Sagittaria

Pfeilkraut, Froschlöffelgewächs, Alismataceae

Gattung:

Sagittaria umfasst etwa 40 Arten (Kew 2023) und ist fast kosmopolitisch verbreitet mit Hauptverbreitung in Amerika. Das heimische Echte Pfeilkraut, S. sagittifolia, ist im „Invasive Plant Atlas of the United States“ aufgeführt (Wohlgemuth & al. 2020).
 
 

Sagittaria latifolia  

Breitblättriges Pfeilkraut,
Sagittaria latifolia  
Froschlöffelgewächs, Alismataceae

 

Steckbrief: 

30−120 cm hohe, ausdauernde Wasserpflanze mit unterirdischen Knollen, rosettig angeordneten Grundblättern und pfeilförmigen, bis zu 30 cm langen Blattspreiten. Pfeillappen der Luftblätter 4−10 cm breit. Blattstiel rundlich. Blütenkrone reinweiß, ohne purpurfarbenen Fleck, 2,5−3,5 cm im Ø, Staubbeutel gelb, Kelchblätter zurückgeschlagen. Frucht mit rechtwinkelig abstehendem Schnabel. Blütezeit Juli bis September. 
Verwechslungsmöglichkeit: Das heimische Echte Pfeilkraut, Sagittaria sagittifolia, hat Kronblätter mit einem purpurnen Fleck am Grund und purpurbraune Staubbeutel. Der Blattstiel ist scharf dreikantig.
 

Nutzung:

Zierpflanze für Gartenteiche, im heimischen Pflanzenhandel nicht selten als „Sagittaria sagittifolia“ ausgezeichnet zu finden. Auch in einer gefülltblühenden Form `Plena´ im Handel. Die nussartig schmeckenden Knollen sind nahrhaft und erinnern im Geschmack an gekochte Erbsen. In China wird Pfeilkraut als Nahrungspflanze angebaut.
 

Ausbreitung:

Beheimatet von Nordamerika bis ins nördliche Südamerika. Als Zierpflanze nach Europa gekommen und seit 1886 aus Westfrankreich eingebürgert bekannt (Vahle 1994). Die Art bildet in Mitteleuropa keine oder kaum Samen und vermehrt sich hier vor allem vegetativ durch Ausläuferknollen (Jäger & al. 2008). Bei den meisten Fundangaben im Gebiet dürfte es sich nicht um echte Verwilderungen handeln, sondern um Ansalbungen mit der Tendenz zur Etablierung. So wurde die Art in einen Teich bei Behringen in Niedersachsen ausgebracht, binnen weniger Jahre hat sie sich so ausgebreitet, dass sie eine Fläche von etwa 300m² dominierte (Mertens & Kaiser 2014).
Gegenwärtig im Gebiet weit verbreitet und es ist anzunehmen, dass sie tatsächlich häufiger ist als angegeben, weil sie oft nicht vom heimischen Echten Pfeilkraut, Sagittaria sagittifolia, unterschieden wird.

 
DEUTSCHLAND: 
Lokal eingebürgert. Der Erstnachweis gelang im Jahr 1951 in Wassergräben bei Langenau/Schopfheim in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1998), 1952 dann in Berlin (Seitz & al. 2012). Weiters u.a. 1997 in einem Waldweiher bei Kohlhaus nahe Waldsee, 1993 in einem Weiher bei Wangen-Berg, bei Kernen im Remstal und bei Langenau in Baden-Württemberg (Dörr & Lippert 2001, Smettan 2010, Müller & al. 2021), bei Bärnreuth, Maria Bildhausen, Breitengüßbach, Gundelsheim, Memmelsdorf, Drosendorf und Weichendorf in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008), Havelgebiet Berlin (Vahle 1994, Hand & Thieme 2024), am Ufer der Löcknitz bei Seedorf und am Ufer der Stepenitz bei Perleberg in Brandenburg (Fischer 2017), Hofheim am Taunus, Wambach, Hemmener Teich, Odenhausen, Darmstadt-Wixhausen und Niddawiesen bei Frankfurt in Hessen (Gregor & al. 2018), bei Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern (Müller & al. 2021), 1997 an den Meißendorfer Teichen, im Steinhuder Meer und zwischen Behringen und Scharrl in Niedersachsen (Garve 1998, Vahle 1994, Mertens & Kaiser 2014), Köln, Siegaltarm Meindorf, Auelsbachtal bei Lohmar, Dornrath Richtung Ellhausen, bei Franzhäuschen, südlich Röcklingen und 2024 in einem Graben im Bereich NSG Hildener Heide in Hilden-Kalstert in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015, Sumser & al. 2015, BBV 2025), Saarland (Hand & Thieme 2024), Groß Düben, Wahnitz, Friedewald und Großkmehlen in Sachsen (Otto & al. 1999, Hardtke & al. 2013), in der Ohre und bei Salzwedel in Sachsen-Anhalt (Müller & al. 2021) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH: 
Vereinzelt, so ehemals im Warmbach beim Warmbad Villach in Kärnten (Melzer 1968, Essl & Rabitsch 2002), Innstausee bei Kirchdorf am Inn in Oberösterreich (Hohla & al. 2015), Neumarkt am Wallersee in Salzburg (Stöhr & al. 2009), Richterteiche in Turnau bei Aflenz und 2018 bei Dobl-Zwaring in der Steiermark (Gilli & Hofbauer 2013, Hohla 2018) und in Nordtirol (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1968 (Glaser & al. 2025). Ein subspontanes Vorkommen im Burgenland wird in Glaser & al. (2025) als fraglich geführt. 2021 in einem Rinnsal am Straßengraben bei Kurtatsch im Südtiroler Unterland beobachtet (Wilhalm & al. 2021).
SCHWEIZ:
1917 im Eschheimertal im Kanton Schaffhausen angepflanzt und sich hier ausbreitend (Kummer 1941). 1955 erstmals aus Bern gemeldet (Möhl & al. 2014), gegenwärtig vielfach in der Schweiz, so bei Brugg und Biberstein im Kanton Aargau, 2010 bei Vernier im Kanton Genf, in Graubünden, im südlichen Tessin, 2013 Wängi im Kanton Thurgau, 2010 St. Prex im Kanton Waadt und 2012 Oetwil, 2012 Kollbrunn, Lehmgrube Binz, Waldweiher Wehrliweg, Waldweiher Kappeli und Entlisbergweiher in Zürich (Stauffer 1954, Möhl & al. 2014, Gasser & al. 2012, Landolt 2001, Wohlgemuth & al. 2020, Infoflora 2023). In der Schweiz steht die Art auf der „Beobachtungsliste“.

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024) und seit 1945 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Sagittaria montevidensis

Das Montevideo-Pfeilkraut, Sagittaria montevidensis, ist von Nord- bis Südamerika verbreitet. Es spielt im heimischen Gartenbau keine Rolle, wird aber ehemals bei Sondershausen in Thüringen (Hergt 1917) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Sagittaria subulata

Aus Nord- und Südamerika stammt das Pfriemen-Pfeilkraut, Sagittaria subulata, das hauptsächlich als Aquarienpflanze unter dem Namen „Flutendes Pfeilkraut“ gehandelt wird und vereinzelt verschleppt auftritt. 
So seit 1984 in warmen Klärwassergräben in der Warmen Wuhle in Berlin (Seitz & al. 2012, Müller & al. 2021). Die Art wurde ehemals auch im Warmbach bei Villach angesalbt, zeigte aber keine Ausbreitungstendenz (Essl & Rabitsch 2002), weshalb der Fund keinen Eingang findet. Subspontan u.a. auch in der Slowakei seit 1995 (Medvecká & al. 2012).
 

Quellen

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