Amorpha

Scheinindigo, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Amorpha umfasst etwa 16 Arten (Kew 2022) in Nordamerika.
 

Amorpha fruticosa  

Scheinindigo,
Amorpha fruticosa  
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

1–4 m hoher Strauch mit unpaarig gefiederten Blättern, welche aus 11–21 breit-lanzettlichen bis eiförmigen, mit aufgesetzter Spitze versehenen Teilblättchen bestehen. Blüten in dichten, aufrechten, ährigen Trauben am Ende der Zweige. Krone dunkel-violettpurpurn, 4–6 mm lang, ohne Flügel und Schiffchen (nur bei dieser Hülsenfrüchtler-Gattung). Frucht 6–9 mm lang, drüsig, oft gebogen. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Name:

Die europäischen Siedler in Nordamerika haben mit den Blüten der Pflanze versucht, einen blauen Farbstoff zu gewinnen, daher der Name Scheinindigo.
 

Nutzung:

Zur Landschaftsgestaltung, Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften, als Bienenweide und Erosionsschutz. Selten als Ziergehölz. Die Art ist stadtklimafest, rauchhart und etwas salzertragend (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Als Zierpflanze und Bienenweide 1724 aus ihrer nordamerikanischen Heimat nach England eingeführt. 1771 im Botanischen Garten in Mannheim kultiviert. Die Art vermehrt sich sowohl generativ wie auch vegetativ durch Ausläufer (Tremp 2002). Seinen Siegeszug in freier Wildbahn trat der Scheinindigo in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an. Eisenbahningenieure pflanzten ihn bevorzugt an den Ufern von Bahndämmen im sumpfigen Gelände an. Der Gedanke dahinter war, die losen Böden der neuen Eisenbahndämme schnell zu festigen. Gegenwärtig im Gebiet schwerpunktmäßig am Rhein, im pannonischen Osten Österreichs und im südlichen Tessin vorkommend (Junghans 2010, Infoflora 2018). In Süd- und Südosteuropa gehört der Bastardindigo gebietsweise zu den häufigsten und problematischen Neophyten, der v.a. auf Alluvionen von Flüssen und in brach liegendem Feuchtgrünland dichte Bestände ausbilden kann. Auch in Ungarn gehört der Scheinindigo gebietsweise zu den häufigsten Neophyten (Essl 2008).
Daher sollte auch im Gebiet die Anpflanzung von Amorpha fruticosa an Autobahnen und Dämmen zukünftig unterbleiben, um die weitere Ausbreitung nicht zu fördern. Amorpha fruticosa steht in Deutschland als potenziell invasiver Neophyt auf der „Grauen Liste“ (Seitz & Nehring 2013), in der Schweiz wird er seit 2014 auf der „Schwarzen Liste“ der invasiven Neophyten geführt (Buholzer & al. 2014).

 
DEUTSCHLAND:
Erste Verwilderungen sind seit 1890 in den Hamburger Stadtteilen Uhlenhorst und Wandsbek bekannt. Andere Quellen nennen das Jahr 1750 und als Ort das Oberrheintal (Hensen 2011). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1895 an einem Waldweg bei Marxheim (Meierott & al. 2024). Gegenwärtig schwerpunktmäßig am Rhein vorkommend (Junghans 2010, Junghans 2019).
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern (Glaser & al. 2025), vor allem im pannonischen Gebiet Niederösterreichs, Wiens und des Burgenlandes verwildert bis lokal eingebürgert (z.B. Gilli & al. 2022, Glaser & al. 2025). Sonst nur vereinzelt, so etwa 2002 in Bergheim im Salzburger Flachgau (Schröck & al. 2004), 2019 bei St. Margarethen an der Raab, 2019 in Rothleiten bei Frohnleiten, 2019 in Feldkirchen bei Graz und 2024 in großer Zahl am gemähten Rand der Autobahn A9 zwischen Kalsdorf und Wundschuh in der Steiermark (Pöltl & Sengl 2019, Eigenfund Griebl 2024), in Angath, Imst und Innsbruck in Nordtirol (Hofbauer 2005, Polatschek 2000), Tristach bei Lienz in Osttirol (Polatschek 2000) und Dornbirn und Hard in Vorarlberg (Hofbauer 2005, Polatschek 2000). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte vor 1971 (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025). In Südtirol u.a. Fragsburg bei Meran und Bozen (Hegi 1975).
SCHWEIZ:
Selten im Jura und Mittelland, so etwa Aarau im Aargau (Hegi 1975), 2010 Twann-Tüscherz im Kanton Bern (Möhl & al. 2014) und Oensingen in Solothurn (Hegi 1975), häufiger nur um Genf und im südlichen Tessin (Infoflora 2023).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1963 in Albanien (Seebens & al. 2017), seit 1898 in Bulgarien (Seebens & al. 2017), seit 1947 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017), seit 1900 in Slowenien (CABI 2024), seit 1895 in der Ukraine (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021), Frankreich (INPN 2021), seit 1932 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1931 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 
Weitere Art:

Amorpha canescens

Als Zwerggehölz wird der im östlichen Nordamerika beheimatete Bleibusch, Amorpha canescens, auch Grauer Scheinindigo genannt, seit spätestens 1812 kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014). Er friert in Mitteleuropa als junge Pflanze gelegentlich zurück, treibt aber wieder durch (Bruns 2009)
Gelegentlich verwildert die Art unbeständig daraus, so 1918 für Speyer in Rheinland-Pfalz (Hegi 1975) angegeben.
 

Quellen

Anastasiu P., Negran G., Basnou C., Sirbu C. & Oprea A. (2008): A preliminary study on the neophytes of wetlands in Romanie. Neobiota 7: 180–190.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Buholzer S., Nobis M., Schönenberger N. & S. Rometsch (2014): Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz. – https://www.infoflora.ch/de/neophyten/listen-und-infobl%C3%A4tter.html 

CABI (2024): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Essl F. (2008): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil V - Linzer biol. Beitr. 40/1: 341–369.

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Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Gilli G., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 4 (Teil 3). 2.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 1114–1750.

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Hofbauer W. (2005): Erstfund des Archaeophyten Thlaspi alliaceum L. für Nordtirol sowie neue Fundortangaben zu diversen Neophyten – Ber. nat.-med. Verein Innsbruck Band 92: 45–53.

Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

INPN (2021): Inventaire National du Patrimoine Naturel – plants in french territories - https://inpn.mnhn.fr

Junghans T. (2010): Der Bleibusch (Amorpha fruticosa) als Neophyt in der Ufervegetation des Rheins – Pollichia-Kurier 26: 11–14.



Junghans T. (2019): Der Gewöhnliche Bleibusch (Amorpha fruticosa) im nördlichen Oberrheingebiet bei Mannheim: Aktuelle Verbreitung, Ausbreitungspotenzial und populationsbiologische Aspekte – Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e.V. Freiburg i. Br. – NF_22: 537 - 548.

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Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Seitz B. & Nehring S. (2013): Amorpha fruticosa. – In: Nehring Stefan, Kowarik Ingo & al. (Hg.): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen; BfN-Skripten 352; p. 50–51. – Bonn: BfN Bundesamt für Naturschutz.

Tremp H. (2002): Integration von Arteigenschaften invasiver Pflanzen mit Umweltfaktoren zur Erstellung von Risiko-Szenarien. Beispiel: Bastardindigo (Amorpha fruticosa L., Fabaceae). Neobiota 1: 67–89.

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Zernig K., Berg Ch., Kniely G., Leonhartsberger S., Pöltl M. & Sengl P. (2019): Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 7 – Joannea-Botanik 16: 161–184.