Rosmarinus

Rosmarin, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Rosmarinus ist (war) eine Gattung aus etwa 4 Arten, die seit 2017 innerhalb der Gattung Salbei, Salvia, geführt wird. Hier wird die Gattung vorerst beibehalten.
 

Rosmarinus officinalis

Rosmarin,
Rosmarinus officinalis
(= Salvia rosmarinus),
Lippenblütler, Lamiaceae

 

Steckbrief:

Bis 150 cm hoher, charakteristisch wohlriechender, immergrüner Strauch mit linealisch-lanzettlichen, ganzrandigen, am Rand umgebogenen, unterseits durch Sternhaare weißen Blättern und hellblauen, seltener rosafarbenen oder weißen Blüten. Oberlippe zweiteilig, Unterlippe dreilappig mit großem Mittellappen. Staubblätter die Krone überragen. Kelch glockig, zweilippig. Blütezeit Juli bis Oktober.
 
 

Name:

Rosmarinus ist lateinisch und bedeutet wörtlich übersetzt „Meerestau“.
 

Heimat:

Westliches Mittelmeergebiet.
 

Nutzung:

Als Gewürz-, Zier- und Arzneipflanze in zahlreichen Sorten von alphabetisch `Albus´ bis `Wilmas Gold´. Rosmarin ist Hauptkomponente von Kölnisch Wasser. Rosmarinöl wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen und hat eine antimikrobielle Aktivität gegen zahlreiche Bakterien, Hefen und Schimmelpilze. Rosmarin-Gewürz hat eine antibakterielle Wirkung (Lu & al. 2017). Seiner antimykotischen Wirkung wegen wird Rosmarintee im biologischen Gartenbau gegen Schadpilze eingesetzt.
 

Ausbreitung:

Seit spätestens dem frühen Mittelalter durch Mönche ins Gebiet gekommen und bereits in der Landgüterverordnung Karls des Großen um das Jahr 800 enthalten. Nach England kam Rosmarin 1338 durch Gräfin Johanna von Hennegau, Regentin der Niederlande, die an ihre Tochter, Philippa von Hennegau (1311−1369), Königin von England, Stecklinge schickte (Keen 1989). Wahrscheinlich kam Rosmarin schon früher auf die Insel, ohne aber schriftlich erwähnt zu werden. Anfang des 17. Jahrhunderts erreichte Rosmarin Nordamerika (CABI 2018).
 
DEUTSCHLAND:
Lokal subspontan in den wärmeren Teilen des Gebiets, so etwa in Baden-Württemberg (Hassler & Muer 2022), Schlangenbad-Georgenborn in Hessen (Gregor & al. 2012), beim Hirzenbachweiher auf der Wahner Heide und 2021 in einer Ufermauer in Essen-Kupferdreh in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015, BBV 2022), in Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024) und auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Hassler & Muer 2022).
ÖSTERREICH:
Sehr selten, so im Jahr 2024 bei Traiskirchen in Niederösterreich (Sauberer & al. 2025), im Jahr 2000 verschleppt in einer Erddeponie bei Kirchdorf am Inn in Oberösterreich (Hohla 2022), eine Pflanze 2022 in einer Pflasterritze zwischen der Rene-Marcic-Straße und der Nico-Dostal-Straße in der Stadt Salzburg (pers. Mitt. von Peter Pilsl am 8. Okt. 2025) und 2024 in Nussdorf bei Lienz in Osttirol (Stöhr 2024). In Südtirol im Etsch- und Eisacktal lokal eingebürgert (Naturmuseum Südtirol 2018, Fischer & al. 2008).
SCHWEIZ:
Mehrfach, besonders um den Genfer See und im südlichen Tessin, sonst u.a. bei Weggis in Luzern-Land, Clarens in der Waadt und im Rhonetal bei Fully, Saillon und Sitten im Wallis (Hegi 1975, Infoflora 2024). Im Kanton Zürich 1901 in Dättlikon, später in Dachsen, Zollikon und Knonau (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

 

Quellen:

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2022): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2021 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13: 131–190.

CABI (2018): Centre for Agriculture and Bioscience International – rosmarinus officinalis https://www.cabi.org/isc/datasheet/47678

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Keen M. (1989): The Glory of the English Garden - Litte, Brown and Co., Boston 1989, S. 19.

Lu Q.Y., P. H. Summanen, R. P. Lee, J. Huang, S. M. Henning, D. Heber, S. M. Finegold & Z. Li (2017): Prebiotic Potential and Chemical Composition of Seven Culinary Spice Extracts - Journal Food Science. Band 82, Nr. 8.

Naturmuseum Südtirol (2018): http://www.florafauna.it/index.jsp?project=florafauna&view=BOT&locale=de

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Stöhr O. (2024): Rosmarinus officinalis verwildert in Nussdorf? - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.