verschleppt. In der Schweiz seltener kultiviert.
DEUTSCHLAND:
U.a. in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), in Lindau, Waldau, Gefrees, Kornbach und Bärnreuth in Bayern (Breitfeld & al. 2017), Berlin (Hand & Thieme 2024), Brandenburg (Hand & Thieme 2024), im Bremer Hafen (Misskampf & Züghart 2000), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Hessen (Hand & Thieme 2024), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2024), Kamen und Augustdorf bei Detmold in Nordrhein-Westfalen (Loos 1997, Sonnenborn & Sonnenborn 2018), 1901 in Dannstadt in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1910), Adorf, Remtengrün, Markneukirchen und Wernitzgrün in Sachsen (Breitfeld 2021), Sachsen-Anhalt (Hand & Thieme 2024) und ehemals auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022). Eine Fundangabe für Niedersachsen wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt.
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern (Glaser & al. 2025). Der subspontane Erstnachweis für Österreich erfolgte 1947 (Glaser & al. 2025). In Südtirol ebenso unbeständig (Fischer & al. 2008).
SCHWEIZ:
Vielfach vorübergehend, vor allem im Mittelland und im Walliser Rhonetal (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich seit 1898 gelegentlich vorübergehend auftretend (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 
Weitere Art:

Secale sylvestre

Von Südost- und Osteuropa, westlich bis Ungarn und östlich bis Zentralasien reichend, ist der Wilde Roggen, Secale sylvestre, beheimatet. Er wird für das Gebiet aus Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2021) angegeben. Der Fund ist nach Bonte (1937) zu streichen.
 

Quellen

Bonte L. (1930): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Verh. D. naturh. Ver. D. preuß. Rheinlande und Westfalens 86: 141−255.

Bonte L. (1937): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes 1930-1934 – Decheniana 94: 107-142.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Loos G. H. (1997): Neophytische Kulturflüchtlinge im Stadtzentrum von Kamen/Westfalen – Decheniana 150: 5-26.

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Misskampf R. & W. Züghart (2000): Floristisch-ökologische Untersuchung der Spontanflora in Bremer Häfen unter besonderer Berücksichtigung der anthropochoren Pflanzen – Bibliotheca Botanica Heft 150

Piening U. (1982): Botanische Untersuchungen an verkohlten Pflanzenresten aus Nordwürttemberg (Neolithikum bis römische Zeit) – Fundber. Baden-Württemberg 7: 239-271, Stuttgart.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Sonnenborn I. & Sonnenborn W. (2018): Die Flora der Truppenübungsplätze Senne und Stapel in den Jahren 1989 bis 2017 – LWL-Museum für Naturkunde Münster, 90. Band.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1910): Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen und der Pfalz nebst den selteneren einheimischen Blütenpflanzen und den Gefäßkryptogamen – Pollichia 26: 11−171.